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Dienstag, 1. März 2016

WELLNESS / Immer Immer

Eigentlich ist Köln nicht wirklich für innovative neue Sounds bekannt, außer natürlich im Bereich elektronischer Musik, aber nun gibt es etwas wirklich Frisches aus der Domstadt, denn WELLNESS bringen auf ihrem Debütalbum „Immer Immer“ Western-Surf-Sound und intelligente deutsche Texte unter einen Hut - und Gott sei Dank, sie singen nicht auf kölsch!


2014 wurde die Band gegründet. Anfang 2015 folgte die erste, drei Songs starke EP „Exit Exit“, die ja auch auf diesem Blog schon wohlwollende Erwähnung fand (s. Rezension).

Der Longplayer "Immer Immer" enthält nun satte 13 Stücke, darunter auch alle Songs der EP, und auch in dieser Songanzahl, ich hatte ja Sorge, dass das Konzept nicht über mehrere Songs trägt, gelingt es den Kölnern Matthias Albert (Gesang, Gitarre), Lars Germann (Gitarre), Simon Armbruster (Bass) und Florian Bonn (Schlagzeug), dass ich mich beim x-ten Mal Durchhören nicht langeweile, sondern der Spaßfaktor sogar von Mal zu Mal wächst.

Wie es sich für das in den frühen 60er Jahren in Kalifornien enstandene Surfmusik-Genre gehört, trägt häufig ein relativ simpler Beat die Melodie, die Gitarren lieben den Twang und das zackige Tremolo, so wie man es von Helden aus den Anfangstagen dieser Stilrichtung wie Duane Eddy, The Champs oder The Surfaris kennt.



Ungewöhnlich ist, dass Wellness den Sound mit Western-Flair schwängern und es schaffen, deutsche Worte zu diesen uramerikanischen Klängen zu finden, die nicht an Schlagerversionen von US-Hits aus den 60er erinnern - und selbst, wenn wie bei "Mirabelle" trotzdem kein Fremschämgefühl bei mir ausglöst wird. Anders ausgedrückt könnte man einfach auch sagen, die vier Herren haben Stil!

Es ist schwer auf "Immer Immer" irgendwelche Song-Highlights herauszupicken, denn bei jedem neuen Hördurchlauf gefällt mir ein anderes Stück am besten und wie der geneigte Vinyljunkie und Musikfreund weiß, ist dies immer immer ein gutes Zeichen für die Haltbarkeit eines Albums. Versuchen wir trotzdem die besonderen Perlen vom Merresgrund zu heben.

Natürlich als erstes "Exit Exit". Der Song klebt mir jetzt schon seit Monaten im Ohr, so schlimm, dass ich bei jedem Notausgang-Schild anfange den Refrain zu singen.



Zweitens "Was du denkst". Schon lange hat kein deutscher Musiker mehr so schön über "denken" nachgedacht und vielleicht können jetzt Millionen Männer schmunzeln, wenn ihre Frau fragt "Was denkst du gerade?" Und Sonderbonuspunkte gibt es natürlich für die nudeldicke Dirn!



Drittens "Duell". Surfbrett auf den Rücken geschnallt, Pferd gesattelt und auf zum Showdown im Irgendwo, um Wut gegen Faszination zu tauschen.

Viertens "Endlich Endlos". Hier wird der Bier- zum Whiskytrinker. Melancholisch und wütend zugleich geht eigentlich schwer zusammen - klappt hier aber vorzüglich.

Fünftens "Mirabelle". So fluffig und frühlingshaft, dass man sogar zu dieser Jahreszeit die Fenster öffnen will  - selbst in dieser stinkenden Stadt. Die meinen doch nicht etwa Köln???

Und sechstens "Amnesie", weil die Gitarren auch mal richtig rocken -

Soll der Bandname eigentlich eine Art von Wortspiel mit "Welle" wegen Surf-Sound und so sein? Will jetzt sofort wissen, wie ihr auf den seltsamen Bandnamen gekommen seid. Als kleines Dankeschön dafür, dass ich nicht der 1000te bin, der euren Sound mit einem derzeit ziemlich angesagten Filmemacher, mit den Initialen QT, verbindet?


Tracklist:
01 Bazooka
02 Exit Exit
03 Was Du denkst
04 Aloha Arne
05 Duell
06 Besucher
07 Endlich Endlos
08 Mirabelle
09 Calamari
10 Heiße Liebe
11 Amnestie
12 Transmitter
13 Müdes Licht

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