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Freitag, 29. Januar 2016

JESU & SUN KIL MOON / Jesu/Sun Kil Moon

Surprise, Surprise, der große unendliche Geschichtenerzähler Mark Kozelek aka SUN KIL MOON kollaboriert mit der britischen ExperimentalRock-Band JESU. Kozelek und Jesu-Frontmann Justin Broadrick verbindet eine langjährige Freundschaft und bereits im Januar 2015 lies Kozelek in einem Interview verlauten, dass er an einem Kollaborationsalbum arbeite. Per Twitter erschien dann im April von Broadricks Seite die offizielle Ankündigung für das Werk.


Das schlicht "Jesu/Sun Kil Moon" betitelte Album enthält zehn Songs, auf denen die beiden Künstler ausloten, mit welchen Sounds man die Erzählungen Kozeleks auf musikalischem Wege transportieren kann. Dass es mit folkigen Klängen vorzüglich funktioniert, weiß man von diversen hervorragenden Sun Kil Moon-Veröffentlichungen, aber was funktioniert noch und was vielleicht auch nicht?

Der Einstieg ("Good Morning My Love") beginnt mit fetten Gitarren-Feedbacks als wäre Dinosaur Jr gerade am Soundcheck. Kozeleks Stimme kommt kaum gegen die Noise-Attacken an, aber irgendwie passen der bedrohliche Lärm und die monoton vorgetragenen melancholischen Vocals ziemlich gut zueinander. In den letzten zwei Minuten verdichtet sich der Sound und Gitarrenriffs schneiden Stücke aus dem Song, der sich aber von seinem Weg in keinster Weise abbringen lässt. Die Lyrics handelt von der möglichen Wiederauferstehung einer Liebe.

Die schweren Riffs vom Opener übernehmen  bei "Carondelet" gänzlich die Songführung. Die Vocals treten etwas mehr in den Vordergrund, klingen eindringlicher und ein ziemlich träge rumpelndes Schlagzeug begleitet die Lead-Guitar.

Der nächste Song "A Song of Shadows" erinnert mich schwer an die unglaubliche Düsternis in Anna von Hausswolff  letztem Album "The Miraculous", was wahrscheinlich an den Keyboardklängen liegt, die fast wie Orgelklänge klingen und dem in Shoegaze-Gefilden wildernden Song eine wuchtige Präsenz verleihen, zusätzlich unterstützt von Kozeleks Stimme, die ihre Monotonie ablegt und stark in Lauststärke und Phrasierung variiert. Was so düster klingt ist allerdings ein Hochlied auf seine Lebensgefährting und Muse Carolin.

Bei "Last Night I Rocked the Room Like Elvis and Had Them Laughing Like Richard Pryor" - den Hang zu überlangen Songtiteln behält Kozelek also bei - verschwinden die Gitarren, ein elektronischer Beat agiert im Hintergrund, die Führung übernehmen die gespenstischen psychedelischen Keys. Indische Räucherwaren bereithalten!

"Fragile" ist ein typischer Sun Kil Moon-Song. Die akustische Gitarre spielt kontinuierlich eine einfache Melodie und Geschichtenerzähler Kozelek erzählt und erzählt und erzählt. Neu ist allerdings, dass ein zweiter Vocalpart sich dazugesellt und tatsächlich so etwas wie Harmoniegesänge einstellen.

Ein nach 80er Jahren müffelnder elektronischer Beat, der sich anhört, als würde man die Maxisingle eines New Order-Songs auf 33 abspielen, eröffnet den Song "Father's Day" über den flächige schwebende Keyboards liegen. Kozelek sinniert über spielende Kinder auf Spielplätzen, über die Hingabe seiner Eltern trotz ihrer Mängel und über die Sehnsucht nach bereits verlorenen Weggefährten.

"Sally" bringt die fetten Gitarrenwände und Riffs zurück. Shoegaze meets HeavyRock meets DroneRock. Nach so einem kurzen Songtitel schmeißen die beiden Freunde wieder die Buchstabenschleudermaschine an. "America's Most Wanted Mark Kozelek and John Dillinger" ist der harmonischste Song des Albums, bedrohliche Soundwände sind Fehlanzeige, man könnte schon von einem Song sprechen, der ein gewisses Quentchen an Pop-Appeal in sich trägt ;-). Schöner Song, aber nicht so aufregend wie die anderen Experimente auf "Jesu/Sun Kil Moon".

Der herausragende Song auf dieser Kollaboration ist aber eindeutig das epische, über 9 Minuten lange, "Exodus", in dem zu reduzierten elektronischen Beats, schweebende dezenten Keys und akzentuierten Klavierklängen in sehr poetischer Form über Eltern, die den Verlust eines Kindes zu ertragen haben, erzählt wird. Sehr intensiver Song, der mich an einige Stücke aus der Feder von Thom Yorke erinnert.

Das dicke, weil mehr als 14 Minute lange Ende des Albums bildet "Beautiful You". Zwischen Ambient- und Dubklängen verschmelzen die Worte Kozeleks zu einem hynotischen Song, der allerdings auf dieser Länge auch darauf setzen muss, dass der Zuhörer am Ball bleibt und nicht wegdöst ;-)

Spannendes, nicht auf Anhieb einfach zu rezipierendes Experiment der beiden Freunde, das unter der Mithilfe von Größen wie Will Oldham aka Bonnie "Prince" Billy, Mitgliedern von Low, Rachel Goswell von Slowdive, Isaac Brock von Modest Mouse und  Schlagzeuger Steve Shelley (Sonic Youth) entstand.


Tracklist:
01 Good Morning My Love
02 Carondelet
03 A Song of Shadows
04 Last Night I Rocked the Room Like Elvis and Had Them Laughing Like Richard Pryor
05 Fragile
06 Father's Day
07 Sally
08 America's Most Wanted Mark Kozelek and John Dillinger
09 Exodus
10 Beautiful You

Listen on: http://www.sunkilmoon.com/jesuskm.html


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