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Mittwoch, 2. März 2016

BRYONY WILLIAMS / Wanderlust [EP]

Wie definiert sich "schön"? 

Der Duden spricht in seinen verschiedenen Deutungen von "schön ist, wenn etwas in seiner Art besonders reizvoll, ansprechend, sehr angenehm oder wohltuend auf das Auge oder Ohr wirkt.", aber auch "von einer Art, die jemandem sehr gut gefällt, die jemandes Geschmackes entspricht".


Und im letzten Abschnitt liegt der Hund begraben. Der Geschmack!

Geschmack hat man oder man hat ihn eben nicht. Ist das so? Aber kann sich Geschmack nicht auch ändern? Früher, in meiner Sturm-und-Drang-Phase, konnte man mich mit Folk & Country verjagen und Jazz war etwas für alte intellektuelle Säcke. Beruht Geschmack also vielleicht hauptsächlich auf Erfahrungen?

Ganz sicher tut er das, aber es gibt auch Dinge, die ich schon immer schön fand, und auch heute noch schön finde. Nehmen wir zum Beispiel die Musik der 19-jährigen Singer/Songwriterin BRYONY WILLIAMS. Ich bin mir absolut sicher, dass die Musik, welche die aus den englischen Midlands stammende Sängerin auf ihrer Debüt EP "Wanderlust" präsentiert, mich auch als Jüngling, mit einigen Haaren mehr und einigen Kilos weniger, fasziniert hätte. Warum? Weil, Bryony sehr virtuos Slowcore mit Grunge und Americana verknüpft und ein ausgesprochenes Händchen für klassische Melodieführung hat. Oder anders, diese junge Dame kann Songwriting!

Ähnlich wie Courtney Barnett auf ihrem letztjährigen Meisterwerk "Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit" ist es der feinfühlige Umgang mit Elementen aus Grunge und Folk der Williams Songs auszeichnet. Bestes Beispiel: "Frequency". Der große Unterschied zwischen den beiden Künstlerinnen liegt aber in den völlig unterschiedlichen Stimmen, denn während Barnett einen Gesangsstil einsetzt, der hart und abgehackt klingt, bleibt Bryony immer sanft und zurückhaltend - engelsgleich. Die Stimme der Engländerin ist in ähnlichen Sphären angesiedelt, in der sich auch die verehrungswürdige Hope Sandoval aufhält.



"Table Mountain" spielt mit psychedelischen Untertönen, ist aber eigentlich eine verträumte IndieFolk-Pop-Nummer, die durch unerwartete kleine Breaks besticht und neben der eigentlich lieblichen Führungsmelodie durchaus auch rockige Elemente in sich trägt. Wieder in eine andere Richtung geht "Stargaze". Das sehr atmosphärisch angelegte Stück, ist feinster Slowcore, der am Anfang und Ende mit Noise à la Sonic Youth kokettiert. Die letzten beiden Stücke, das folkige "Grindstone" und das düstere gespenstische "Hidden" sind etwas weniger spektakulär, zeigen aber ebenso eindrucksvoll, dass diese junge Britin einfach eine verdammt gute Sängerin ist, die sich eindeutig auf dem richtigen Weg befindet, um ihr Fernweh um das sich die EP thematisch dreht, bald auf Tourneen durch andere Länder gestillt zu bekommen.

Und nicht vergessen: Gute Musik erkennt man am Geschmack!

Tracklist:
01 Frequency  
02 Table Mountain  
03 Stargaze  
04 Grindstone  
05 Hidden

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