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Samstag, 23. Juni 2018

QUICK & DIRTY: FATHER JOHN MISTY / God’s Favorite Customer

Published: 01.06.2018
Label: Sub Pop
Genre: Singer/Songwriter, Crooner, Entertainer
Country: Maryland, U.S.A.



Members:
Joshua Michael Tillman

Tillmans viertes Album als FATHER JOHN MISTY. Langsam wird es langweilig, weil schon wieder umwerfend gut - aber was soll man auch von einem Typen erwarten, der im Mai 1981 in einer 70.000-Seelen-Gemeinde namens ROCKville geboren wird. Soll man da Bäcker oder Metzger werden???

Ganz so wütend, bissig und zynisch wie auf dem letzten Album "Pure Comedy" ist Herr Tillman nicht mehr, aber natürlich noch höchst melodramatisch, wortgewandt und dieses Mal sehr liebeskrank. Von der Komödie zur Tragödie!

"God's Favorite Customer" entstand zwischen Sommer 2016 und Winter 2017, als sich Father John Misty in einer Phase befand, in der sich Herzschmerz und die Freude über die wiedergewonnene Freiheit nach dem Aus seiner Ehe in seinem Inneren einen Zweikampf lieferten.



Es ist Tillmans bisher persönlichstes Album, denn wie schon die Songtitel verraten, gönnt er seinen Zuhörer einen Einblick in seine sensible melancholische Künstlerseele. Und erstmals wird mir klar - beim Song "Mr. Tillman" - wie artverwandt Herr Tillman und Herr Mark Oliver Everett , seines Zeichens als Eels im Rockzirkus unterwegs, sind!

Während sich der private Herr Tillman in erster Linie textlich, an Herrn Everett annähert, nähert sich die Kunstfigur Father John Misty in musikalischer Hinsicht an einen großen Singer/Songwriter der 70er an, der in den 80ern (leider) seinen Ruf mit seichten Pop ruiniert hat: Richtig, ich spreche von Sir Elton John.



Wie nah sich Father John Misty an Elton John schmiegt, wird deutlich, wenn man "God’s Favorite Customer" und  Elton Johns beste Platte "Captain Fantastic & the Brown Dirt Cowboy" (1975) nacheinander auf den Plattenteller legt. Beide Alben sind ohne das Piano nicht vorstellbar, beide sind von einer ergreifenden, aber nicht erdrückenden Traurigkeit durchtränkt und beide kreisen schicksalhaft um die Themen Liebe & Tod und das eigene Ego.

Für alle Verlierer dieser Welt - das sind doch Gottes Lieblingskunden - gibt es das unter Mithilfe der prominenten Gäste Jonathan Rado (Foxygen), Jonathan Wilson und Mark Ronson entstanden Werk in einer limitierten violett marmorierten Vinylauflage mit haptisch tastbaren Tränen auf dem Cover. Schnief ... Wir sind nur Menschen (und es gibt nicht viel, was man dagegen tun kann).

Tracklist:
01 Hangout at the Gallows
02 Mr. Tillman
03 Just Dumb Enough to Try
04 Date Night
05 Please Don't Die
06 The Palace
07 Disappointing Diamonds Are the Rarest of Them All
08 God's Favorite Customer
09 The Songwriter
10 We're Only People (And There's Not Much Anyone Can Do About That)

Freitag, 22. Juni 2018

NEW SONGS Vol. 186: BjORDAN - Bad Boy Sad Boy ... ANNA CALVI / Don't Beat the Girl out of My Boy ... REMAYN / Corners ... SOBS / Telltale Signs


BjORDAN - Bad Boy Sad Boy

Mister Braden Faisant macht unter dem Pseudonym BjORDAN Musik, die er auf seiner Soundcloud-Page ziemlich frech wie folgt beschreibt: "It's like 2010 LCD Soundsystem without the long & boring bits". 

Auf seiner sieben Songs enthaltenden EP "Pretty Hit Machine" lässt BjORDAN 80s Synthis blubbern und Beats galoppierend. Hat was in der Richtung von John Grant oder den späten Depeche Mode

Der böse Drag Queen-Bube im Clip nennt sich übrigens Bambi - für alle, die eher anders orientiert sind und nicht nur für Rock 'n' Roll interessieren ;-).




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ANNA CALVI / Don't Beat the Girl out of My Boy

Das hat ziemlich lange gedauert, bis ANNA CALVI nach ihrem Zweitwerk, "One Breath" (2013) wieder mit einem neuen Longplayer aufwartet! Ja, dazwischen lag die EP "Strange Weather", auf der sie mit David Byrne zusammenarbeitete, aber auch diese Veröffentlichung war bereits 2014!

Das Hauptproblem ist aber, dass Calvi, die live übrigens eine großartige Performerin ist, mit den beiden gerade genannten Werken in keinster Weise an ihrem famosen Debütalbum "Anna Calvi" von 2011 anknüpfen konnte. Die erste Single "Don't Beat the Girl out of My Boy" vom am 31. August erscheinenden dritten Longplayer "Hunter" der strengen Diva lässt hoffen, dass Calvi wieder zur Hochform zurückfindet.




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REMAYN / Corners

Aus Eastbourne einem Seebad am Ärmelkanal mit etwas mehr als 100.000 Einwohnern stammt ein Singer/Songwriter namens REMAYN. Erst im Alter von 26 Jahren begann er, um mehrere persönliche Tragödien zu verarbeiten, mit dem Songwriting.

Im April 2016 erschien seine erste EP "21276" auf der er Schmerz in sehr sehr traurige Musik, hauptsächlich von der akustischen Gitarre getragen, verwandelt.

Das große Kapital des Briten ist seine warme Stimme, die auch im Zentrum seiner neuen Songs steht, obgleich er auf seinem Debütalbum "Pressure" nun auch mit modernen elektronischen Sounds arbeitet und so den Sprung in Richtung Bon Iver wagt.




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SOBS / Telltale Signs

Platten von Bands aus Singapur habe ich bisher sicherlich keine in meiner Sammlung, aber das könnte sich ändern, wenn SOBS, die aus eben jener fernen Republik stammen sich entschließen ihr Debüt nicht nur auf Kassette, sondern auch auf Vinyl herauszubringen.

Warum? Weil der uncoole Pop, wie Celine Autumn, Jared Lim und Raphael Ong, das Trio hinter SOBS, ihre Musik selbst bezeichnen, mir sehr wohlgefällig im Ohr schmeichelt. Und eigentlich bin ich doch eine coole Sau ;-)!




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Mittwoch, 20. Juni 2018

CHRISTOPHER PELLNAT Made My Day! Ode to Olivia Rhodes!



 

CHRISTOPHER PELLNAT
Homepage: https://chrispellnat.bandcamp.com/
From: Hudson, U.S.A.


Christoper Pellnat ist ein Liedermacher aus dem Staat New York (Hudson), der neben seinem eigenen Songwriter-Ding auch noch als Gitarrist in der Band The Warp/The Weft der Rockmusik frönt. Der Song "Ode to Olivia Rhodes" entstand in den 90ern auf einem vierspurigen Tonbandgerät in Zusammenarbeit mit seinen Bruder Eric (1961-2015) und wurde inspiriert vom VR-Game "Lone Echo" bei dem Christopher auf die virtuelle Figur Olivia Rhodes traf. Da soll noch mal einer behaupten Computerspiele sind zu nichts nütze!
 MADE MY DAY!

Sonntag, 17. Juni 2018

QUICK & DIRTY: STEPHEN MALKMUS And The Jicks / Sparkle Hard

Published: 18.05.2018
Label: Domino Recording
Genre: AlternativeRock, IndieRock
Country: Portland, U.S.A.



Members:
Stephen Malkmus, Joanna Bolme, Mike Clrak, Jake Morris

Das Artwork des Jahres geht für mich in 2018 schon jetzt an STEPHEN MALKMUS And The Jicks. Das Urlaubsfoto, der Name des Bootes und der Albumtitel "Sparkle Hard" passen wie die Faust aufs Auge und sind in ihrer Gesamtheit so zeitlos, wie die Rockmusik dieser völlig unterbewerteten Band die mittlerweile in Hippstertown Portland ansässig ist.

Dass Frontmann Malkmus, bevor er mit eigenem Namen und den Jicks an den Start ging, mit Pavement den IndieRock der 90er prägte, sollte mittlerweile bekannt sein. Mit Pavement kam Malkmus auf 5 Alben, mit den Jicks veröffentlicht er nun schon sein 7tes Album. 

Nach dem etwas schwächerem, aber nicht schlechtem Album "Mirror Traffic" (2011) konnte mich die Band mit dem 2014er Werk "Wig Out at Jagbags" wieder restlos überzeugen und zu meiner großen Freude hält "Sparkle Hard" das dort erreichte Niveau spielend.



"Sparkle Hard" funkelt zeitlos! Normalerweise mag ich es nicht, wenn auf Schallplatten das Jahr der Veröffentlichung nicht preisgegeben wird, bei "Sparkle Hard" hätte ich es mir gewünscht, denn selbst das Jahrzehnt spielt hier keine Rolle. Wer nach irgendwelchen Modernismen sucht, kann suchen bis er schwarz wird. Wer nach ungezügelter Spiellust, ausufernden Solo-Parts und schier grenzenloser Virtuosität fahndet, der braucht allerdings nicht lange suchen, den das Albumin steckt voll davon.

Die Freaks von der Spex vergleichen "Sparkle Hard" mit "Ege Bamyasi" dem Meisterwerk von Can aus dem Jahr 1972, der Rolling Stone attestiert "Spleenige Gitarrenmusik mit Anleihen bei Kraut- und Classic Rock", die Intro entdeckt "cheesy Synthies und satte Streichern", sowie "einen mit Auto-Tune garnierter Space-Rocker". Ich würde es einfach als ein verdammt cooles und fettes Werk bezeichnen, das sehr abwechslungsreich ist, trotzdem aus einem Guss und eine Menge Spaß bereitet, weil man ständig irgendetwas neues Abgefahrenes entdeckt und lieben lernt.

Das volle Programm in 6:41 Minuten erwartet den Hörer beim Übersong "Kite". Es beginnt mit der akustischen Gitarre und dem typisch fluffigen Gesang, dann kommt plötzlich ein psychedelisches Intermezzo mit dem Mellotron und der Song beginnt zu grooven, ehe er in einem furiosen KrautRock-Jam endet. Ein ähnliches Groovemonster mit hoher Wandlungsfähigkeit ist "Bike Lane"

Der Albumopener "Cast Off" ist ein ähnliches Kaliber, anfangs und immer wieder tarnt sich der Songer als Piano-Ballade, die dann aber von aberwitzigen hochdramatischen Gitarrensoli aufgebrochen wird.

"Solid Solk" ist der entspannteste Song und die Nummer zu der man zu Streicherklängen am liebsten (mit nacktem Oberkörper ;-)) über die sieben Weltmeere segeln möchte. Ja, Stephen kann locker auch den Kurt Vile geben!



Erstaunlicherweise wurde ausgerechnet das harmloseste, um nicht zu sagen langweiligste Stück, "Middle America", als Teaser für "Sparkle Hard" auserkoren. Warum? Fluffige Sommernummer, aber warum nicht etwas mehr zeigen, wenn man so viel zu bieten hat?

Da gibt es zum Beispiel das klaustrophobisch anmutende "Rattler", das klingt, als wäre es ein MashUp aus dem Soundtrack eines John Carpenter-Film aus den 80ern und einer Passport-Nummer. Oder das nach Garage müffelnde und lärmende "Shiggy", das Sixties-Flair verströmende "Brethren", das countryeske "Refute" oder das symphonische "Difficulties/Let Them Eat Vowels", welches nach dreieinhalb Minuten so wunderbar an den Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt-Soundtrack von Ingfried Hoffmann erinnert, ehe es in Richtung SpaceRock abdriftet. Ach, "Middle America" ist wahrlich der letzte Song, den ich als Appetizer für dieses wunderbare Album ausgesucht hätte ...



Tracklist:
01 Cast Off
02 Future suite
03 Solid Solk
04 Bike Lane
05 Middle America
06 Rattler
07 Shiggy
08 Kite
09 Brethren
10 Refute
11 Difficulties/Let Them Eat Vowels

Donnerstag, 14. Juni 2018

QUICK & DIRTY: SNAIL MAIL / Lush

Published: 08.06.2018
Label: Matador/Beggars Group (Indigo)
Genre: IndieRock, DreamPop
Country: Baltimore / Maryland; U.S.A.



Members:
Lindsay Jordan

Eigentlich ist der normale Teenager doch eher verschlossen und wenig mitteilsam. So war es bei mir selbst in diesem Alter und auch bei meinen Töchtern habe ich es nicht anders erlebt. LINDSAY JORDAN ist 18 Jahre, hat aber ein ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis und legt deswegen auf ihrem Debütalbum "Lush" unter dem Namen SNAIL MAIL ihr Gefühlsleben der ganzen Welt zu Füßen.

Zu verdanken haben wir es der Washingtoner Band Priests, die das DIY-Projekt Snail Mail der Teenagerin in seiner Großartigkeit erkannte und unter die Fittiche nahm, sodass Lindsay nicht weiter nur rund um Baltimore gehört, sondern bereits mit ihrer ersten Single "Pristine" weltweit auf sich aufmerksam machte.

Bei großen Fußballstars - wahrscheinlich ist es bei Eishockeystar ja ähnlich - ist es ja immer der unbekannte Jugendtrainer, der den Star im Teenager erkennt und ihn zur Karriere verhilft, bei Lindsay ist die Sachlage etwas verkehrt, den niemand Geringeres als Mary Timony war die Gitarrenlehrerin der kleinen Linsay! Nur so erklärt sich doch wohl, dass eine 18-Jährige eine Gitarre so virtuos und kreativ bearbeitet, wie beim Uptempo-Song "Heat Wave". Aber ob Timony wirklich eine ausschlaggebende Größe für die musikalische Entwicklung der jungen Amerikanerin war ist natürlich reine Mutmaßung - plausibel klingt es aber schon ;-)



Aber Lindsay ist nicht nur eine gute Gitarristin, sie ist sogar eine noch bessere Songwriterin, denn unter den 10 Songs ihres Debütalbums versteckt sich keine einzige Nullnummer.

Über die Qualitäten der beiden Lead-Singles "Pristine" und "Heat Wave" lässt sich überhaupt nicht streiten und je öfter man sich in die anderen acht Stücke reinhört, desto deutlicher treten deren nicht ganz so offen liegende Qualitäten in den Vordergrund. So breitet "Speaking Terms" immer weiter seine DreamPop-Flügel aus uns segelt in Mazzy Star-Gefilde und das verschleppte Schlagzeug bei "Stick" verleidet unweigerlich dazu mit den Händen mitzutrommeln und wie großartig ist eigentlich der magische Bläser-Part in "Deep Sea".



"Verschleppt" ist übrigens ein Schlüsselwort, wenn man "Lush" in Worte fassen will, den Lindsays IndieRock geht nur selten ungestüm nach vorne, sondern bleibt im Gegensatz zu den sehr offensiven Texten immer etwas in der Defensive - selbst wenn es in einigen Songs gegen Ende etwas krawalliger wird - zum Beispiel bei "Golden Dream" oder beim hymnischen "Full Control".

Die letzten beiden Stücke des Albums, "Deep Sea" und "Anytime" sind Balladen für Menschen, mit denen die Emotionen schon mal gerne durchgehen. "Schlichte Schönheit" ist auch noch so ein Begriff der zwingend fallen muss, wenn man dieses reife Debüt einer 18-Jährigen beschreiben möchte. Chapeau Mrs. Jordan!



Tracklist:
01 Intro
02 Pristine
03 Speaking Terms
04 Heat Wave
05 Stick
06 Let’s Find an Out
07 Golden Dream
08 Full Control
09 Deep Sea
10 Anytime

Mittwoch, 13. Juni 2018

GOLDFRAPP feat. Dave Gahan Made My Day! Ocean!



 

GOLDFRAPP feat. Dave Gahan
Homepage: https://www.goldfrapp.com/
From: London, Great Britain


Nachdem das letzte Depeche Mode-Album, nennen wir es beim Namen, Kacke war, und auch das letzte
GOLDFRAPP-Werk nicht als Meilenstein ("Ocean" ist von diesem Album (Silver Eye"), aber ohne Dave Gahan) bezeichnet werden konnte, probieren es die beiden Ex-Meister der synthetischen Klänge mit "Ocean" gemeinsam. Auf jeden Fall besser als das ganze letzte Zeug! Fusion, Baby! Frapp Depeche! MADE MY DAY!

Dienstag, 12. Juni 2018

NEW SONGS Vol. 185: GURR / Hot Summer ... DOPAMINE / Remedy ... CHiCKN / Am I Cher? ... IDLES / Colossus


GURR / Hot Summer

Das Berliner Duo GURR hat es im letzten Jahr tatsächlich geschafft, den IMPALA  European Album of the Year Award zu gewinnen und sich gegen solch starke Konkurrenz wie The XX, Laura Marling und  King Krule durchzusetzen.

Jetzt gibt es endlich den ersten frischen Song nach dem großen Erfolg! "Hot Summer" ist nicht das, was der Titel verspricht, denn der Song entstand an einem Regentag in London und handelt davon wie beschissen es ist wenn es einem nicht gut geht, aber um einen herum alle vor guter Laune sprühen. Es geht um Verzweiflung! Da gefällt mir der Smiley auf dem Cover dann doch :-(.




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DOPAMINE / Remedy

Wahrscheinlich hatte jeder schon mal eine Beziehung bei der man im tiefsten Inneren weiß, dass der Partner einem nicht gut tut. Trotzdem schmerzt es, wenn diese Beziehung dann in die Brüche geht, denn Herz und Verstand gehen selten einher.

Davon handelt der Song "Remedy" des britischen Trios DOPAMINE, welches seit 2015 besteht und Rockmusik spielt, die gerne auf schwere Riffs setzt und Hooklines baut die in den besten Momenten an die Kings of Leon erinnert als diese noch nicht Stadion füllten.




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CHiCKN / Am I Cher?

Eigentlich ist es ein Skandal, dass ich die Experimental-Rocker CHiCKN hier noch nicht vorgestellt habe, denn die Griechen besitzen Witz, ein hohes Kreativpotential und leicht anarchistische Tendenzen, also drei Faktoren die auf diesem Blog gerne gesehen, bzw. gehört werden.

Im völlig losgelösten Clip zu "Am I Cher?" tummeln sich die unterschiedlichsten Freaks bei einer wilden Party zu abgedrehten Bläserklängen und glamourösen Riffs.

Wir wissen manchmal tatsächlich auch nicht wer, wo oder was Cher ist! Aber wir wissen, dass das zweite Album "Wowser!" beim Hören für den ein oder anderen Wow-Effekt sorgt!




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IDLES / Colossus

Im letzten Jahr hatte es die Punkband IDLES aus Bristol, die sich bereits 2012 gegründete hatte, geschafft, ihr Debütalbum "Brutalism" einem breiterem Publikum schmackhaft zu machen.

Jetzt läuft die Punk-Maschine unter Leitung von Sänger Joe Talbot auf Hochtouren, sodass mit "Colossus" schon der Vorbote für das nächste Album -("Joy as an Act of Resistance" soll am 31. August erscheinen) das Licht der Welt erblickt.

Toller Song, vielversprechender Albumtitel und ich mag ja wirklich Frontmänner, die so leicht irre aus der Wäsche gucken können - wenn sie wollen.




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Sonntag, 10. Juni 2018

QUICK & DIRTY: COURTNEY BARNETT / Tell Me How You Really Feel

Published: 17.05.2018
Label: Marathon Artists
Genre: AlternativeRock
Country: Sydney, Australia



Members:
Courtney Barnett

Die Slacker-Queen von Downunder meldet sich mit ihrem Nachfolger für das Meisterwerk "Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit" (2015) zurück. 

Courtney will wissen, wie es uns wirklich geht und sie will etwas Zeit mit uns verbringen. Danke ganz gut, und ja gerne, der Dreher freut sich immer wenn feine Kost unter der Nadel liegt.



Courtney geht auf "Tell Me How You Really Feel" nicht ganz so ungestüm zur Sache wie beim Vorgängerwerk, könnte also auch sein, dass es sich noch um Nachwehen von der Zusammenarbeit mit Kurt Vile ("Lotta Sea Lice" ; 2017) handelt - ganz besonders bei "Walkin’ on Eggshells."

Courtney begrüßt auf "Tell Me How You Really Feel" die beiden Deal-Schwestern Kim (Backing Vocals bei Song 5 und 7) und Kelly (Backing Vocals  bei Song No. 7) als Gastmusikerinnen. Bassläufe sind aber nicht fetter als vorher ...

Courtney schüttelt mit gewohnter Lässigkeit smashige Rocksongs aus dem Ärmel, als wäre es das einfachste der Welt, solche Songs zu schreiben - dass es nicht so ist, wird in einigen Texten thematisiert. Überhaupt präsentiert Courtney - ganz dem Albumtitel entsprechend - auf ""Tell Me How You Really Feel"" viele ihrer persönlichen Sorgen und Ängste, was die melancholischere Stimmung zum Vorgängeralbum erklärt - der Hang zum feinen Zynismus ist geblieben.



Courtney wird auf dem Album von ihrer Rhythmusgruppe Bones Sloane, Dave Mudie erneut am Schlagzeug und Dan Luscombe von The Drones an der Gitarre unterstützt. Wie gewohnt wechselt Courtney in unnachahmlicher Weise zwischen lauten und leisen Passagen.

Vom Songwriting erinnert Courtney immer mehr an die Schreibfeder von Kurt. Wenn Kurt Cobain noch am Leben wäre und Jen Cloher nicht an der Seite von Courtney, wäre Kurt mit dieser Courtney vielleicht besser bedient gewesen als mit der anderen -  so als "Schreibschwestern" im Geiste.



Und was sind die Hits auf "Tell Me How You Really Feel"? Die Fachpresse feiert "Crippling Self Doubt and a General Lack of Self-Confidence" und "Charity", meine Favoriten sind "Need a Little Time" weil es so unglaublich schön schwelgerisch mit Melodie und Gitarrenklängen umgeht, das noisige "Help Your Self" und ja auch "Crippling Self Doubt and a General Lack of Self-Confidence" - dürfte ja auch einer der besten Songtitel des Jahres sein.

Beim Rausschmeißersong des Album "Sunday Roast" zeigt sich Courtney versöhnlich: "I Know You're Doin Your Best" - dito Courtney dito! You didn't lose your passion!



Tracklist:
01 Hopefulessness
02 City Looks Pretty
03 Charity
04 Need a Little Time
05 Nameless, Faceless
06 I’m Not Your Mother, I’m Not Your Bitch
07 Crippling Self Doubt and a General Lack of Self-Confidence
08 Help Your Self
09 Walkin’ on Eggshells
10 Sunday Roast

Samstag, 9. Juni 2018

MASCHA Made My Day! Wie 1 James Bond Song!



 

MASCHA 
Homepage: https://www.facebook.com/maschalol/
From: Wien, Österreich


Anfangs wusste ich überhaupt nicht, was ich von diesem Stück halten sollte. Was singt die da?? Kann das weg? Dann hörte ich genauer hin und packte den Song in meine Erkundungsplaylist, wo Songs hinwandern bei denen ich mir nicht sicher bin, ob sie so gut sind, dass ich sie auf dem Blog präsentiere. Dann grub sich die Nummer bei jedem Hören tiefer in mein Hirn und jetzt bin ich dem postsowjetischen Charme und Witz der in Wien lebenden Ukrainerin MASCHA hoffnungslos erlegen. "Wie 1 James Bond SongMADE MY DAY!

Freitag, 8. Juni 2018

MICHAEL RAULT / It's A New Day Tonight [Review]

In den Siebzigern war die Welt noch in Ordnung! War sie das? Egal, dass was man mit den 70ern verbindet, nämlich 'Love, Peace and Harmony' ist auf jedenfalls der Geist, den der zweite Longplayer "It's A New Day Tonight" des Kanadiers MICHAEL RAULT atmet - ja, das Cover lässt Ähnliches vermuten.


Also am besten eine ähnliche Körperhaltung einnehmen, wie sie der Künstler auf dem Cover seines Albums vorgibt und dann "Dream On" mit dem Album-Opener "I'll Be There" - Damen dürfen sich gerne auch noch ein Blümchen ins Haar stecken.

Herr Rault durchforstet mit einem sicheren Händchen für Geschmack den poppigen Historienladen der Seventies und pickt sich die Sahnestückchen (Big Star, WingsSupertramp) heraus, dann zerstäubt er darüber sein süßes psychedelisches Pulver und serviert es mit frischer Prise, die Riesenhunger auf mehr macht.

Damals, als Supertramp in den frühen 80ern in die Charts vorstießen, fand ich dieses Band in meiner jugendlichen Sturm-und-Drang-Phase mit Kajal unter den Augen und verschmiertem Lippenstift nur gähnend langweilig, hatte aber schon bemerkt, dass wenn man bei der Damenwelt landen wollte, man die Band besser nicht verteufeln sollte ;-).



Heute erinnert mich die Musik von Michael Rault in erster Linie, wegen des Songwritings, an Supertramp - mit denen ich inzwischen auch meinen Frieden geschlossen habe - und in zweiter Linie, wegen der Arrangements, an die Lemon Twigs, weswegen "It's A New Day Tonight" alles, nur nicht langweilig ist.

"I'll Be There" ist ein echter Riff-Hanger, "New Today Tonight" leiht sich Groove & Beat von den Alabama Shakes, "Sleep with Me" ist die perfekte Symbiose aus Lemon Twigs & Supertramp.



Jangle-Pop mit Slacker-Attitüde gibt es bei "Oh, Clever Boy", eine Folk-Hymne für laue Sommerabende ist "Sitting Still", während die anfangs empfohlene Körperhaltung beim magischen "Dream Song" einzunehmen ist. Der "Pyramid Song" ist ein luftiger Sommersong, den man in der Summer-Playlist hinter Mac DeMarco setzen kann, "Out Of The Light" hinter die Lemon Twigs.



Der Wings-Vergleich greift bei "Sleeping & Smiling". Klingt Michael da nicht fast wie Mister Paul McCartney??! Zum krönenden Abschluss gibt es mit "When The Sun Shines " einen über mehr als sieben Minuten dauernden Song, der zum Mitsingen und Bierflaschenkreisenlassen einlädt - bevorzugt am See mit den Füßen im kalten Wasser.

Tracklist:
01 I'll Be There
02 New Today Tonight
03 Sleep With Me
04 Oh, Clever Boy
05 Sitting Still
06 Dream Song
07 Pyramid Song
08 Out Of The Light
09 Sleeping & Smiling
10 When The Sun Shines 




Mittwoch, 6. Juni 2018

RX SOUL Made My Day! Rose Lane!



 

RX SOUL
Homepage: https://www.facebook.com/rxSoulMusic
From: L. A., U.S.A.


Ein junger Künstler - mit dem leider etwas dämlichen Namen RX Soul - aus Los Angeles macht der Straße, auf der er ziemlich viel Zeit verbrachte, eine Liebeserklärung? Ist doch mal was Neues, nicht immer nur an Frauen oder materielle Dinge! Falls es mich mal in die Gegend verschlägt, werde ich mir die "Rose Lane" auf jeden Fall mal näher anschauen - kann aber was dauern so lange ihr den irren Typen mit der Kackfrisur im weißen Haus sitzen habt. MADE MY DAY!

Montag, 4. Juni 2018

QUICK & DIRTY: CONFIDENCE MAN / Confident Music for Confident People

Published: 13.04.2018
Label: Pias Coop/Heavenly (Rough Trade)
Genre: ElectroPop, DancePop, Dancefloor
Country: Brisbane, Australien



Members:
Janet Planet, Sugar Bones, Clarence McGuffie und Reggie Goodchild

Mich hat hirnmäßig noch keine altersspezifische Krankheit erwischt, aber ich kann mich trotzdem nicht erinnern, wann mich zuletzt eine Platte, die hauptsächlich für den Dancefloor konzipiert ist, interessiert hat. Ach doch! Die Basement Jaxx mit ihrem Debüt "Remedy" 1999!

In eine ähnliche Richtung geht es auch bei CONFIDENCE MAN und als weitere Referenz fällt mir noch das Duo The Ting Tings ein, dass 2008 mit "That's not My Name" einen Welthit landete. Menschen, die schon getanzt haben, als es noch keine YouTube-Stars, Blogger und Influencer gab, werden sich auch an Primal Screams "Screamadelica" (1991) oder Deee-Lite (1990) erinnert fühlen.



Dass man von Confidence Man also kein tiefgründiges Konzeptalbum erwarten sollte, dürfte nun eigentlich klar sein, ich kann es aber auch noch mal ganz explizit formulieren: This-is-funny-Dance-Shit-for-the-next-Party! Nicht mehr und nicht weniger.

11 Stücke befinden sich auf dem Album der Australier und wer nicht tanzen kann oder zumindest gerne mit dem Tanzbein zum Beat zuckt, der kann jetzt an dieser Stelle mit dem Lesen aufhören und vergessen, dass es eine Band namens Confidence Man gibt, allen anderen erhalten jetzt einige Informationen über die Band, die zu Beginn ihrer Karriere verschleiert auftrat, weil die männlichen Bandmitglieder auch in anderen Bands spielten und nicht mit dem "Nebenprojekt" Confidence Man in Verbindung gebracht werden sollten.



Bevor aus dem Nebenprojekt eine Band wurde, waren nämlich alle Bandmitglieder im IndieRock-Sektor unterwegs und hatten mit Tanzmusik im klassischen Sinne wenig am Hut - eine Gitarrenband die Tanzmusik macht konnte man sich dann aber schon vorstellen.



Nachdem die Vier als Confidence Man einige rasante Liveshows bestritten hatten, ließ sich nicht länger leugnen, dass das Nebenprojekt den jeweiligen Bandprojekten den Rang abgelaufen hatte, weswegen man sich fortan auf Confidence Man konzentrierte. Es wurden pfiffige Clips passend zu den Songs mit den frechen Texten erstellt und die Fangemeinde wuchs in kürzester Zeit rapide an.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Quartett mit dem bisherigen Konzept sich zu betrinken und Unsinn zu verzapfen kein zweites Album mit irgendeiner Relevanz hinbekommt, wenn man allerdings in Richtung "Out The Windows" geht und wieder eine so fluffige Bassline, wie bei "Boyfriend" ausgräbt, dann könnte doch mehr aus den Ein-Album-Wonder werden.



Tracklist:
01 Try Your Luck
02 Don't You Know I'm In a Band
03 Boyfriend
04 C.O.O.L Party
05 Out The Window
06 Catch My Breath
07 Bubblegum
08 Better Sit Down Boy
09 Sail Boat Vacation
10 All The Way
11 Fascination

Sonntag, 3. Juni 2018

CHROMATICS Made My Day! Black Walls!



 

CHROMATICS
Homepage: https://www.facebook.com/CHROMATICSBAND/
From: Portland, U.S.A.


Endlich mal wieder frisches Futter vom Kult-ElectroDisco-Act Chromatics! Wie der Name schon andeutet, ist "Black Walls" ein Song mit düsterer Atmosphäre zu dem Sängerin Ruth Radelt den frostigen Gesang liefert.
"Black Walls" ist der erste Vorbote aus dem lang erwarteten neuen Album, welches im Laufe des Jahres, natürlich auf Italians Do It Better, veröffentlicht wird. MADE MY DAY!

Freitag, 1. Juni 2018

NEW SONGS Vol. 184: THE BEACHES / T-Shirt ... ARCHIE AND THE BUNKERS / She's a Rockin' Machine ... SUSIE SCURRY / The Elvis Hour ... JESS WILLIAMSON / I See The White


THE BEACHES / T-Shirt

Die beiden Schwestern Jordan und Kylie Miller bilden den Kern des kanadischen Girls-Quartetts THE BEACHES, welches komplettiert wird, durch Leandra Earl (Gitarre, Keyboard) und Eliza Enman-McDaniel (Schlagzeug).

Nach der ersten Singleauskopplung "Money" aus ihrem Debütalbum "Late Show" wurde nun "T-Shirt" ausgekoppelt. Der Song ist unglaublich catchy und ich liebe vor allem den Clip im Seventies-Slade-Gedächtnis-Look.





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ARCHIE AND THE BUNKERS / She's a Rockin' Machine

Im Mai des letzten Jahres hatte ich die beiden O'Connor-Brüder schon einmal vorgestellt, jetzt gibt es ein neues Album namens "Songs From The Lodge" des furiosen Duos, welches mit der knackigen Lead-Single "She’s A Rockin‘ Machine" an den Start geht.

ARCHIE AND THE BUNKERS lassen wie gewohnt die Orgel im Spannungsfeld zwischen Psychedelic und Rockabilly tanzen!




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SUSIE SCURRY / The Elvis Hour

SUSIE SCURRY ist eine klassische Singer/Songwriterin vom australischen Kontinent. 2016 veröffentlichte die in Melbourne lebende Künstlerin ihr Debütalbum "The Grand Magoozi" auf welches nun als neueste Veröffentlichung Ende Juni die EP "The Elvis Hour" folgt, voraus es den Titelsong bereits zu hören gibt. Scurry singt über den Wahnsinn der Welt, die Liebe und das Leben mit wundervollem Schmacht in der Stimme. Besondere Erwähnung gebührt Shez Sheridan der die Steel-Gitarre so schön zum Weinen bringt.




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JESS WILLIAMSON / I See The White

Selbtsfindungs-Folk? Diese ziemlich abtörnende Bezeichnung verpasst ihr Plattenlabel im Pressetext der texanischen Songwriterin JESS WILLIAMSON.  Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, sondern lieber auf die feinsinnigen Botschaften ihrer Folksongs hören. Für den Song "I See The White" gilt das Motto: "Life is messy and wild and sad and ecstatic all at once, and I wanted this song to be the same."




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Donnerstag, 31. Mai 2018

INSECURE MEN Made My Day! I Don't Wanna Dance (with My Baby)!



 

INSECURE MEN
Homepage: https://insecuremen.bandcamp.com/
From: London, Great Britain


Saul Adamczewski? Schon gehört? Ja, war
 oder ist einer der Masterminds der Fat White Family, geht aber jetzt zusammen mit seinem alten Buddy Ben Romans-Hopcraft, den man wiederum von der Band Childhood kennt, eigene Wege. Da sieht, oder besser hört man, was Feines draus werden kann, wenn alte Freunde gemeinsam musizieren und alle Nichttänzer werden sich freuen, dass es endlich eine adäquate Antwort auf den Whitney Houston-Gassenhauer gibt - zu dem man aber doch tanzen kann ;-). MADE MY DAY!

Dienstag, 29. Mai 2018

LAURA CARBONE Made My Day! Tangerine Tree!



 

LAURA CARBONE
Homepage: https://www.lauracarbone.com/
From: Sinsheim, Germany


Die Sinsheimerin Laura Carbone wohnt mittlerweile in Berlin, war auf Tour 
mit Jesus and Mary Chain, INVSN und The Pains of Being Pure at Heart und wird immer besser, sodass man davon ausgehen kann, dass sie nach dem Erscheinen ihres neuen Albums "Empty Sea" am 1. Juni in Zukunft nicht mehr das WarmUp für andere Bands geben muss. MADE MY DAY!

Montag, 28. Mai 2018

BAYUK / Rage Tapes [Review]

In Diebenga (schwäbisch für Thüringen) wird 1991 ein junger Knabe namens Magnus Hesse geboren. Er entwickelt sich zu einem kreativen Geist, der sich mit 14 Jahren Gitarre- und Klavierspielen beibringt, später Cello in einem Orchester spielt und Literaturkunst- und Filmwissenschaften studiert. Irgendwann zieht er nach Berlin, kommt vom Film zur Musik und nennt sich BAYUK, weil sein bürgerlicher Name eher zu einem Schriftsteller als zu einem Popmusiker passt.


Am 4. Mai erschien sein Debütalbum "Rage Tapes", auf dem man alles heraushören kann, was Bayuk als Inspirationsquellen in den verschiedenen Pressemitteilungen über sich angibt: The Notwist (elektronische Frickeleien), John Frusciante (Soundexperimente), David Lynch (cineastische Klänge) und RenéMagritte (unerwartete Brüche).

Das Album beginnt mit einer über 8 Minuten langen Nummer namens "Phantom Track", die mit verschleppten Dope-Beats und spooky Vocals aufwartet und bei Radiohead-Fans für Begeisterungsstürme sorgen dürfte. Gute Laune verströmt Bayuk auf seinem ersten Longplayer nicht. Er experimentiert im Graubereich zwischen Melancholie und Depression, lässt seine Songs unscharf flirren –  das klingt dann wie der perfekte Soundtrack zum Betrachten von Luftspiegelungsbildern bei großer Hitze.

Die Legende - oder die Pressemitteilungen - lassen verlautbaren, dass während der Studioaufnahmen in Dauerschleife David Lynch-Filme liefen. Ob das stimmt, steht in den Sternen, aber es hört sich auf jeden Fall sehr schön an und man mag es einfach glauben, wenn man sich durch die 44 Minuten des Albums hört.


Wem der zweite Song des Albums "Haaappiiiiiiiiiiiiinneeeeezz" irgendwie bekannt vorkommt, der hat natürlich recht, den Bayuk traut sich, das Traditional "Auld Lang Syne" ziemlich unverblümt zu zitieren. Mutig und gut!

Bei "Old June" klickert und klackert und flirrt es, dass man gar nicht weiß, was einem geschieht. Dazu Handclaps und Xylophonklänge und geisterhafte Samples. Der Song hätte auch wunderbar auf Sufjan Stevens Meisterwerk "The Age of Adz" gepasst. Vertrackt und gut!



Es bleibt spooky und wird sehr traurig: Zur akustischen Gitarre bei "Shoot Me" ertönen Martinshörner im Hintergrund, während Bayuk fleht, dass irgendwer da draußen sein Leben für ihn lebt. Das ist starker Tobak und gut!

"Lions In Our Bedroom" brummt gefährlich und spielt mit einer orchestralen Kakaophonie, ehe sich die Stimme zum gemächlichen Beat gesellt. Über mehrer Vokalspuren hinweg türmt sich der Song immer mehr auf, zerfällt und türmt sich erneut auf. Wer sich dazu keine Bilder aus einem Lynch-Film vorstellen kann, der hat noch nie einen gesehen.

Irgendwo habe ich gelesen, dass Bayuk erzählte, dass die meisten Songs an der Akustikgitarre entstanden, was man wie ich finde am deutlichsten bei "The Beast Have Arrived" hören kann, weil trotz aller Soundeffekte sehr ohrenscheinlich wird, welch exzellenter Songwriter der Schwabe ist. Hochdramatisch und gut!



Der kürzeste Song des Albums "The Scales (Weight Two)" ist im Prinzip ein Acapella-Song unterfüttert mit minimalistischen Klavierklängen und Geräuschen. Kurz und gut!

Ein weiterer Song für Radiohead-Fans ist "Plastic Moon". Die Songstrukturen werden durch die unterschiedlichsten Field Recordings aufgebrochen, im Wall of Sound versteckt sich eine sehnsuchtvolle Melodie, die sich nur ab und an hören lässt. Größenwahnsinnig und gut!

Der Abschlusssong dieses wagemutigen Debütalbums ist "If I'd Ever", ein ätherisches Stück, dass den Zuhörer schweben lässt, so dass dieser nach dem etwas abrupten Ende mit Streicherklängen aufpassen muss, um nicht unsanft in der Realität zu landen - aber es gibt ja auch Plattenspieler mit Auto-Repeat-Funktion ;-).



Tracklist:
01 Phantom Track
02 Haaappiiiiiiiiiiiiinneeeeezz
03 Old June
04 Shoot Me
05 Lions In Our Bedroom
06 The Beast Have Arrived
07 The Scales (Weight Two)
08 Plastic Moon
09 If I'd Ever




Freitag, 25. Mai 2018

QUICK & DIRTY: GOAT GIRL / Goat Girl

Published: 06.04.2018
Label: Rough Trade Records
Genre: AlternativeRock
Country: London, Great Britain



Members:
Clottie Cream, Rosy Bones, Naima Jelly and L.E.D.

War die letzten beiden Jahre noch der australische Kontinent in Sachen heiße Scheiße im Indie-Sektor das Nonplusultra, so scheint es für 2018 der Londoner-Süden zu werden, den nach Shame mit ihrem sensationellen Debütalbum (Review) kommt nun auch eine Girlband namens GOAT GIRL aus dieser Ecke und deren Debütalbum kann sich ebenfalls hören lassen!

Die vier Damen, die unter Kampfnamen - wie es sich für Erbinnen der Riot Grrrls gehört - in den Ring steigen vermischen auf ihrem 19 Songs starken Album "Goat Girl" düsteren PostPunk mit GarageRock- Noise- und Countryelementen!

Prinzipiell fallen dem gebildeten Indie-Freak beim Durchhören des Werkes gefühlte 1000 Referenzen aus dem Indie-Genre ein, aber die Damen selbst beziehen sich in Interviews erstaunlicherweise unisono auf The Slits und The Gun Club und ja, auch deren Einflüsse lassen sich auf dem Album heraushören.



Besonders auffällig finde ich allerdings die stimmliche Ähnlichkeit von Sängerin Lotte mit Liz Phair [ was macht die Gute eigentlich mittlerweile??? Mal auf ihrer Homepage nachschauen :-( ] und den omnipräsent gefährlich brummenden Bass, der mich natürlich sehr an Kim Deal denken lässt.

Die Karriere des 2016 gegründeten Quartettes kam so richtig ins Rollen mit der großartigen Single "Country Sleaze", die natürlich nun auch auf dem Debütalbum zu finden ist und dem dazugehörigen Clip, den man besser nicht anschaut, wenn man zu epileptischen Anfällen neigt.



Dass es in vielen Songs um feministische Themen geht, hatte ich ja schon mit dem Vermerk auf die Riot Grrrls geliefert, aber auch mit expliziten Statements zu Politik und Soziologie halten sich die vier Kämpferinnen nicht zurück, denn wie heißt es so schön in "Country Sleaze": "I am ashamed of this so-called human race"!



Echt schwierig wird es, wenn man Songs aus dem Album hervorheben will, aber einfach kann jeder, deswegen hier die Aufzählung meiner Favoriten - allerdings ohne Haltbarkeitsdatum und Ewigkeitsgültigkeitszertifikat und ohne Wertung in der Reihenfolge:"Country Sleaze", "Cracker Dool", "Creep", "Viper Fish", "Little Liar" und selbstverständlich "The Man".

NATÜRLICH wandert letztgenannter Song beim nächsten Update in die Indie-Disco-Playlist!

P. S. Ich glaube, ich bin ein bisschen verliebt in die Ziegenmädchen, wäre also schön, wenn das Konzert am 21. September in Berlin nicht das einzige Gastspiel in good old fucking Germany wäre. Come on grrrrls! Cologne is waiting!



Tracklist:
01 Salty Sounds
02 Burn the Stake
03 Creep
04 Viper Fish
05 A Swamp Dog's Tale
06 Cracker Drool
07 Slowly Reclines
08 The Man with No Heart or Brain
09 Moonlit Monkey
10 The Man
11 Lay Down
12 I Don't Care Part 1
13 Hank's Theme
14 I Don't Care Part 2
15 Throw Me a Bone
16 Dance of Dirty Leftovers
17 Little Liar
18 Country Sleaze
19 Tomorrow

Mittwoch, 23. Mai 2018

SHAME live in Cologne

Location: YUCA, Köln
Date: 21.05.2018 
Support: RVG


"Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander." [Quelle: Lutherbibel] 

"Ein herzliches Willkommen in Köln an die zornigen jungen Menschen von der Insel, die zu Beginn des Jahres mit "
Songs of Praise," ein Debütalbum hinlegten, das die Messlatte für alle noch kommenden Alben in diesem Jahr verdammt hochlegt.


Kein Wunder also, dass deswegen mit sehr großer Vorfreude mein treuer Konzertbegleiter C. - in Begleitung der charmanten P. - und meine Wenigkeit bei bestem Wetter am Pfingstmontag, also am Tag, als der heilige Geist entsendet wurde, auf den Weg in einen kellergewölbeartigen dunklen Club sind, um die "Loblieder" dieser fünf jungen Briten zu empfangen.

Bevor die Briten loslegen dürfen, gibt es allerdings eine Vorband aus Australien zu hören. Das Quartett mit Frontfrau Romy nennt sich RVG (Romy Vager Group) und stammt aus Melbourne. Die Band veröffentlicht im Juli ihr Debütalbum "A Quality Of Mercy", welches mit Musik aufwartet, die man zwischen AltRock und PostPunk einordnen kann und die in erster Linie von der rauchigen und sehr markanten Stimme der Frontfrau lebt.

Live kann mich die Band nicht wirklich begeistern, denn das Songwriting ist eher mittelmäßig und bleibt wenig im Gedächtnis. Mein treuer Konzertbegleiter sieht das ganz genauso, wohingegen P. mutmaßt, dass wir die Band nur nicht gut finden, weil die Frontfrau nicht aussieht wie Ellie Rowsell - was natürlich völlig absurd ist!



Ziemlich pünktlich um 21 Uhr entern die Herren Eddie Green, Charlie Forbes, Josh Finerty, Sean Coyle-Smith und Charlie Steen die Bühne. Los geht es nach kurzer Ansage mit "Dust On Trial" und es geht wirklich sofort richtig los! Schon nach wenigen Sekunden hat Sänger Charlie Steen das Publikum an den Eiern (*der politischen Korrektheit wegen) und Eierstöcken - denn im ausverkauften Yuca sind durchaus auch eine stattliche Zahl an weiblichen Gästen - und zeigt, dass SHAME in erster Linie eine Liveband sind.

Im zarten Alter von 16 Jahren begann Steen mit dem Schreiben von Songs und sein allererster ("One Rizla") wurde Jahre später zum Hit ihres Debütalbums.

Aber Steen ist nicht nur ein verdammt guter Songwriter, sondern auch ein Frontmann, der diesen Namen verdient. Steen will Spaß auf der Bühne UND er will dem Publikum Spaß bereiten. Immer wieder fordert er die Zuschauer auf, näher zu rücken, zu tanzen und sich aktiv am Konzert zu beteiligen. Das kann nerven, tut es in diesem Falle aber nicht, denn Steen scheint der geborene Rock 'n' Roll Entertainer zu sein, der in seinen stärksten Momenten tatsächlich an die Punk-Legende Henry Rollins erinnert.

Bereits nach dem zweiten Stück ("Concrete") ist sein Oberkörper entblößt, denn es wird heißer im Yuca! Der Sound lässt etwas zu wünschen übrig, aber das spielt heute Abend eine absolut untergeordnete Rolle, denn hier und heute zählt einzig der Rock 'n' Roll-Funke, der wie bei einer Kettenreaktion überspringt und ALLES in Brand setzt.

Bereits Lied Nummer drei in diesem furiosen Ritt ist der Hit "One Rizla". Es brodelt! Herr Gott, dieser Typ ist gerade mal 20, aber er weiß genau was und wie er es zu tun hat! Fu**ing fantastic!



Bei seinen zum Teil noch sehr bubihaft aussehenden Mitstreitern hat man allerdings eher den Eindruck, als könnten sie es noch gar nicht richtig glauben, dass sie weit weg von Zuhause in einer fremden Stadt gerade ein Publikum ausrasten lassen – wahrscheinlich rufen sie noch heute Abend ihre Mütter an und erzählen wie geil der Auftritt war. Der Ersatzpapa, ist übrigens der nicht mehr ganz jugendliche Drummer der Vorband, der die Jungs auf der Bühne mit Bierchen versorgt und schmunzelnd neben der Bühne lehnt und dabei den Gesichtsausdruck eines stolzen Vaters trägt  ;-)

Aber neben aller Jugend sieht man doch auch, dass sich die Band, bei dem was sie tut, pudelwohl fühlt und dass sie schon ein paar Konzertchen auf dem Buckel hat.

Nachdem die Band zu Beginn ihrer Karriere als Support für die Slaves, Warpaint und später für GURR unterwegs war, spielt sie im Jahr 2017 mehr als 250 Konzerte. Das kann man sicher nur durchhalten, wenn man so viel Spaß bei der Arbeit hat wie diese fünf Jungs aus dem Londoner Stadtteil Brixton.

Gekonnt absolviert das Quintett die Songs aus ihrem Debütalbum und überrascht außerdem mit einem neuen Song, der entweder noch unbetitelt ist oder aber später mal "Untitled" heißen soll. Feine Nummer, die sich nahtlos in das perfekte Set einfügt.

Feststellung des Abends: Selten machen Songs mit sozialkritischen Botschaften soviel Spaß wie bei diesem Gig, der BritPop und Punk so wunderbar perfekt verbindet, dass man sich fragt, wieso eigentlich niemand vorher auf diese eigentlich doch nahe liegende Idee gekommen ist?



Nach nicht mal einer Stunde sind Shame mit ihrem Set durch, aber den kürzesten Song ("Donk") ihres Debütalbum haben sie sich als Zugabe aufgehoben und so dürfen sich noch einmal ALLE sowieso schon schweiß- und biernassen Körper ineinander verkeilen und den heiligen Geist des Rock 'n' Roll an diesem Pfingstmontag empfangen. Amen.

Dann ist Schluss und ich gehe davon aus, dass jeder, der heute Abend hier war - wenn ihm oder ihr nicht der Himmel auf dem Kopf fällt - auch beim nächsten Gastspiel der Band am 12. Dezember im Kölner Luxor dabei ist.


Dienstag, 22. Mai 2018

QUICK & DIRTY: PARQUET COURTS / Wide Awake!

Published: 18.05.2018
Label: Rough Trade Records
Genre: AlternativeRock, IndieRock, PunkRock
Country: New York, U.S.A.



Members:
Andrew Savage, Austin Brown, Sean Yeaton, Max Savage

Es gibt einige Bands, bei denen sich mir nie die Frage stellt, ob ich mir das neue Album ungehört vorbestellen soll. Die PARQUET COURTS aus New York gehören seit ihrem zweiten Album "Light Up Gold"(2012) zu diesen Bands.

Die Band hat es seitdem geschafft, mit wenigen Alben einen unverkennbaren Sound zu etablieren, der irgendwo zwischen Talking Heads, The Clash und, The Stooges einzuordnen ist. Beim neuen Album "Wide Awake!" gilt es aber auf die alarmierenden Vorzeichen zu achten, denn niemand Geringerer als Danger Mouse wurde vom Quartett ins Boot geholt, um dem neuen Werk einen speziellen Schliff zu geben- und wer die gefährliche Maus und ihre Produktionen kennt, der weiß, dass Brian Burton immer eine deutliche Handschrift seines Schaffens hinterlässt.



Beim ersten kompletten Albumdurchgang fällt auf, dass das Album sehr abwechslungsreich ist, aber auch, dass die gefährliche Maus es wieder einmal geschafft hat, dass eine eigentlich für den Massengeschmack untaugliche Band sich in Sachen Zugänglichkeit deutlich bewegt hat. Sagen wir es so, noch nie war es einfacher für einen Mainstreamradiohörer, sich auf die Parquet Courts einzulassen.



Dass diese, nennen wir es neue Zugänglichkeit, nicht in Anbiederung mündet, ist die große zu bewerkstelligende Kunst eines von Danger Mouse produzierten Albums. Das gelang zuletzt grandios mit Portugal.The Man, kann aber, wenn die Band über nicht genügend kreatives Potential verfügt, wie im Falle von U2, auch ganz böse in die Hose gehen. Die Parquet Courts verfügen über dieses Potential, weswegen man bei "Wide Awake!" schon gut hinhören muss, damit man das Händchen von Danger Mouse heraushört.

Aber die Produktion ist nur das Sahnehäubchen des Albums, denn das Famose ist die fantastische Mannigfaltigkeit, die das New Yorker Quartett auf ihrem sechsten, je nach Zählweise auch fünftem  Album offeriert.

Das Album beginnt mit dem Clash-Gedächtnisrocker "Total Football", rückt dann bei "Violence" eine vorwitzige Doors-Gedächtnis-Orgel ins Zentrum, zu der Andrew sich wütend auslässt als sei er der dritte Sleaford Mods.

Es gibt hymnischen Pop, der sich an den Melancholie geschwängerten Songs der Seventies orientiert ("Mardi Gras Beads") und direkt darauf wieder Stücke, die in der Indie-Disco für erhöhte Bewegung sorgen ("Almost Had to Start a Fight/In And Out of Patience"). Auf "Freebird II" wiederum sind es die sechziger Jahre, die man sofort assoziiert, vor dem geistigen Augemainfestiert sich Savage moves like Jagger, als dieser noch Hosen trug, die heutzutage wegen sexueller Belästigung nicht mehr tragbar sind.

Tatsächlich tendenziell in experimentelle Richtung geht die funky Nummer "Normalization" und bei "Back to Earth" tänzeln die Parquet Courts - wie die Broken Bells ;-)-  mit federleichtem IndiePop über den See der Melancholie. Der Gipfel ist aber der dem Album den Titel gebende Talking Heads-und-Beastie Boys-Gedächtnissong-in-einem "Wide Awake". Ja, auch diese Nummer gehört in jede Indie-Disco, am besten zwischen "Burning Down the House" und "Root Down".



Als vorletztes Stück gibt es dann eine Kneipen-Mitsing-Ballade ("Death Will Bring Change"), wie sie nur die Pogues noch schöner hinbekommen haben, ehe zum Schluss mit "Tenderness" ausgelassen getanzt werden darf.

Das Fazit dieser beeindruckenden Platte: Auch wenn am Ende alles nur sinnlos ist, es darf getanzt werden!

Tracklist:
01 Total Football
02 Violence
03 Before the Water Gets Too High
04 Mardi Gras Beads
05 Almost Had to Start a Fight/In And Out of Patience
06 Freebird II
07 Normalization
08 Back to Earth
09 Wide Awake
10 NYC Observation
11 Extinction
12 Death Will Bring Change
13 Tenderness