Labels

Mittwoch, 27. Juni 2018

EELS live in Concert / Support: That 1 Guy

Location: E-Werk, Köln
Date: 26.06.2018

 

Mark Oliver Everett ist seit seinem 1996 erschienenem Debütalbum "Beautiful Freak" einer meiner musikalischen Helden. 12 Alben hat er als EELS seitdem veröffentlicht und kein wirklich Schlechtes befindet sich darunter. Das aktuelle Album "The Deconstruction" gehört zu seinen besten, weswegen ich mich doppelt freue, Mr. E. endlich auch einmal live zu erleben. 


Das E-Werk ist ausverkauft, obwohl es lange Zeit nicht danach aussah. Das Publikum eher im gesetzteren Alter, deutlich höherer Männeranteil, sehr viele Herren, die mit T-Shirts bekunden, dass sie nicht zum ersten Mal auf einem Eels-Konzert sind. Mein treuer Konzertbegleiter C. hat auch schon einige Eels-Konzertchen auf dem Buckel und selbstverständlich ist er wie immer bei Konzertbesuchen bestens vorbereitet, weswegen wir bereits wissen, dass ein schrulliger Kerl namens THAT 1 GUY den Support für die Eels bestreitet.

Hinter dem, wie ich finde, etwas bescheuerten Namen steckt ein gewisser Mike Silverman, der als Jazz-Bassist seine Musikkarriere begann, sich dann aber von seinem Instrument limitiert fühlte und sich deswegen ein eigenes Musikinstrument erfand. Tätät, the Magic Pipe!

Das Ding schaut aus wie eine von den Neubauten entwickelte Harfe. Es besteht aus zwei Metallrohren, die mit einem Bogen verbunden sind, in welchem Sensoren sitzen mit denen Schlagzeugsamples abgerufen werden können. Am kurzen Rohr sind Saiten angebracht, die Silverman mit den Händen zupft oder mit einem Geigenbogen oder überdimensionalen Plektron bespielt.

Der Sound ist unglaublich fett und mit geschlossenen Augen würde man im Leben nicht glauben, dass dieses musikalische Feuerwerk auf der Bühne ein einzelner Mann abfeuert. Im Publikum stehen einige Münder offen, auch wenn der Auftritt zwischen skurriler Kindergeburtstagsattraktion - damit meine ich die sehr schräge Zaubertrickeinlage - und "seriösem" Konzert hin und her schwappt. Ich fühle mich auf jeden Fall gut unterhalten und frage mich wie der schräge Kauz Everett und der noch schrägere Kauz Silvermann sich wohl kennengelernt haben.

Nach einer etwas längeren Pause geht es dann kurz nach 21 Uhr los. Mr. E., begleitet von einem Gitarristen, einem Bassisten und einem Schlagzeuger betritt die Bühne. Alle tragen dunkle Sonnenbrillen, cool sieht das aber nur bei Herrn Everett aus. Komische Band ist mein allererster Gedanke und es wird noch viel komischer ...

Die Band startet mit dem The Who-Cover "Out In  The Street" von deren Debütalbum "My Generation" aus dem Jahr 1965. Kann man so machen. Der nächste Song ist eine Coverversion von Prince. "Rasberry Beret" kann man so nicht machen. Die Idee das Stück als flotte Rocknummer zu zelebrieren ist gut, aber in der Umsetzung klingt es, als ob eine Schülerband Prince covert.

Dann startet der Rumpelbeat von "Bone Dry" vom aktuellen Album und Hoffnung keimt auf, dass der erste Eindruck ein falscher ist, aber leider verfestigt sich bei mir der Gedanke, dass Mr. E. diesen Abend voll gegen die Wand fährt. Die Band versucht auf dicke Hose zu machen, kommt dabei aber absolut lächerlich rüber - als hätte die Begleitband von Bryan Adams oder einem ähnlich schlimmen Stadionrockbarden versucht die Eels zu covern.

Herr im Himmel, was passiert hier gerade? Ist das Absicht? Ist die Dekonstruktion gewünscht? Bin ich der Einzige, der diesen Auftritt so Kacke findet? Nein! Nachdem ich es gewagt habe meinen Unmut zu äußern, steht fest, dass in unserer Truppe der Großteil entsetzt davon ist, was Herr Everett heute Abend hier abzieht.



Mit einer schrecklich aufgesetzten Fröhlichkeit, einem ständigen,  - überhaupt nicht lustigem- "Schatzi" auf den Lippen und dieser Albtraumband raubt er so gut wie jedem Eels-Song seine Aura. Nicht nur "Rusty Pipes" und "You Are The Shinning Light", sondern auch viele Eels-Klassiker verlieren jegliche Cool- und Dirtyness - man könnte weinen - ganz besonders wenn die beiden Bandgitarristen die Chorusgesänge anstimmen.

Der Level an Frustbier steigt von Song zu Song und erreicht seinen Höhepunkt mit "Novocain for the Soul", das in einer rockigeren Variante erklingt die mich leider eben so wenig überzeugt, wie alles was vorher kam. Das ganze Konzert wirkt wie eine Persiflage und ich glaube langsam, dass bald jemand von der versteckten Kamera auf die Bühne springt und das Publikum erlöst. Dies geschieht leider nicht und so muss ich auch noch erleben, wie mein allerliebster Eels-Song "I Like Birds" durch die Dekonstruktionsmühle zerschreddert wird.



Wenig später verlässt die Band die Bühne und ich applaudiere nicht, bleibe aber trotzdem nicht vom Zugabenblock verschont, der mit einem erneuten Prince-Cover beginnt. "When You were Mine" kann man aber so machen.

Der letzte Block des Konzertes ist erträglich, könnte aber auch daran liegen, dass ich mich mittlerweile an die Theke zurückgezogen habe, um das Leid nicht aus nächster Nähe ertragen zu müssen. "Life is hard ...."

Sehr geehrter Herr Everett, wenn Sie auf Stadionrock machen möchten, dann covern Sie doch in Zukunft bitte die entsprechenden Songs und lassen Ihre eigenen Songperlen lieber in der Schatztruhe. Ich wäre Ihnen dann sehr zu Dank verpflichtet, denn wie mir mein treuer Konzertbegleiter C. versicherte, haben Sie bisher immer richtig großartige Konzerte abgeliefert :-(.


Keine Kommentare:

Kommentar posten