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Donnerstag, 25. Februar 2016

KULA SHAKER / K2.0

Eigentlich glaube ich ja nicht an die Geschichte vom Zaubertrank, der Superkräfte verleiht, aber irgendwas muss mit KULA SHAKER passiert sein! Oder wie ist es sonst zu erklären, dass eine Band, die nach drei lausigen, hundsmiserablen Alben zu recht völlig abgeschrieben war, und plötzlich wieder mit einem Album aufwartet, das mit dem Debüt „K“ aus dem Jahre 1996 mithalten, wenn nicht sogar es übertreffen vermag?


Wie auf dem Bestseller-Debüt schafft es die Band plötzlich wieder Psychedelic und indische Folkore-Sounds mit Britpop-Melodien zu verbinden, die ohne Umwege ins Tanzbein fahren? Kula Shaker treiben es richtig bunt! Räucherstäbchen und sonstige Rauchwaren anzünden und hinein in den bunten Bollywoodrausch. Wer will darf sich auch einen Punkt auf die Stirn malen und unkontrollierte Zuckungen im Hare Krishna-Style durchführen.

Das Kula Shaker-Reloaded-Album startet mit einem Song, den die Band zwar live schon lange spielt, aber bisher nie auf Tonträger gebannt hat. Dieser schreckliche Fauxpas ist nun Geschichte, denn "Infinite Sun", das mit Sitarklängen anfängt und dann vom Hare Krishna-Rhythmus und seltsamen Indianergesängen getragen wird, erstaunt vor allem durch das für die Band erstaunlich fette Riff, das plötzlich die Melodie nach vorne treibt.



Der zweite Song "Holy Flame" ist ein klassischer Britpop-Song, der ganz ohne fernöstlichen-Flair auskommt. Keine Neuerfindung des Genres, aber der Bandsturz in den Zaubertrank scheint auf jeden Fall die verschollenen Sogwriting-Fähigkeiten wieder hervorgebracht zu haben. Der Tod der Demokratie ("Death of Democracy") wird in einem irischen Kaschemenschunkler besungen. Mit etwas mehr Rotz in der Stimme könnte man sich direkt an die Pogues erinnert fühlen.

Zweites Album Highligt: "Love B with U". Ein perlender jazziger Klavierlauf gibt Groove und Rhythmus, dazu eine Portion Hand-Claps und fertig ist ein ziemliche fette Tanzflur-Nummer - über die ausgelutschten Lyrics sehen wir mal etwas hinweg.

Drittes Album Highlight: "Here come my Demons", eine wehleidige, klagende Ballade, die anfangs minimalistisch mit der akustischen Gitarre auskommt, dann weitere Instrumente hinzunimmt, um plötzlich nach zwei Minuten und 40 Sekunden eine fuzzy Gitarre und Riffs ins Spiel zu bringen, um am Ende doch nur in psychedlischen unendlichen Raum zu entfleuchen. Very fein!

Bei "33 Crows" zieht es die Band dann vom fernen Osten in den wilden Westen. Relaxte Country-Nummer, die es Kula Shaker endlich ermöglicht, sich beim nächsten Update in meiner Vögellieder-Liste zu verewigen.

Die Sitar kommt endlich wieder bei "Oh Mary" zum Einsatz und bei der Uptempo-Nummer "High Noon", die Fernost und Wildwest-Klänge vereinigt, sind vor allem die kleinen Soloparts entzückend.



Back to Krishna geht es bei "Hari Bol (the sweetest sweet)". Beim Hören packt mich schon irgendwie das Fernweh und der alte Mann erinnert sich an Goa, Strände, Bidis, seltsame Düfte und schöne Frauen in langen wallenden Gewändern.

Mit "Get Right Get Ready" kann ich mich nicht so sehr anfreunden, auch wenn die Gitarren mal ordentlich auf die Tube drücken, aber dieser Pseudo-FunkRock stinkt zu sehr nach abgegriffenen Utensilien. Der Albumrausschmeißer "Mountain Lifter" ist aber wieder versöhnlich. Hier sind die Gitarren überzeugend und vortrefflich gesetzt.

Insgesamt ein erstaunlich überzeugendes Comeback nach sechs Jahren Pause. Wünschen wir Herrn Mills und seiner Bande, dass sie auch in Zukunft Zugang zum Zaubertrank finden, die Quelle nie mehr versiegen möge und der Aufsteig zum K2 (dürfte der Berg auf dem Cover hinter Krishna sein) so gut klappt wie bei diesem Album.

Namaste und पुनर्ह स्वागत हैं!

Tracklist:
01 Infinite Sun
02 Holy Flame
03 Death of Democracy
04 Love B with U
05 Here come my Demons
06 33 Crows
07 Oh Mary
08 High Noon
09 Hari Bol (the sweetest sweet)
10 Get Right Get Ready
11 Mountain Lifter

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