Labels

Samstag, 2. Januar 2016

ISBELLS / Billy

Im letzten Jahr sorgte aus Belgien vor allem die Band Balthazar für Furore, in diesem Jahr könnte den ISBELLS aus dem belgischen Leuven ein ähnliches Kunststück gelingen. 


Nachdem Sänger Gaëtan Vandewoude in verschiedenen belgischen Bands sein Glück versuchte, entschloss er sich 2009 die Band Isbells zu gründen. Mit Naima Joris, Bart Borremans und Gianni Marzo fand er Mitmusiker, die ebenfalls über eine vorzügliche Stimme verfügen und sich an mehreren Instrumenten zuhause fühlen, um seine Vision vom gefühlvollen Folk mit Harmoniegesängen zu verwirklichen.

2012 gelang der Band mit ihrem zweiten Album "Stoalin'" der erste größere Erfolg, als sie in ihrem Heimatland als beste Newcomer nominiert wurden. Im Laufe der Zeit hat sich die Besetzung der Band verändert. Joris und Borremans verließen die Band und mit Chantal Acda (Bass, Perkussions und Vocals) und Christophe Vandewoude (Schlagzeug und Ukulele) stießen zwei neue Mitstreiter hinzu, mit denen nun der dritte Longplayer "Billy" eingespielt wurde.

2014 hatte Vandewoude sich eine kurzer Auszeit vom Folk genommen und unter dem Namen Sweet Little Mojo einen Ausflug in Popgefilde gewagt, aber 2016 soll das Jahr seiner Band werden und mit "Billy" stehen die Sterne nicht schlecht.

Im mit einem zuckersüßen Refrain versehenen Titelsong "Billy" umschmeicheln Bläser und Streicher eifrig die weiche Stimme von Vandewoude, der sich gesanglich irgendwo zwischen Bon Iver , den Tindersticks und Nick Drake einschmiegt. Das zweite Stück "Nothing goes away" beginnt mit einem Herzschlagbeat vom Drumcomputer, wozu eine Solo-Gitarre ihr Leid klagen darf. Wer gerne Gitarren weinen hört, dem wird sich bei dieser sehnsuchtsvollen Ballade wahrscheinlich das Herzchen weiten - ist erlaubt, denn das brandgefährliche alles vernichtende Kitsch-Riff wurde gekonnt umschifft. Dieses Manöver klappt bei den meisten Songs vorzüglich, lediglich bei "I Don't Need Any Color" trägt die Trompete zu dick auf - das klingt ja am Beginn des Stücks nach Weihnachten!



Bei "Calling" ist es ausnahmsweise nicht die Melodie, sondern die Atmosphäre, die das Stück ausmacht. Mit den hellklingenden Glöckchen und der elektronisch leicht veränderten Stimme kommt mir Brian Eno und andere chillige Ambient-Sound-Bastler in den Sinn. Prinzipiell stehe ich nicht so auf diese Hintergrundklangmalereien, aber auf dieser Platte fügt sich der Song sehr gut in das Gesamtbild.

Ganz mein Ding ist dagegen "I was told", wo sich Slide-Guitar und Bläser zum wohlklingenden Country-Americana-Folk vereinen. Geradezu fragil beginnt "The Sounds Of A Broken Man", obwohl der Mann doch schon zerbrochen ist, aber Spaß beiseite, die Nummer beschleunigt gegen Ende ganz ordentlich, so dass man schon fast von einem Popsong sprechen kann. Aber keine Angst, schon der nächste Song "When We Were Young" geht zurück ins Kämmerchen und nimmt nur ein sehr sehr trauriges Piano und die Stimme von Herrn Vandewoude mit. Klingt tatsächlich nach ehrlicher Trauerarbeit und Rückbesinnung und tatsächlich haben die Isbells laut Infotext des Plattenlabels Zealrecords ihr bisher persönliches Album aufgenommen, da sich Songwriter Vandewoude die Worte Rainer Maria Rilkes zu Herzen genommen hat: "Niemand kann Ihnen raten und helfen, niemand. Es gibt nur ein einziges Mittel. Gehen Sie in sich."

"The Art Of Knowing" kombiniert wieder Trompete mit sanften Beats. Mehr als eine Minute führen diese beiden den Song, ehe die Stimme einsetzt, dann fließen alle gemeinsam ins tiefe Tal der Melancholie. Das hört sich ziemlich kitschig an, ist der Song in gewisser Weise auch, aber trotzdem ist er irgendwie Balsam für die Seele, dem man sich oder zumindest ich mich nicht entziehen kann.

Countryesk geht es weiter mit "Hand Of The Chest", einer weiteren traurigen Ballade, bei der man allerdings aufpassen muss, dass man nicht vom Stühlchen fällt, wenn man bei 2:10 ganz unverhofft aus dem Traum geweckt wird. Gut, dass man geweckt wurde, dann als letztes haben sich die Isbells ihre flotteste Nummer "Falling For You" aufgehoben. Hier dürfen tatsächlich zwischen den leisen Passagen die Gitarren auch mal richtig auf Rabauken machen!

Ein gelungener dritter Streich der Isbells, bei dem vor allem das Zusammenspiel zwischen Blasinstrumenten und Streichern zu den sanften Melodiebögen ungewohnt und damit höchst hörenswert klingt. Die Download-Version und die CD gibt es schon seit September 2015, aber auf Vinyl erscheint "Billy" erst am 15. Januar 2016 - und das zählt natürlich ;-).

Tracklist:
01 Billy
02 Nothing Goes Away
03 Calling
04 I Was Told
05 I Don't Need Any Color
06 The Sounds Of A Broken Man
07 When We Were Young
08 The Art Of Knowing
09 Hand Of The Chest
10 Falling For You

Keine Kommentare:

Kommentar posten