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Sonntag, 7. Februar 2016

ROXY MUSIC / For Your Pleasure (1973)

HERZPLATTENREMEBER THAT OLD SHIT
Kategorie: ArtRock / ProgRock / Alternative / GlamRock
Veröffentlichung: 1973

 

Es war das zweite Album der Artrocker ROXY MUSIC um Frontmann Bryan Ferry. Als es erschien, war ich noch zu jung (7), aber es hat nicht lange gedauert, bis mein musikalischer Horizont diesen Meilenstein der Popmusik auftat. Ich weiß nicht, wie oft ich mittlerweile das Album gehört habe, unzählige Mal trifft hier ausnahmsweise mal wirklich des Pudels Kern, aber noch immer zeigt es keinerlei Abnutzungserscheinungen.

Normalerweise wechseln im Laufe der Jahre bei einem Lieblingsalbum ja immer die favorisierten Songs, aber auf "For your Pleasure" blieb es immer "In Every Dream Home A Heartache". Die Stimme Ferrys, die bei diesem Song ja mehr spricht als singt, packt mich noch heute eiskalt im Nacken und wenn dann die Gitarren (gespielt von Phil Manzaneras und verzerrt von Brian Eno) bei 03.:07 ausbrechen, ist es wie ein ekstatisches befreiendes Gewitter. Nach dem Gewitter folgen 10 Sekunden absolute Stille, ehe das Soundgewitter erneut ausbricht, um nach 5 Minuten und 29 Sekunden zu verstummen. Tja, und der Inhalt ist übrigens eine Ode an eine aufblasbare Puppe - „I blew up your body, but you blew my mind!

"For your Pleasure" ist das letzte Album der Band mit Ferrys kongenialem Partner Brian Eno. Was dieser auf "Editions of You" auf dem Synthesizer fabriziert während Ferry mit der Theatralik eines eitlen Gockels die Vocals dem Zuhörer vor die Füße spuckt, ist einzigartig und schräg. Und kann ein Saxophon (Andy Mackay) besser in einen Rocksong integriert werden als auf diesem Album? 

 

 

Das dem Album den Namen gebende Stück "For your Pleasure" ist ein Stück, welches sich als Zukunftsvision für die beiden Leader von Roxy Music erwiesen hat. Die melancholisch getragenen poppigen Parts wurden im Verlauf der kommenden Jahre zu Ferrys Heimat, während die ausufernden experimentellen, in Richtung Ambient und Trance gehenden, wabbernden Songstrukturen eindeutig schon sehr viel von Enos späteren Solo-Alben vorwegnehmen. Auch der wohl rockigste Song, den Roxy Music jemals aufnahmen, befindet sich mit "Do the Strand" auf diesem Meisterwerk, auch hier sorgt ein Saxophon für in der Rockmusik ungewöhnliche Klänge.

Auf "Beauty Queen" singt Ferry - manchmal klingt es eher wie das Meckern einer Ziege - von seiner Ex-Freundin Valerie Leon, die damals Miss Britain war und in B-Movies als Schauspielerin agierte. War ein echt heißer Feger, was man auch heute noch unter: http://www.valerieleon.com/ ersehen kann. Später wurde der Song oft mit Bildern von Amanda Lear visualisiert, die auch auf dem Cover von "For your Pleasure" posiert und zur Zeit der Albumentstehung Ferrys Herzensdame war.

 

"Strictly Confidential" ist zurückhaltender ArtRock mit Flöte und viel Dramatik, bei dem die quietschende Gitarre mehr und mehr die Melodie anficht. Die volle schräge Ladung gibt es beim sowohl spacigen als auch von einem funky Beat getragenen "The Bogus Man". Auch hier lässt sich die spätere Soundmalerei Brian Enos schon ablesen, wenn man sich der mehr als 9 Minuten langen hypnotischen Funk-Suite hingibt. "Grey Lagoons" ist dagegen der "konventionellste" Song auf diesem Album, variiert aber geschickt mit Tempi-Wechseln, spielerischer Instrumentierung (natürlich Saxophon, aber auch das Mundharmonika-Solo von Ferry ist ne Wucht) und schmeißt urplötzlich die Struktur über Bord, um zum Boogie-Monster zu mutieren.



Ein fulminantes Werk einer großen Band der Popgeschichte - was sogar viele Hip-Hopper erkannt haben, die in vielen Songs Samples aus Roxy Music-Werken und ganz besonders von diesem Album eingesetzt haben!

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