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Freitag, 28. Oktober 2016

FRIENDS OF GAS / Fatal Schwach [LP]

Es mehren sich die Zeichen, dass München den Anspruch erhebt, doch eine größere Rolle im nationalen Pop- u. Rockgeschäft zu spielen. Es bebt in München und Schuld daran ist die vor zwei Jahren gegründete fünfköpfige Formation FRIENDS OF GAS, die jetzt auf Staatsakt, wo sonst, ihr Debüt „Fatal Schwach“ veröffentlicht. Und dieses Album ist eine Urgewalt!


Sängerin Nina Walsers Stimme ist die wütende Faust, die DICH am Nacken packt. Das Brachialeste, was man seit langer langer Zeit in der deutschsprachigen Rockmusik erleben durfte - wahrscheinlich seit dem letzten Surrogat-Album.

Es ist zwar sehr aufregend, was die Münchner auf  "Fatal Schwach" alles anstellen, allerdings muss man auch sagen, dass der Ansatz wahrlich kein neuer ist. Rock-Fans, die schon ein paar Jährchen auf dem Buckel haben, werden sicher ganz schnell Rückschlüsse auf Bands wie Malaria, den Einstürzenden Neubauten, den bereits genannten Surrogat und im internationalen Bereich Sonic Youth, ziehen.

Das ist legitim, denn Friends of Gas rezitieren in ihren Texten ebenfalls aus vergangenen Rockzeiten, macht den Hype, sogar Der Spiegel berichtet, um das Album aber etwas unverständlich - welches natürlich trotz all des Wirbels ein Schatzkästchen der Freude für Musikfans der dunklen Seite ist.

Sieben Songs, vorwiegend in Überlänge, brechen sich gewaltsam durch das vom Max Rieger (Die Nerven) gewohnt feinfühlig, gewohnt energetisch produzierte Debütalbum. Es ist betrörend schmerzvoll, wie sich Nina Walser an der Seite von nervensägenden Gitarrenriffs und kompromisloser Schlagzeugbearbeitung durch "Template" quält. Die schreit, sie sucht den Wahnsinn in sich und in der Musik. Scheitern erlaubt, aber nicht vorgegeben.



Schier ewige 7:20 Minuten lang panikt sich Walser anschließend durch das "Ewige(s) Haus". Die Wände zittern vom ewig brummenden Basslauf (Martin Tagar), die Gitarren von Veronica Burnuthian und Thomas Westner kratzen über den Boden. Was den Neubauten das Haus der Lüge ist, ist den Münchnern das ewige Haus. Licht an und raus hier oder Kälte kriecht!

"Involuntary" ist eines von zwei Stücken in englischer Sprache, aber ansonsten bleibt das Quintett der Marschroute minimalistischem PostPunk mit Noise-Attacken, wie er in den deutschsprachigen Songs zelebriert wird, verbunden. Warum der Sprachenwechsel notwendig ist, erschließt sich mir nicht. In der Muttersprache packt micht die Wucht der Stimme und die Magie der Songs deutlich mehr.

Der gewaltigste Song auf "Fatal Schwach" ist ohne wenn und aber "Kollektives Träumen". Das erinnert an die Band des Produzenten, das geht voran, das ist wie eine Minute schweben, das macht keine Geschichte, aber ordentlich Krawall. Wenn mal wieder der nächste Fucking Monday über dei Stränge schlägt, werde ich mit "Kollektives Träumen" Ballast abwerfen. Danke dafür!



"Saurer Schnee" fällt bedächtig, Flocke für Flocke, Ton für Ton, stapelt sich, verbindet sich, verändert das Gesehene, wirbelt auf und begräbt schließlich alles unter sich. Alles verändert. Alles Gut? NEIN! Weil viel zu viele einknicken. Wer verträgt schon noch Kaltes Klares Wasser? Alle Warmduscher und Bücklinge bekommen in "Einknick" mal so richtig den Mittelfinger ins Gesicht gestreckt. Vorsicht, dass dabei die schönen weißen Zähne nix abbekommen!

"Teeth" ist der zweite englischsprachige Song. Wer braucht heute schon noch Zähne? Vegan geht ohne, da muss man nicht fest zubeißen können. Ist der Mensch ein Raubtier ohne Zähne? Friends of Gas bohren auf die Wurzel! Tut weh! Zerstört die Zelle! Tut gut!

"Fatal Schwach": Alles gut!

Bleibt noch in eigener Sache zu erwähnen, dass es Staatsakt dieses Jahr ja wohl eindeutig übertreibt! Isolation Berlin, Nicolas Sturm, Palminger, All diese Gewalt, Der Spielmacher, Stereo Total. Das Haushaltsloch wird immer tiefer - vielleicht sollte ich meine Plattensammlung nach Labeln sortieren :-)


Tracklist:
01 Template
02 Ewiges Haus
03 Involuntary
04 Kollektives Träumen
05 Saurer Schnee
06 Einknick
07 Teeth

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