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Mittwoch, 18. Juli 2018

SKELETON SKIES Made My Day! Back to Nowhere!



 

SKELETON SKIES
Homepage: http://skeletonskies.com/
From: Berlin, Germany


2012 startete Multi-Instrumentalist 
Jorma Ruben nach seiner Rückkehr aus London, wo er 6 Jahre verbrachte, in Berlin das Projekt SKELETON SKIES, welches 2014 mit der EP "Times/Tiedes" debütierte.

Im Laufe der Jahre, in denen weitere EPs veröffentlicht wurden, 
entwickelte sich das Projekt zu einer 5-köpfigen Band, die nun am 25. Juli das Album "Marie Antoinette" veröffentlicht und mit dem von afrikanischer Rhythmik getragenen Song "Back to Nowhere" ein starkes akustisches Vorabsignal setzt. MADE MY DAY!

Montag, 16. Juli 2018

QUICK & DIRTY: ELEANOR FRIEDBERGER / Rebound

Published: 04.05.2018
Label: Frenchkiss Records (Membran)
Genre: IndiePop, Singer/Songwriter
Country: Ulster County, N. Y. / U.S.A.



Members:
Eleanor Friedberger

Frau FRIEDBERGER und ich haben ein besonderes Verhältnis, auch wenn ELEANOR davon überhaupt nichts weiß! Ich habe mir nämlich ihre letzte Platte "New View" 2016 bei meinem ersten und bisher einzigen New York Aufenthalt gekauft, und obwohl ich einen ganzen Sack voll Vinyl erbeutete, ist für mich diese großartige Reise auf immer mit Friedbergers drittem Soloalbum verbunden. Denke ich an N. Y. denke ich an Eleanor - falls ich mal ein Buch schreibe, wäre das ein schöner Titel.

Jetzt erschien mit "Rebound" das vierte Album der in Oak Park in Illinois geborenen Künstlerin, die vor ihrer Solokarriere bereits mit ihrem Bruder mehr als 10 Jahre in der Band The Fiery Furnaces musizierte und wahrscheinlich die einzige Frau ist, die bei zwei Musikern so großen Eindruck hinterließ, dass sie ihr jeweils einen Song widmeten. Der weniger bekannte dürfte "Anything You Want" von Britt Daniel von Spoon und der bekanntere "Eleanor put yout Boots on" von Alex Kapranos Frontmann von Franz Ferdinand sein. Witzig, dass Eleanore auf ihrem neuen Album nun einen Song hat, der doch tatsächlich "Make Me A Song" heißt ;-).



Orientierte sich Album Nummer Drei "New View" am poppigen Folk des ersten Albums ("Last Summer", 2011), so orientiert sich "Rebound" wieder eher am intelligenten Pop, wie ihn Friedberger 2013 auf ihrem zweiten Album "Personal Record" zum Besten gab - ist aber doch ganz anders.

"Rebound" handelt von Erlebnissen und Erkenntnissen in Griechenland, wo sich Friedberger nach einer Tournee und dem unfassbaren Ergebnis in der US-Wahl 2016 hin begab, um Abstand zu gewinnen und neue Kräfte zu sammeln. Man empfahl ihr zum Tanzen einen Club namens Rebound, wo man lustvoll der Gothic-Disco der 80er frönte und wo ein DJ-Set niemals ohne Joy Division oder The Cure auskommen konnte - laut Friedberger ein Club mit spärlicher Beleuchtung und kein sehr freundlicher Ort.



Da das neue Album nun trotzdem den Namen des Clubs trägt, liegt folgerichtig die Vermutung nahe, dass dieser Retrosound Friedberger Songwriting beeinflusst haben könnte. Und tatsächlich lassen sich derartige Referenzen aus den Songs heraushören. Allerdings nur unterschwellig, denn Eleanor gelingt es, dass "Rebound" zwar den 80er Jahre GothicPop rezitiert, aber doch leichtfüßig daherkommt und musikalisch nicht sooo weit von ihren bisherigen Alben entfernt liegt.



Was wiederum umso erstaunlicher ist, weil Friedberger im Vergleich zu den vorherigen Alben einige Dinge anders angegangen ist. So spielte sie die Demos im Alleingang ein und holte sich erst in einem sehr späten Stadium des Albums Feedback von Freunden und Musikern, außerdem schrieb sie, entgegengesetzt zu ihrer bisherigen Arbeitsweise, erst die Melodien und kümmerte sich dann um die Texte. Normalerweise schreibt Eleanor, wie sie in einem Interview verlauten lies, Texte um sich oder die Zuhörer zu amüsieren, nach dem vermaledeiten Herbst 2016 hatte sie aber das Bedürfnis Texte zu schreiben, die für den einzelnen Zuhörer ganz explizit etwas bedeuten könnten.

Und dann erwarb sie im Dezember 2016 ein Casio-Keyboard, was ihr eigentliches Vorhaben, ein rockigeres Album zu machen, ad acta legte, denn das Keyboard wurde zum prägenden Instrument auf "Rebound".

Fazit: ein etwas anderes Friedberger-Album, aber doch ein typisches Friedberger-Album, bei dem sich die heimlichen Hits gaaaanz langsam herausschälen.

Tracklist:
01 My Jesus Phase
02 The Letter
03 Everything
04 In Between Stars
05 Make Me A Song
06 Nice To Be Nowhere
07 It's Hard
08 Are We Good
09 Showy Early Spring
10 Rule Of Action

Donnerstag, 12. Juli 2018

NEW SONGS Vol. 188: OTTAWA / Strangers ... MILLER BLUE / Rhythm In The Dance ... ERIKA WENNERSTROM / Extraordinary Love ... THE VRYLL SOCIETY / Light At The Edge Of The World


OTTAWA  / Strangers

Einerseits ziemlich am Mainstream-Rock orientiert, andererseits aber doch verdammt druckvoll vorgetragen, sodass man stellenweise sogar an Kings of Leon und die Foo Fighters denken darf. Ist also schon in Ordnung, was OTTAWA aus Cleveland da als Ersten von insgesamt sechs für den Sommer angekündigten neuen Songs an den Start schickt.

Ottawa sind Dale DeLong (Gesang), Tim Czajka (Gitarre), Jeremy Barnes (Bass) und Will Hooper (Gitarre & Background-Gesang)




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MILLER BLUE / Rhythm In The Dance

Moderner RNB, der trotzdem nicht abgehangen klingt, wie 90% der Songs dieses Genres, welche die Radiosender weltweit verstopft?

Mr. MILLER BLUE, bürgerlich Benjamin Joseph Edwards, ist Engländer, was unschwer zu hören ist, und ihm gelingt tatsächlich beim Song "Rhythm In The Dance" das Kunststück, dass man gleichzeitig an Drake, Erykah Badu, The Streets und James Blakedenkt. Fluffige Nummer, die elegant zwischen RNB, HipHop und JazzVibes tänzelt und das Leben feiert - kann man ruhig auch mal machen ;-).




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ERIKA WENNERSTROM / Extraordinary Love

Seit 2003 ist ERIKA WENNERSTROM die Frontfrau der amerikanischen Indie-Rockband Heartless Bastards. Auf 5 Alben hat es die Band gebracht, der internationale Durchbruch blieb dem Quartett aus Ohio aber bisher verwehrt.

Nun erschien im März dieses Jahres ihre erste Soloplatte "Sweet Unknown" und auf dieser gelingt es Wennerstrom das Songwriting so zu verbessern, dass es ihrem Solodebüt spielend gelingt, die fünf Alben ihrer Band, die in der Heimat nicht unerfolgreich waren, zu übertrumpfen. Bestes, aber nicht einziges Beispiel: "Extraordinary Love".




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THE VRYLL SOCIETY / Light At The Edge Of The World

Wunderschöne psychedelische Popmusik, näher an den frühen Tame Impala als an den ebenfalls britischen Temples macht das Quintett THE VRYLL SOCIETY aus Liverpool.

"Light At The Edge Of The World" ist ein Ohrwurm mit hymnischem Refrain und allem, was das Herz des Neo-Psychedelicers schneller schlagen lässt.

Das Debütalbum "Course of the Satellite" soll am 10. August auf Deltasonic Records erscheinen und mit 11 Titeln an den Start gehen. Neben "Light At The Edge Of The World"" findet man darauf auch "A Perfect Rhythm", den Song, welcher der Band auch schon einen Auftritt beim Glastonbury-Festival bescherte.




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Mittwoch, 11. Juli 2018

PRINCESS CHELSEA Made My Day! I Love My Boyfriend!



 

PRINCESS CHELSEA
Homepage: http://princesschelsea.lilchiefrecords.com/
From: Auckland, New Zealand


NEIN! Der erste Eindruck des Mikros täuscht! Das ist ein Barbie-Mikrofon und kein Sex-Toy! Warum auch, schließlich singt
 PRINCESS CHELSEA (alias Chelsea Nikkel) aus Neuseeland darüber, wie sehr sie ihren Boyfriend liebt. Oder?

Wenn man genau hinhört, geht es darum, dass man, obwohl man in einer Beziehung ist, sich zu einer Person hingezogen fühlt. Manchmal mag ich Kitsch und Princess Chelsea und "
Love My Boyfriend" sind herrlich kitschig. MADE MY DAY!

Montag, 9. Juli 2018

QUICK & DIRTY: BODEGA / Endless Scroll

Published: 06.07.2018
Label: What'S Your Rupture (Rough Trade)
Genre: IndieRock, AlternativeRock, NewWave, ArtRock, PostPunk
Country: New York, U.S.A.



Members:
Ben Hozie, Nikki Belfiglio, Montana Simone, Heather Elle, Madison Velding-VanDam

"How Did This Happen?!" heißt der erste Song mit dem die New Yorker Band BODEGA ihr Debütalbum "Endless Scroll" beginnt, auf welchem sie anschließend versucht, auf insgesamt 14 Songs, die aktuelle Sozial-, Kultur-, Gesellschafts- und Politiklage in einem PostPunk-Entwurf zu erläutern.

Das klingt mal nach den Parquet Courts, wie beim frechen Liebeslied "Jack in Titanic", welches selbstredend auf den Hollywoodschinken anspielt oder aber nach den englischen Schimpfspechten Sleaford Mods ("Name Escape") oder gar nach Thurston Moore, ("Boxes For The Move").



Bei diesen Referenzen lässt es sich schon erahnen, dass dem Quintett mit "Endless Scroll" ein ziemlich großer Wurf geglückt ist. Wer daran womöglich auch keinen geringen Anteil trägt, ist Austin Brown von den Parquet Courts, der das Album eigentlich exakt so produzierte, wie das PQ-Durchbruchsalbum "Light Up Gold" aus dem Jahr 2012 klingt. Das Witzige daran ist, dass die Parquet Courts sich ja mit ihrem von Danger Mouse produzierten aktuellen Album "Wide Awake" ein gutes Stück von dieser "rohen" Produktionsweise entfernt haben.



Für Bodega ist dieser Rohschliff aber aktuell genau der richtige, da die rebellischen, meist vom Bass getriebenen, gerne auch zynischen Songs genauso klingen als sähe man die Band gerade live in einem kleinen dunklen Club, wo die Energie und Kraft der Band gerade auf das Publikum überspringt. Ich gestehe in einem Club mit gutem Tontechniker an den Reglern ;-).



Neben der Produktion und dem Songwriting besticht außerdem die ausgesprochene Vielseitigkeit, welche die Band an den Tage legt. Das beginnt damit, dass sich Ben Hozie und Nikki Belfiglio als Sänger am Mikro abwechseln und mit ihren so unterschiedlich markanten Stimmen dafür sorgen, dass neben Gang of Four (besonders bei "I Am Not A Cinephile") auch The Slits (besonders bei "Margot") ans Hinterstübchen klopfen, wenn man dem Album lauscht.

Außerdem sind die Songs, wie es sich in der Tradition des Punk gehört, fast immer knackig kurz, das brillante "I Am Not a Cinephile" bleibt sogar unter einer Minute und über die stilistische Bandbreite hatte ich mich ja eingangs bereits geäußert, kann aber den Referenzen guten Gewissens auch noch The B-52's, Wire, Le Tigre und Devo hinzufügen. Das Bühnenoutfit orientiert sich allerdings eher an Arcade Fire ;-). Jetzt ist es aber gut!

Na gut, noch meine Favoriten: "How Did This Happen?!" + "I Am Not a Cinephile" +"Gyrate" + "Jack In Titanic" + "Charlie". Jetzt ist aber wirklich gut!!



Tracklist:
01 How Did This Happen?!
02 Bodega Birth
03 Name Escape
04 Boxes For The Move
05 I Am Not a Cinephile
06 Can't Knock The Hustle
07 Gyrate
08 Jack In Titanic
09 Margot
10 Bookmarks
11 Warhol
12 Charlie
13 Williamsburg Bridge
14 Truth Is Not Punishment

Freitag, 6. Juli 2018

SLOTHRUST Made My Day! Peach!



 

SLOTHRUST 
Homepage: http://www.slothrust.com/
From: Los Angeles,  U.S.A.


Am 14. September erscheint das vierte Album "The Pact" von
SLOTHRUST. Als Aperitif gibt es ein leckeres Früchtchen namens "Peach". Wie gewohnt lebt es vom eindringlichen Gesang von Leah Wellbaum und von krawalligen Gitarren, die an Riffs zerschellen.

Auf "
The Pact" soll sich die Band, zu der noch Schlagzeuger Will Gorin und Bassist Kyle Bann gehören, auch in neue Gefilde wagen, so soll es sogar R&B-Grooves zu hören geben! Vorbilder des Trios bleiben aber natürlich Bands wie The Smashing Pumpkins, Pixies oder PJ Harvey. MADE MY DAY!

Mittwoch, 4. Juli 2018

QUICK & DIRTY: KHRUANGBIN / Con Todo El Mundo

Published: 26.01.2018
Label: Night Time Stories
Genre: Alternative Beats, Oriental Surf Sound, Erotic Surf, WorldMusic, TripHop
Country: Houston, Texas/ U.S.A.



Members:
Laura Lee (Bass), Mark Speer (Gitarre), Donald Johnson (Schlagzeug)

War ich 2015 in einem von der Außenwelt abgeschnittenen Fleckchen Erde bei den Pygmäen zu besuch? Ein ganzes Jahr?? Oder warum zur Hölle ist mir das Debütalbum "The Universe Smiles Upon You" von KHRUANGBIN durch die Lappen gegangen? Ja, Weltmusik ist eigentlich nicht so mein Ding, aber das, was das Trio aus Houston mit Schlagzeug, Bass und Gitarre austüftelt ist auch nur am Rande als solche zu bezeichnen.

Wenn nicht Weltmusik, was dann? Der Sound speist sich zwar aus orientalischen und fernöstlichen Einflüssen, aber auch aus Psychedelic, SurfRock, Funk, Soul und Disco. Was dabei herauskommt, klingt erstens, als wäre es in einer Zeitlupenschleife gefangen und zweitens, eben nicht nur exotisch, sondern sehr erotisch. Würde es heute noch Softsexfilmchen wie "Bilitis" geben, dann würde ich Khruangbin sofort für den Soundtrack eines solchen Filmchens nominieren.



Aber neben aller Erotik lässt es sich zu "Con Todo El Mundo", was so viel bedeutet, wie "Mit der ganzen Welt" auch wunderbar relaxen. Der Groove ist immer sehr "Laid back" - außer vielleicht bei der Disco-Funk-Nummer "Evan Finds the Third Room "- und der Flow des Albums unendlich sanft und von einer Trägheit geprägt, die mich gerne auch an "Sex in der Wüste" von Ideal erinnert. "Jeder denkt das Eine, doch dafür ist's zu heiß!"



Ich bin mir ziemlich sicher, dass es den Flow dieses Albums ausmacht, dass die Band auf Vocals so gut wie ganz verzichtet. Wenn es zu Gesangseinlagen kommt, dann dienen diese, wie beispielsweise bei "Como Te Quiero" eher der Lautmalerei, als das "wichtige" Lyrics verbreitet werden sollen.



Alles was ich bisher geschrieben habe hört sich nun eigentlich so an, als wäre "Con Todo El Mundo", die ideale Fahrstuhlmusik - also unaufdringlich und unauffällig - aber das Erstaunliche ist, dass sie gerade das nicht ist. Trotz aller Zurückgenommenheit und trotz des Verzichtes auf Effekthascherei wird man unweigerlich aufmerksam auf den Sound von Khruangbin. Legen Sie die Platte doch einfach mal auf, wenn Sie Gäste haben und Sie werden sich wundern, dass Menschen, die sonst nie auf die Musik die da im Hintergrunds läuft aufmerksam werden, Sie fragen, was für eine Musik da gerade läuft ;-).

Damit Sie dann noch ein Bisschen was zu erzählen haben einige Fakten zum Trio:

- Der Bandname Khruangbin ist eine Transliteration des thailändischen Wortes für Flugzeug (= เครื่องบิน)

- Auf dem ersten Album "The Universe Smiles Upon You" ist eine der Hauptinspirationsquellen der Thai-Funk der Sixties, während auf dem aktuellen Album besonders persische Musik ("Maria También") den Sound prägt.

- Das Trio besteht aus Mark Speer an der Gitarre, Laura Lee, zuständig für die wunderbaren Bassläufe und Donald Johnson am Schlagzeug.

- Den Durchbruch schaffte die Band 2014 als Support für Bonobo, der Khruangbin dann auch auf seiner Songzusammenstellung für die beliebte "Late Night Tales"-Compilation-Reihe präsentierte und deren Bekanntheitsgrad so weiter steigerte.

Guten Flug!



Tracklist:
01 Como Me Quieres
02 Lady and Man
03 Maria También
04 August 10
05 Como Te Quiero
06 Shades of Man
07 Evan Finds the Third Room
08 A Hymn
09 Rules
10 Friday Morning

Montag, 2. Juli 2018

HOUSEHATS Made My Day! I've Been Broken!



 

HOUSEHATS 
Homepage: https://soundcloud.com/househats
From: Melbourne, Australia


Dass ich seit Februar dieses Jahres diese Australier mit dem singenden Schlagzeuger 
Joshua De Laurentiis auf dem Radar habe, wissen eifrige Leser dieses Blogs. Auch der neueste Song "I've Been Broken" macht mir wieder Freude und das zerstörerische Video ist ja mal richtig professionell! Ich bin mir ganz sicher, von den HOUSEHATS, wird man noch einiges hören! Außerdem widme ich den Song den Teams aus Deutschland, Spanien, Portugal, Argentinien und allen sonstigen Frühzeitignachhausefahrerteams der Fußballweltmeisterschaft. MADE MY DAY!

Sonntag, 1. Juli 2018

NEW SONGS Vol. 187: JON SPENCER / Do The Trash Can ... MENACE BEACH / Black Rainbow Sound... VILLAGERS / A Trick of the Light ... NADINE / Pews


JON SPENCER / Do The Trash Can

Herr Spencer macht wieder Krach in der Garage! Dieses Mal allerdings ohne die Blues Explosion! Klingt aber ziemlich genauso als würde er mit der Blues Explosion musizieren - also gut.

Von mir aus kann JON SPENCER Musik machen, unter welchem Pseudonym er will, ob Boss Hog oder mit Heavy Trash, Hauptsache es klingt so, wie es klingt.

Das Album mit den Hits soll im Frühherbst erscheinen - schon auf die Merkliste gesetzt :-).




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MENACE BEACH / Black Rainbow Sound (feat. Brix Smith) 

Das dritte Album "Black Rainbow
Sound" von MENACE BEACH steht ab dem 31. August in den Läden.

Vorneweg gibt es den Titeltrack des Albums, der aufgrund der omnipräsenten Keys deutlich elektrifizierter wirkt, als alles was die Band bisher veröffentlicht hat. Fein und sehr hypnotisch, grenzt schon fast an den Drone-Sound des Moon Duos, aber ich hoffe, dass die Band auf "Black Rainbow
Sound" dann doch auch wieder einige Riffs einstreut.




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VILLAGERS / A Trick of the Light

Der Ire Conor O'Brien ist einer der wenigen Menschen, der es mit seiner Musik schafft, bei Konzerten selbst die betrunkenste Dumpfbacke zum Schweigen zu bringen, so ergreifend trägt er seine höchst emotionalen Songs vor.

2016 gab es mit "Where Have You Been All My Life?" eine eindrucksvolle Werkschau bei der Conor seine Songs neu arrangierte, das letzte reguläre Album "Darling Arithmetic" erschien bereits 2015, es war also höchste Zeit, dass VILLAGERS mit neuem Songmaterial aufwarten.

Die Lead-Single "A Trick of the Light" zum im September erscheinenden Album "The Art Of Pretending To Swim" lässt keine Befürchtungen zu, dass O'Brien irgendwelche schlimmen Neuheiten im Villagers-Kosmos einführt.



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NADINE / Pews
Verstörendes Video und seltsame Musik die Leadsängerin Nadia Hulett zusammen mit Julian Fader und Carlos Hernandez unter dem Namen NADINE basteln.

Alle drei sind keine Newbies im Popzirkus. Nadia musiziert bei Phantom Posse und die beiden Herren musizieren bei Ava Luna, beides sind Bands, die mit gängiger radiotauglicher Popmusik nur wenig am Hut haben, wogegen man sich beim neuen Bandprojekt durchaus vorstellen kann, dass "Pews" zu später Stunde durch den Äther rauscht.

Das Debütalbum "Oh My", der Band aus Minneapolis/New York erschien bereits im Januar 2018 und hätte es durchaus verdient ein paar mehr Zuhörer zu finden.




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Freitag, 29. Juni 2018

QUICK & DIRTY: MELODY'S ECHO CHAMBER / Bon Voyage

Published: 15.06.2018
Label: Fat Possum Records
Genre: Psychedelic, AlternativeRock, IndiePop, DreamPop
Country: Paris, France



Members:
Melody Prochet

Tame Impala Fans, welche die Psychedeliker schon mal live gesehen haben, dürften auch schon mit MELODY'S ECHO CHAMBER Bekanntschaft gemacht haben, den Melody Prochet, der Kopf der französischen Band war lange Zeit die Freundin von Kevin Parker und deswegen gerne als Support mit den Australiern unterwegs.

Ich hatte das Vergnügen die Französin 2013 bei eben einem solchen Tame Impala-Konzert im Kölner Club Gloria erleben zu dürfen und - man kann es nachlesen - ich war schon ziemlich hingerissen vom Auftritt, bemängelte aber das relativ einfallslose Songwriting.

"Einfallslos" ist nun ein Adjektiv, mit dem man das neue Album "Bon Voyage" ganz sicher nicht umschreiben kann, denn nach 6 Jahren Wartezeit, wartet Melody mit Album Nummer 2 mit einem Longplayer auf, der so facettenreich ist, dass er sich am ehesten wie eine (be)rauschende Achterbahnfahrt durch Melodys Wunderland beschreiben lässt.



Der Trip - "Bon Voyage!" - startet mit "Cross My Heart", ein Song der anfangs noch dazu verführt zu sagen, "das klingt aber schon nach Tame Impala ...", der dann aber so viele stilistische Richtungswechsel, Tempoänderungen und Sprachwechsel in exakt 6:65 Minuten absolviert, dass einem ganz schwindelig wird. Uiuiui, das will wohl jemand gaaaaanz hoch hinaus. Geht das so weiter????

"Let it happen!" Es geht so weter, tief durchatmen! "Breathe In, Breathe Out" ist deutlich kürzer, aber keinen Deut weniger verrückt. Was ist nur mit der Französin passiert??? Bei "Desert House" wird es funky und orientalisch als würden Altin Gün auf King Gizzard treffen und eine Partynummer abfeuern! Hat sie Herr Parker in all den Jahren so gebremst oder hat es einen Parker gebraucht um das psychedelische Potenzial von Melody Prochet freizulegen? Fragen Sie doch ihren Drogenlieferanten!!



Und was bitte ist "Var Har Du Vart"??? Sing die Madame jetzt auch noch auf Schwedisch??? Ahh, der Song stammt aus der Feder von Gustav Ejstes von der schwedischen PsychedelicRock-Band Dungen. Neuer Lover ;-)?

Dann kommt wieder ein sehr langes Stück auf Französisch. Es trägt den poetischen Titel "Quand Les Larmes D’un Ange Font Danser La Neige". Wenn mein Google-Übersetzer keinen Mist gebaut hat bedeutet es soviel wie "Wenn die Tränen eines Engels tanzen entsteht Schnee". Und von wem ist diese Poesie? Laut Notes im Platten-Inlay tatsächlich von Nick! Ja, Herr Allbrook, auch als Mister Pond bekannt! Neuer Partner? Fragen Sie doch bei Parship!

Und was ist jetzt DIE Schlüsselnummer auf "Bon Voyage"? Was ist Melody's "Let it happen"? "Cross My Heart" oder "Quand Les Larmes D’un Ange Font Danser La Neige"? Was erlauben Melody Prochet?!!!?



Die letzten beiden Stücke "Visions of Someone Special, On A Wall of Reflections" und "Shrim" sind nicht von dieser Güteklasse, zumindest "Visions of Someone Special, On A Wall of Reflections" nicht, denn je öfter man die Prince trifft auf Psychedelic-Nummer "Shrim" hört desto ... einigen wir uns einfach drauf, dass MELODY'S ECHO CHAMBER mit Album Nummer Zwei tatsächlich ein waschechtes Meisterwerk geglückt ist! Félicitations!

Tracklist:
01 Cross My Heart
02 Breathe In, Breathe Out
03 Desert House
04 Var Har Du Vart
05 Quand Les Larmes D’un Ange Font Danser La Neige
06 Visions of Someone Special, On A Wall of Reflections
07 Shrim

Mittwoch, 27. Juni 2018

EELS live in Concert / Support: That 1 Guy

Location: E-Werk, Köln
Date: 26.06.2018

 

Mark Oliver Everett ist seit seinem 1996 erschienenem Debütalbum "Beautiful Freak" einer meiner musikalischen Helden. 12 Alben hat er als EELS seitdem veröffentlicht und kein wirklich Schlechtes befindet sich darunter. Das aktuelle Album "The Deconstruction" gehört zu seinen besten, weswegen ich mich doppelt freue, Mr. E. endlich auch einmal live zu erleben. 


Das E-Werk ist ausverkauft, obwohl es lange Zeit nicht danach aussah. Das Publikum eher im gesetzteren Alter, deutlich höherer Männeranteil, sehr viele Herren, die mit T-Shirts bekunden, dass sie nicht zum ersten Mal auf einem Eels-Konzert sind. Mein treuer Konzertbegleiter C. hat auch schon einige Eels-Konzertchen auf dem Buckel und selbstverständlich ist er wie immer bei Konzertbesuchen bestens vorbereitet, weswegen wir bereits wissen, dass ein schrulliger Kerl namens THAT 1 GUY den Support für die Eels bestreitet.

Hinter dem, wie ich finde, etwas bescheuerten Namen steckt ein gewisser Mike Silverman, der als Jazz-Bassist seine Musikkarriere begann, sich dann aber von seinem Instrument limitiert fühlte und sich deswegen ein eigenes Musikinstrument erfand. Tätät, the Magic Pipe!

Das Ding schaut aus wie eine von den Neubauten entwickelte Harfe. Es besteht aus zwei Metallrohren, die mit einem Bogen verbunden sind, in welchem Sensoren sitzen mit denen Schlagzeugsamples abgerufen werden können. Am kurzen Rohr sind Saiten angebracht, die Silverman mit den Händen zupft oder mit einem Geigenbogen oder überdimensionalen Plektron bespielt.

Der Sound ist unglaublich fett und mit geschlossenen Augen würde man im Leben nicht glauben, dass dieses musikalische Feuerwerk auf der Bühne ein einzelner Mann abfeuert. Im Publikum stehen einige Münder offen, auch wenn der Auftritt zwischen skurriler Kindergeburtstagsattraktion - damit meine ich die sehr schräge Zaubertrickeinlage - und "seriösem" Konzert hin und her schwappt. Ich fühle mich auf jeden Fall gut unterhalten und frage mich wie der schräge Kauz Everett und der noch schrägere Kauz Silvermann sich wohl kennengelernt haben.

Nach einer etwas längeren Pause geht es dann kurz nach 21 Uhr los. Mr. E., begleitet von einem Gitarristen, einem Bassisten und einem Schlagzeuger betritt die Bühne. Alle tragen dunkle Sonnenbrillen, cool sieht das aber nur bei Herrn Everett aus. Komische Band ist mein allererster Gedanke und es wird noch viel komischer ...

Die Band startet mit dem The Who-Cover "Out In  The Street" von deren Debütalbum "My Generation" aus dem Jahr 1965. Kann man so machen. Der nächste Song ist eine Coverversion von Prince. "Rasberry Beret" kann man so nicht machen. Die Idee das Stück als flotte Rocknummer zu zelebrieren ist gut, aber in der Umsetzung klingt es, als ob eine Schülerband Prince covert.

Dann startet der Rumpelbeat von "Bone Dry" vom aktuellen Album und Hoffnung keimt auf, dass der erste Eindruck ein falscher ist, aber leider verfestigt sich bei mir der Gedanke, dass Mr. E. diesen Abend voll gegen die Wand fährt. Die Band versucht auf dicke Hose zu machen, kommt dabei aber absolut lächerlich rüber - als hätte die Begleitband von Bryan Adams oder einem ähnlich schlimmen Stadionrockbarden versucht die Eels zu covern.

Herr im Himmel, was passiert hier gerade? Ist das Absicht? Ist die Dekonstruktion gewünscht? Bin ich der Einzige, der diesen Auftritt so Kacke findet? Nein! Nachdem ich es gewagt habe meinen Unmut zu äußern, steht fest, dass in unserer Truppe der Großteil entsetzt davon ist, was Herr Everett heute Abend hier abzieht.



Mit einer schrecklich aufgesetzten Fröhlichkeit, einem ständigen,  - überhaupt nicht lustigem- "Schatzi" auf den Lippen und dieser Albtraumband raubt er so gut wie jedem Eels-Song seine Aura. Nicht nur "Rusty Pipes" und "You Are The Shinning Light", sondern auch viele Eels-Klassiker verlieren jegliche Cool- und Dirtyness - man könnte weinen - ganz besonders wenn die beiden Bandgitarristen die Chorusgesänge anstimmen.

Der Level an Frustbier steigt von Song zu Song und erreicht seinen Höhepunkt mit "Novocain for the Soul", das in einer rockigeren Variante erklingt die mich leider eben so wenig überzeugt, wie alles was vorher kam. Das ganze Konzert wirkt wie eine Persiflage und ich glaube langsam, dass bald jemand von der versteckten Kamera auf die Bühne springt und das Publikum erlöst. Dies geschieht leider nicht und so muss ich auch noch erleben, wie mein allerliebster Eels-Song "I Like Birds" durch die Dekonstruktionsmühle zerschreddert wird.



Wenig später verlässt die Band die Bühne und ich applaudiere nicht, bleibe aber trotzdem nicht vom Zugabenblock verschont, der mit einem erneuten Prince-Cover beginnt. "When You were Mine" kann man aber so machen.

Der letzte Block des Konzertes ist erträglich, könnte aber auch daran liegen, dass ich mich mittlerweile an die Theke zurückgezogen habe, um das Leid nicht aus nächster Nähe ertragen zu müssen. "Life is hard ...."

Sehr geehrter Herr Everett, wenn Sie auf Stadionrock machen möchten, dann covern Sie doch in Zukunft bitte die entsprechenden Songs und lassen Ihre eigenen Songperlen lieber in der Schatztruhe. Ich wäre Ihnen dann sehr zu Dank verpflichtet, denn wie mir mein treuer Konzertbegleiter C. versicherte, haben Sie bisher immer richtig großartige Konzerte abgeliefert :-(.


Montag, 25. Juni 2018

QUICK & DIRTY: LUMP / Lump

Published: 01.06.2018
Label: Dead Oceans
Genre: ElectronicKammerPop, Folktronica
Country: London, Great Britain



Members:
Laura Maling, Mike Lindsay

Ich mag rothaarige Wesen. LAURA MARLING und MIKE LINDSAY von Tunng anscheinend auch. Über die tänzerischen Leistungen im Video zu "Curse Of The Contemporary" lässt sich trotzdem streiten, nicht allerdings über die künstlerische Qualität des Kollaborationsalbums der beiden unter dem Namen LUMP.

Es wird die Geschichte erzählt, dass die beiden Künstler sich nach einem Neil Young-Konzert im Juni 2016 in London kennenlernten, wo Lindsay als Support tätig war. Mike fragt Laura, ob sie nicht mal etwas gemeinsam machen möchten, Marling sagt ja, 2 Tage später sind sie im Studio und das Projekt Lump war geboren. Ist doch schön, wenn es auch mal einfach und unkompliziert geht!

Im Deutschen ist ein Lump ja ein Mensch, dem man nicht trauen sollte, einer der nichts Gutes im Schilde führt. Das englische Wort "Lump" bedeutet dagegen Klumpen oder Knoten. Auch eine Beule kann man als "lump" bezeichnen, einen Brocken oder eine Geschwulst und "A lump of money" ist ein Batzen Geld.



Welche Bedeutung Marling und Lindsay im Kopf hatten als sie ihrem Projekt einen Namen gaben ist mir nicht bekannt - sehr wohl allerdings die Geschichte, dass Marlings 6-jähriges Patenkind die Urheberrechte am Namen trägt - aussehen tut das rothaarige Zottelwesen in den Clips ja eher wie der sagenumwobene Yeti als ein Klumpen, aber ein Brocken ist es ja schon :-).

Wie bei seiner Band Tunng, basieren die sieben Stücke (eigentlich nur 6, den Stück Nummer 7 ist ein Credit-Track, bei dem Laura vorliest, wer am Lump-Projekt beteiligt war) des Albums, auf minimalistische Songgerüste, die sich aus dem Folkgenre speisen und mit elektronischen Sounds und/oder orchestraler Instrumentierung arrangiert werden.

Gepaart mit der glasklaren exzellenten und sehr ausdrucksstarken Stimme von Laura Marling funktioniert das Konzept besser als bei Tunng, wo man bei den Songs oft den Eindruck hat, es wurde zu viel gewollt. Lump ist viel weniger Pop, als Alles was die beiden Briten bisher gemacht haben. Lump ist künstlerischer - auch wegen der surrealistischen Texte - und voller magischer Momente, so klingt beispielsweise "Curse Of The Contemporary" als hätten Kate Bush und Laurie Anderson gemeinsame Sache gemacht und "Late To The Flight" als hätten sich Bon Iver und Suzanne Vega liiert.



Das pulsierende "May I Be The Light" und das kratzende "Shake Your Shelter" erinnern mich ebenfalls an Suzanne Vega, und zwar an die 99.9 °F-Phase (1992) in der Vega mit Electronic und sogar IndustrialNoise experimentierte.

Neuesten Hinweisen zufolge steht das yetiartige Wesen als Analogie für das tierische Unterbewusste und das Zufällige. Ob Lump eine einmalige Sache war wird die geplante Tour und die Zukunft zeigen. Außerdem sei mitgeteilt, dass sich die Textzeile "You look like a crooner in crisis" im Song "Late To The Flight" auf niemand geringeren als den hochverehrten Father John Misty bezieht ;-)  - jetzt wissen Sie also Bescheid ... auch Sie Hochwürden!

Tracklist:
01 Late To The Flight
02 May I Be The Light
03 Rolling Thunder
04 Curse Of The Contemporary
05 Hand Hold Hero
06 Shake Your Shelter
07 LUMP is a Product (credits)

Sonntag, 24. Juni 2018

SUEDE Made My Day! The Invisibles!



 

SUEDE
Homepage: http://www.suede.co.uk/
From: London, Great Britain


Mit Brett Anderson und seiner Band SUEDE konnte man schon immer wunderbar leiden! So wirklich uneingeschränkt großartige Alben gab es eigentlich nie, aber immer den ein oder anderen Song, der zutiefst berührte? Im tieftraurigen "The Invisibles" zeigen sie mit einem schlichten, aber sehr emotionalen Clip, dass sie noch immer beeindruckend auf der Gefühlsklaviatur spielen können. UND ich sage euch, es werden weitere Tränen fließen, wenn am 21. September das neue Album "The Blue Hour" erscheint. MADE MY DAY!

Samstag, 23. Juni 2018

QUICK & DIRTY: FATHER JOHN MISTY / God’s Favorite Customer

Published: 01.06.2018
Label: Sub Pop
Genre: Singer/Songwriter, Crooner, Entertainer
Country: Maryland, U.S.A.



Members:
Joshua Michael Tillman

Tillmans viertes Album als FATHER JOHN MISTY. Langsam wird es langweilig, weil schon wieder umwerfend gut - aber was soll man auch von einem Typen erwarten, der im Mai 1981 in einer 70.000-Seelen-Gemeinde namens ROCKville geboren wird. Soll man da Bäcker oder Metzger werden???

Ganz so wütend, bissig und zynisch wie auf dem letzten Album "Pure Comedy" ist Herr Tillman nicht mehr, aber natürlich noch höchst melodramatisch, wortgewandt und dieses Mal sehr liebeskrank. Von der Komödie zur Tragödie!

"God's Favorite Customer" entstand zwischen Sommer 2016 und Winter 2017, als sich Father John Misty in einer Phase befand, in der sich Herzschmerz und die Freude über die wiedergewonnene Freiheit nach dem Aus seiner Ehe in seinem Inneren einen Zweikampf lieferten.



Es ist Tillmans bisher persönlichstes Album, denn wie schon die Songtitel verraten, gönnt er seinen Zuhörer einen Einblick in seine sensible melancholische Künstlerseele. Und erstmals wird mir klar - beim Song "Mr. Tillman" - wie artverwandt Herr Tillman und Herr Mark Oliver Everett , seines Zeichens als Eels im Rockzirkus unterwegs, sind!

Während sich der private Herr Tillman in erster Linie textlich, an Herrn Everett annähert, nähert sich die Kunstfigur Father John Misty in musikalischer Hinsicht an einen großen Singer/Songwriter der 70er an, der in den 80ern (leider) seinen Ruf mit seichten Pop ruiniert hat: Richtig, ich spreche von Sir Elton John.



Wie nah sich Father John Misty an Elton John schmiegt, wird deutlich, wenn man "God’s Favorite Customer" und  Elton Johns beste Platte "Captain Fantastic & the Brown Dirt Cowboy" (1975) nacheinander auf den Plattenteller legt. Beide Alben sind ohne das Piano nicht vorstellbar, beide sind von einer ergreifenden, aber nicht erdrückenden Traurigkeit durchtränkt und beide kreisen schicksalhaft um die Themen Liebe & Tod und das eigene Ego.

Für alle Verlierer dieser Welt - das sind doch Gottes Lieblingskunden - gibt es das unter Mithilfe der prominenten Gäste Jonathan Rado (Foxygen), Jonathan Wilson und Mark Ronson entstanden Werk in einer limitierten violett marmorierten Vinylauflage mit haptisch tastbaren Tränen auf dem Cover. Schnief ... Wir sind nur Menschen (und es gibt nicht viel, was man dagegen tun kann).

Tracklist:
01 Hangout at the Gallows
02 Mr. Tillman
03 Just Dumb Enough to Try
04 Date Night
05 Please Don't Die
06 The Palace
07 Disappointing Diamonds Are the Rarest of Them All
08 God's Favorite Customer
09 The Songwriter
10 We're Only People (And There's Not Much Anyone Can Do About That)

Freitag, 22. Juni 2018

NEW SONGS Vol. 186: BjORDAN - Bad Boy Sad Boy ... ANNA CALVI / Don't Beat the Girl out of My Boy ... REMAYN / Corners ... SOBS / Telltale Signs


BjORDAN - Bad Boy Sad Boy

Mister Braden Faisant macht unter dem Pseudonym BjORDAN Musik, die er auf seiner Soundcloud-Page ziemlich frech wie folgt beschreibt: "It's like 2010 LCD Soundsystem without the long & boring bits". 

Auf seiner sieben Songs enthaltenden EP "Pretty Hit Machine" lässt BjORDAN 80s Synthis blubbern und Beats galoppierend. Hat was in der Richtung von John Grant oder den späten Depeche Mode

Der böse Drag Queen-Bube im Clip nennt sich übrigens Bambi - für alle, die eher anders orientiert sind und nicht nur für Rock 'n' Roll interessieren ;-).




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ANNA CALVI / Don't Beat the Girl out of My Boy

Das hat ziemlich lange gedauert, bis ANNA CALVI nach ihrem Zweitwerk, "One Breath" (2013) wieder mit einem neuen Longplayer aufwartet! Ja, dazwischen lag die EP "Strange Weather", auf der sie mit David Byrne zusammenarbeitete, aber auch diese Veröffentlichung war bereits 2014!

Das Hauptproblem ist aber, dass Calvi, die live übrigens eine großartige Performerin ist, mit den beiden gerade genannten Werken in keinster Weise an ihrem famosen Debütalbum "Anna Calvi" von 2011 anknüpfen konnte. Die erste Single "Don't Beat the Girl out of My Boy" vom am 31. August erscheinenden dritten Longplayer "Hunter" der strengen Diva lässt hoffen, dass Calvi wieder zur Hochform zurückfindet.




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REMAYN / Corners

Aus Eastbourne einem Seebad am Ärmelkanal mit etwas mehr als 100.000 Einwohnern stammt ein Singer/Songwriter namens REMAYN. Erst im Alter von 26 Jahren begann er, um mehrere persönliche Tragödien zu verarbeiten, mit dem Songwriting.

Im April 2016 erschien seine erste EP "21276" auf der er Schmerz in sehr sehr traurige Musik, hauptsächlich von der akustischen Gitarre getragen, verwandelt.

Das große Kapital des Briten ist seine warme Stimme, die auch im Zentrum seiner neuen Songs steht, obgleich er auf seinem Debütalbum "Pressure" nun auch mit modernen elektronischen Sounds arbeitet und so den Sprung in Richtung Bon Iver wagt.




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SOBS / Telltale Signs

Platten von Bands aus Singapur habe ich bisher sicherlich keine in meiner Sammlung, aber das könnte sich ändern, wenn SOBS, die aus eben jener fernen Republik stammen sich entschließen ihr Debüt nicht nur auf Kassette, sondern auch auf Vinyl herauszubringen.

Warum? Weil der uncoole Pop, wie Celine Autumn, Jared Lim und Raphael Ong, das Trio hinter SOBS, ihre Musik selbst bezeichnen, mir sehr wohlgefällig im Ohr schmeichelt. Und eigentlich bin ich doch eine coole Sau ;-)!




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Mittwoch, 20. Juni 2018

CHRISTOPHER PELLNAT Made My Day! Ode to Olivia Rhodes!



 

CHRISTOPHER PELLNAT
Homepage: https://chrispellnat.bandcamp.com/
From: Hudson, U.S.A.


Christoper Pellnat ist ein Liedermacher aus dem Staat New York (Hudson), der neben seinem eigenen Songwriter-Ding auch noch als Gitarrist in der Band The Warp/The Weft der Rockmusik frönt. Der Song "Ode to Olivia Rhodes" entstand in den 90ern auf einem vierspurigen Tonbandgerät in Zusammenarbeit mit seinen Bruder Eric (1961-2015) und wurde inspiriert vom VR-Game "Lone Echo" bei dem Christopher auf die virtuelle Figur Olivia Rhodes traf. Da soll noch mal einer behaupten Computerspiele sind zu nichts nütze!
 MADE MY DAY!

Sonntag, 17. Juni 2018

QUICK & DIRTY: STEPHEN MALKMUS And The Jicks / Sparkle Hard

Published: 18.05.2018
Label: Domino Recording
Genre: AlternativeRock, IndieRock
Country: Portland, U.S.A.



Members:
Stephen Malkmus, Joanna Bolme, Mike Clrak, Jake Morris

Das Artwork des Jahres geht für mich in 2018 schon jetzt an STEPHEN MALKMUS And The Jicks. Das Urlaubsfoto, der Name des Bootes und der Albumtitel "Sparkle Hard" passen wie die Faust aufs Auge und sind in ihrer Gesamtheit so zeitlos, wie die Rockmusik dieser völlig unterbewerteten Band die mittlerweile in Hippstertown Portland ansässig ist.

Dass Frontmann Malkmus, bevor er mit eigenem Namen und den Jicks an den Start ging, mit Pavement den IndieRock der 90er prägte, sollte mittlerweile bekannt sein. Mit Pavement kam Malkmus auf 5 Alben, mit den Jicks veröffentlicht er nun schon sein 7tes Album. 

Nach dem etwas schwächerem, aber nicht schlechtem Album "Mirror Traffic" (2011) konnte mich die Band mit dem 2014er Werk "Wig Out at Jagbags" wieder restlos überzeugen und zu meiner großen Freude hält "Sparkle Hard" das dort erreichte Niveau spielend.



"Sparkle Hard" funkelt zeitlos! Normalerweise mag ich es nicht, wenn auf Schallplatten das Jahr der Veröffentlichung nicht preisgegeben wird, bei "Sparkle Hard" hätte ich es mir gewünscht, denn selbst das Jahrzehnt spielt hier keine Rolle. Wer nach irgendwelchen Modernismen sucht, kann suchen bis er schwarz wird. Wer nach ungezügelter Spiellust, ausufernden Solo-Parts und schier grenzenloser Virtuosität fahndet, der braucht allerdings nicht lange suchen, den das Albumin steckt voll davon.

Die Freaks von der Spex vergleichen "Sparkle Hard" mit "Ege Bamyasi" dem Meisterwerk von Can aus dem Jahr 1972, der Rolling Stone attestiert "Spleenige Gitarrenmusik mit Anleihen bei Kraut- und Classic Rock", die Intro entdeckt "cheesy Synthies und satte Streichern", sowie "einen mit Auto-Tune garnierter Space-Rocker". Ich würde es einfach als ein verdammt cooles und fettes Werk bezeichnen, das sehr abwechslungsreich ist, trotzdem aus einem Guss und eine Menge Spaß bereitet, weil man ständig irgendetwas neues Abgefahrenes entdeckt und lieben lernt.

Das volle Programm in 6:41 Minuten erwartet den Hörer beim Übersong "Kite". Es beginnt mit der akustischen Gitarre und dem typisch fluffigen Gesang, dann kommt plötzlich ein psychedelisches Intermezzo mit dem Mellotron und der Song beginnt zu grooven, ehe er in einem furiosen KrautRock-Jam endet. Ein ähnliches Groovemonster mit hoher Wandlungsfähigkeit ist "Bike Lane"

Der Albumopener "Cast Off" ist ein ähnliches Kaliber, anfangs und immer wieder tarnt sich der Songer als Piano-Ballade, die dann aber von aberwitzigen hochdramatischen Gitarrensoli aufgebrochen wird.

"Solid Solk" ist der entspannteste Song und die Nummer zu der man zu Streicherklängen am liebsten (mit nacktem Oberkörper ;-)) über die sieben Weltmeere segeln möchte. Ja, Stephen kann locker auch den Kurt Vile geben!



Erstaunlicherweise wurde ausgerechnet das harmloseste, um nicht zu sagen langweiligste Stück, "Middle America", als Teaser für "Sparkle Hard" auserkoren. Warum? Fluffige Sommernummer, aber warum nicht etwas mehr zeigen, wenn man so viel zu bieten hat?

Da gibt es zum Beispiel das klaustrophobisch anmutende "Rattler", das klingt, als wäre es ein MashUp aus dem Soundtrack eines John Carpenter-Film aus den 80ern und einer Passport-Nummer. Oder das nach Garage müffelnde und lärmende "Shiggy", das Sixties-Flair verströmende "Brethren", das countryeske "Refute" oder das symphonische "Difficulties/Let Them Eat Vowels", welches nach dreieinhalb Minuten so wunderbar an den Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt-Soundtrack von Ingfried Hoffmann erinnert, ehe es in Richtung SpaceRock abdriftet. Ach, "Middle America" ist wahrlich der letzte Song, den ich als Appetizer für dieses wunderbare Album ausgesucht hätte ...



Tracklist:
01 Cast Off
02 Future suite
03 Solid Solk
04 Bike Lane
05 Middle America
06 Rattler
07 Shiggy
08 Kite
09 Brethren
10 Refute
11 Difficulties/Let Them Eat Vowels

Donnerstag, 14. Juni 2018

QUICK & DIRTY: SNAIL MAIL / Lush

Published: 08.06.2018
Label: Matador/Beggars Group (Indigo)
Genre: IndieRock, DreamPop
Country: Baltimore / Maryland; U.S.A.



Members:
Lindsay Jordan

Eigentlich ist der normale Teenager doch eher verschlossen und wenig mitteilsam. So war es bei mir selbst in diesem Alter und auch bei meinen Töchtern habe ich es nicht anders erlebt. LINDSAY JORDAN ist 18 Jahre, hat aber ein ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis und legt deswegen auf ihrem Debütalbum "Lush" unter dem Namen SNAIL MAIL ihr Gefühlsleben der ganzen Welt zu Füßen.

Zu verdanken haben wir es der Washingtoner Band Priests, die das DIY-Projekt Snail Mail der Teenagerin in seiner Großartigkeit erkannte und unter die Fittiche nahm, sodass Lindsay nicht weiter nur rund um Baltimore gehört, sondern bereits mit ihrer ersten Single "Pristine" weltweit auf sich aufmerksam machte.

Bei großen Fußballstars - wahrscheinlich ist es bei Eishockeystar ja ähnlich - ist es ja immer der unbekannte Jugendtrainer, der den Star im Teenager erkennt und ihn zur Karriere verhilft, bei Lindsay ist die Sachlage etwas verkehrt, den niemand Geringeres als Mary Timony war die Gitarrenlehrerin der kleinen Linsay! Nur so erklärt sich doch wohl, dass eine 18-Jährige eine Gitarre so virtuos und kreativ bearbeitet, wie beim Uptempo-Song "Heat Wave". Aber ob Timony wirklich eine ausschlaggebende Größe für die musikalische Entwicklung der jungen Amerikanerin war ist natürlich reine Mutmaßung - plausibel klingt es aber schon ;-)



Aber Lindsay ist nicht nur eine gute Gitarristin, sie ist sogar eine noch bessere Songwriterin, denn unter den 10 Songs ihres Debütalbums versteckt sich keine einzige Nullnummer.

Über die Qualitäten der beiden Lead-Singles "Pristine" und "Heat Wave" lässt sich überhaupt nicht streiten und je öfter man sich in die anderen acht Stücke reinhört, desto deutlicher treten deren nicht ganz so offen liegende Qualitäten in den Vordergrund. So breitet "Speaking Terms" immer weiter seine DreamPop-Flügel aus uns segelt in Mazzy Star-Gefilde und das verschleppte Schlagzeug bei "Stick" verleidet unweigerlich dazu mit den Händen mitzutrommeln und wie großartig ist eigentlich der magische Bläser-Part in "Deep Sea".



"Verschleppt" ist übrigens ein Schlüsselwort, wenn man "Lush" in Worte fassen will, den Lindsays IndieRock geht nur selten ungestüm nach vorne, sondern bleibt im Gegensatz zu den sehr offensiven Texten immer etwas in der Defensive - selbst wenn es in einigen Songs gegen Ende etwas krawalliger wird - zum Beispiel bei "Golden Dream" oder beim hymnischen "Full Control".

Die letzten beiden Stücke des Albums, "Deep Sea" und "Anytime" sind Balladen für Menschen, mit denen die Emotionen schon mal gerne durchgehen. "Schlichte Schönheit" ist auch noch so ein Begriff der zwingend fallen muss, wenn man dieses reife Debüt einer 18-Jährigen beschreiben möchte. Chapeau Mrs. Jordan!



Tracklist:
01 Intro
02 Pristine
03 Speaking Terms
04 Heat Wave
05 Stick
06 Let’s Find an Out
07 Golden Dream
08 Full Control
09 Deep Sea
10 Anytime