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Freitag, 17. August 2018

OUR GIRL / Stranger Today [Review]

Im Fußball ist auch heute noch gerne davon die Sprache, dass eine Mannschaft aus elf Freunden bestehen müsse, damit aus einer Ansammlung von Einzelkünstlern etwas Großes wird.

Im Rockzirkus, bei der Zusammensetzung von Bands, funktioniert dies meist gegensätzlich, d. h. es gibt einen oder maximal zwei kreative Köpfe, welche die Band führen und diktatorisch entscheiden, wohin der Weg führt.


Die Newcomerband OUR GIRL aus Brighton scheint ein Sonderfall zu sein, den die Bandmitglieder bezeichnen sich nicht nur als Seelenverwandte in der Sache, sondern als echte Freunde.

Vier Jahre gibt es die Band, die mich im Februar 2016 mit dem grungigen Song "Sleeper" erstmals auf sich aufmerksam machte. Im November des gleichen Jahres erschien die 4-Track-EP "Normally". Darauf enthalten auch die beiden Songs "Being Around" und "Two Life", die es nun auf das Debütalbum "Stranger Today" geschafft haben - im Gegensatz zum brillanten "Sleeper" was mich wirklich sehr erstaunt.



Mittlerweile lebt die Band, bestehend aus den zwei Damen Soph Nathan (Gitarre & Vocals) und Lauren Wilson (Schlagzeug), sowie Mister Josh Tyler am Bass, im hippen London, was man "Stranger Today" allerdings nicht unbedingt anhört, den die aktuell angesagten Beats der Londoner Hippsterszene sucht man bei Our Girl vergebens. Stattdessen brilliert die Band mit fuzzy Gitarrenklängen ("Our Girl"), griffigen IndiePop-Melodien ("I Really Like It") und Shoegaze-Wänden ("Boring") zum Dagegenlaufen.



In Szene gesetzt hat das Album niemand Geringeres als der Gitarrenzauberer Bill Ryder-Jones von The Coral und wer diesen schon einmal live erleben durfte weiß, dass er zwar keine Rampensau, aber ein verdammt perfektionistischer Gitarrist ist, der die Gitarren bei einem Konzert öfter wechselt als Rihanna ihrer Bühnenklamotten. Und direkt beim Einstiegssong des Albums ("Our Girl") wird deswegen auch jedem sofort klar gemacht, dass die Gitarre das alles bestimmende Instrument auf "Stranger Today" ist.



Trotzdem war ich zu anfangs etwas enttäuscht, wahrscheinlich weil ich auf eine ähnliche Hookline, wie bei "Sleeper" gehofft hatte und mich die etwas vielschichtigeren neuen Songs nicht direkt einfangen konnten. Mittlerweile habe ich das Fremdeln aber längst abgelegt und mich vorbehaltlos in die Arme von "Stranger Today" geworfen und meinen Gitarrenseelenfrieden gefunden. Seufz - und ich liebe die kleinen unerwarteten Gitarreneruptionen wie bei "I Wish It Was Sunday" oder "Level".



Tracklist:
01 Our Girl
02 Being Around
03 In My Head
04 I Really Like It
05 Josephine
06 Two Life
07 Level
08 Sub Rosa
09 I Wish It Was Sunday
10 Heat
11 Boring


Mittwoch, 15. August 2018

ADRIANNE LENKER Made My Day! Cradle!



 

ADRIANNE LENKER
Homepage: https://www.adriannelenker.com/
From: Brooklyn, U.S.A.


Im Info-Text der Plattenfirma Saddle Creek zur Veröffentlichung der ersten Single von Adrianne Lenkers kommendem Soloalbum heißt es "
In den Händen von Adrianne Lenker ist Songwriting kein altes, totes Handwerk. Es ist lebendig. Es ist vital." Ich als großer Big Thief -Fan würde noch "Es ist ergreifend" hinzufügen.

"Cradle" ist der erste veröffentlichte Song vom am 5. Oktober erscheinenden Soloalbum "Abysskiss", welches Lenker im Studio ihres Freundes Luke Temple aufgenommen hat - seufz hoffentlich ist der Sommer bald vorbei. MADE MY DAY!

Montag, 13. August 2018

QUICK & DIRTY: THE VRYLL SOCIETY / Course Of The Satellite

Published: 17.08.2018
Label: Deltasonic
Genre: NeoPsychedelic, PsychedelicRock, Krautrock, SpaceRock
Country: Liverpool, United Kingdom




Members:
Michael Ellis, Ryan Ellis, Lewis McGuinness, Benjamin Robinson, Lloyd Shearer

Als Erstes versuche ich einmal, den seltsamen Bandnamen THE VRYLL SOCIETY zu entschlüsseln. Das Wort "Vril" stammt aus dem 1871 erschienenen Roman "The Coming Race" und wurde vermutlich aus dem lateinischen Wort "virilis", was mannhaft oder kraftvoll bedeutet, abgeleitet. Im Roman gibt es eine unter der Erde lebende Gesellschaft namens Vril-Ya, die über Vril-Kräfte wie Telekinese und Telepathie verfügen und den normalen Menschen deswegen überlegen sind. Von da an übernahmen zahlreiche okkultistische und esoterische Autoren den Begriff in Beschlag und benutzten Vril als Synonym für geheime Kräfte.

Nun schreibt sich die fünfköpfige Liverpooler Band aber nicht "The Vril Society", sondern mit Y und Doppel-L, also THE VRYLL SOCIETY. Wir kaufen deswegen ein E und ein I, um in Zeiten, in welchen Bands gerne mal Vokale im Bandnamen weglassen, den Bandnamen mit Vokalen zu substituieren. Voilà und schon haben wir - THE VERY ILL SOCIETY.

Ob irgendetwas von dieser Herleitung tatsächlich mit dem Bandnamen zu tun hat, steht in den Sternen, aber vielleicht fragen Sie einfach einen befreundeten Okkultisten, Psychedeliker oder ihren Apotheker, was die von der Theorie zur ziemlich kranken Gesellschaft halten? Fest steht aber, wieder etwas gelernt oder kannten sie die Vril-Geschichte schon? Jetzt aber zur tatsächlich kraftvollen [lat. virilis ;-)] Musik der Briten.


"Course Of The Satellite" ist ein Debütalbum mit einem sehr sanften Flow, zwar heben sich einzelne Stücke wie das hymnische "The Light At The Edge" (Achtung Hitpotential!) oder das sehr rhythmische "When The Air Is Hot" hervor, aber im Kern ist dieses Album dazu geschaffen, exakt so gehört zu werden, wie die Band die Songreihenfolge festgelegt hat. Da ist natürlich eine Zumutung für die Menschheit im MP3- und Streaming-Zeitalter für Vinylfeunde hingegen das tägliche Brot ;-).



Bereits beim spacigen Einstiegssong "Course Of The Satellite" wird der dem Psychedelic-Genre geneigten Hörer Vergleiche zu Tame Impala und zu den Temples ziehen, aber dann auch schnell merken, dass hier keine Epigonen am Werk sind, sondern fünf ziemlich talentierte junge Musiker, die Spaß an der Sache haben und ihr eigenes Ding durchziehen.



Das Quintett besteht aus Sänger Mike Ellis, den beiden Gitarristen Lewis McGuinness und Ryan Ellis, Bassist Lloyd Shearer sowie Schlagzeuger Ben Robinson. Ein ziemlich fantastischer Fünfer, der sich für sein Debüt die nötige Zeit genommen hat und sich auch durch Rückschläge nicht entmutigen lies. Der Lohn ist ein Debütalbum, welches so ausgereift klingt, als hätte die Band bereits zahlreiche Alben vorgelegt.



Auf "Course Of The Satellite" hat man nie den Eindruck, dass Sound vor Melodie oder umgekehrt gilt, denn die Band legt hörbar Wert darauf, dass beides in perfekter Harmonie liegt.

Erst mit häufigerem Hören lässt sich erkennen, wie vielschichtig dieses Album eigentlich ist. Man sollte sich also Zeit nehmen für "Course Of The Satellite", denn dann plötzlich wird der Blues in "Tears We Cry" erkennbar, das feacettenreiche Gitarrenspiel bei "Andrei Rublev" und "Soft Glue", der federleichte Funkrhythmus bei "When the Air Is Hot", der Disco-Beat bei "Inner Life" oder das treibende Bassspiel bei "Shadow Of A Wave".



Tracklist:
01 Course Of The Satellite
02 A Perfect Rhythm
03 Andrei Rublev
04 Glows And Spheres
05 Tears We Cry
06 When The Air Is Hot
07 The Light At The Edge
08 Shadow Of A Wave
09 Soft Glue
10 Inner Life
11 Give In To Me