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Freitag, 12. August 2016

FIELD MOUSE / Episodic

Es war einmal eine Indieband aus London, die nannte sich The Field Mice. Sie lebte nur vier Sommer lang von 1987 bis 1991 und nur wenige können sich an deren Indie-Top-20-Hit "Sensitive" erinnern. Seit 2010 gibt es eine Band mit ähnlichem Namen aus den Vereinigten Staaten, die mit dem Major-Debüt-Album "Hold Still Life" 2014 erstmals meine Aufmerksamkeit erregte und mir mit ihren neuen Album "Episodic" nun helle Freude bereiten.


Aus der anfangs etwas ängstlich erscheinenden kleinen FIELD MOUSE ist nämlich ein veritabler Nager geworden, der nicht nur am Rock knabbert, sondern ordentlich Zähne zeigt. Was daran liegen könnte, dass "Episodic" von Hop Along's Joe Reinhardt in Philadelphia aufgenommen wurde und die haben ja mit dem letztjährigen hochgepriesenen Album "Painted Shut" bewiesen, wie man mit fetten und doch melodiösen IndieRock heutzutage bestehen kann. Field Mouse, bestehend aus Rachel Browne (Vocals, Gitarre), Andrew Futral (Gitarre), Saysha Heinzman (Bass), Tim McCoy (Schlagzeug) und Zoë Browne (Synthesizer, Gitarre) schlagen auf jeden Fall in die gleiche Kerbe wie Hop Along oder auch Big Thief, an deren Album "Masterpiece" ich in diesem Jahr schon mein Herz vergeben habe.

Mit "The Mirror" geht die vom anfänglichen Duo zum Quintett gewachsene Band direkt am Albumanfang in die Vollen. Ein treibender Song mit lauten Schrammelgitarren, feinen Breaks und Tempiwechseln und der bezaubernden Stimme von Rachel, die irgendwo zwischen Adrianne Lenker (Big Thief) und Hope Sandoval anzusiedeln ist. Wer den Vergleich zu Hope beim ersten Song noch nicht nachvollziehen kann, wird mir beim verträumten, aber dennoch ordentlich lärmenden "Half-Life" spätestens zustimmen. Wunderbar diese Gitarrenausbrüche inmitten einer DreamPop-Landschaft!



Das groovende "Acessory" lässt zu Beginn die Gitarren hinter den dominierenden Drums agieren, um sie allerdings später mit voller Wucht in die Schlacht zu werfen. Großartig, das angedeutete Gitarren-Soli im Schlussdrittel. Diese Band weiß zu überraschen!

Das anschließende "The Order of Things" klingt vielleicht etwas der Zeit hinterher, aber mit dem geschmeidigen "A Widow with a Terrible Secret", vielleicht dem stärksten Song des Albums, zeigt die Band, die sich aus Mitgliedern aus New York, Philadelphia und Pennsylvania speist, dass im US-IndieRock ab sofort mit ihnen zu rechnen ist.



Auch bei "Beacon" brennt das Feuer! Der Song braucht etwas länger, bis er sich in meine Gehörgänge klebt, sitzt dann aber perfekt. Das Spiel mit lauten und leisen Tönen ist eindeutig eine herausragende Stärke von Field Mouse. Normalerweise changiert die Volume in jedem einzelnen Song, man könnte nach der ersten Minute denken, "Over And Out" ist eine Ausnahme, aber dann erstaunt die Nummer durch die ansteigende Dramatik und lässt am Ende gar schwelgerische Gitarren erklingen, die mich an meine Lieblings-Dinos erinnern.

Das DreamPop-vs-Shoegaze-Konzept zieht sich wie ein roter Faden durch das Album, auch bei "Do You Believe Me Now", einem von einigen Kandidaten für die Indie-Disco und dem herrlich aufschäumendem "Never Would Have Known". Der Kontext des Albums steht, auch wenn der letzte Song "Out of Context" heißt, der mit einer fulminanten Noise-Attacke den perfekten Schlusspunkt setzt. Wird wohl auf ewig der letzte Song bei Live-Konzerten sein - was ich hoffentlich bald erleben darf ;-)



Tracklist:
01 The Mirror
02 Half-Life
03 Accessory
04 The Order of Things
05 A Widow with a Terrible Secret
06 Beacon
07 Over And Out
08 Do You Believe Me Now
09 Never Would Have Known
10 Out of Context


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