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Montag, 27. April 2015

SLEAFORD MODS live im Gebäude 9 [26.04.2015, Cologne]

Sehr geehrter Herr Williamson, sehr geehrter Herr Fearn,

dieses Wochenende war ein wirklich sehr anstrengendes für mich. Am Samstag war ich auf einer Kommunion und am Sonntag auf einer Konfirmation zu Gast. Insgesamt saß, stand oder kniete ich mehr als drei Stunden in zwei sehr unterschiedlichen Gotteshäusern, um zum Abschluss des Wochenendes dann von Ihnen die Messe gelesen zu bekommen.

Als ich am Gebäude 9 ankomme, ist mein britischer Arbeitskollege mit einem Landsmann am Bierchen trinken und plaudern. Wie sich herausstellt, sind Sie es Herr Fearn! Ich aber bin vom Holy Weekend schon so derangiert, dass ich Sie nicht erkenne. Shame on me.

Sie machen auf jeden Fall einen sehr sympathischen Eindruck und ich hoffe, ich habe Sie mit meinem leicht angetrunken Auftritt - zu fürstlichen Speisen wurde ca. vier Stunden lang getafelt - nicht zu sehr verstört. Aber ich bin mir sicher, wenn Sie heute schon von einem Priester, der aussieht als wäre er der Herr der Ringe-Saga entsprungen, mit Wollfäden eingewickelt worden wären wie ich, wären sie auch etwas konfus. Irgendwann machen Sie sich dann von dannen und weil der Regen alles andere als gesegnet ist, betreten wir das wunderbar heruntergekommene dunkle ehemalige Fabrikgebäude auf der schäl Sick.

Im Konzertsaal lärmt bereits eine Kölner Punkband namens SCHWULE NUTTENBULLEN. Der Sound und die Songs sind Allerweltspunk, die Band hat Freude daran, aber für die Erweiterung des musikalischen Horizonts können die in schrillen ALDI-Steppwesten gekleideten Kölner keinen Beitrag leisten. Für die Augen ist Bassistin und Sängerin Paula aber durchaus eine Freude ;-).

Dann geht sie los, die letzte Messe dieses Wochenendes. Sie, Herr Fearn, sind so ehrlich und stellen sich während des ganzen Konzerts mit einer Bierflasche und in einem Rambo-T-Shirt gewandet zwei Meter hinter Ihr Laptop, aus welchem die archaischen Beats ballern. Hier wird nichts vorgegaukelt, hier gibt es keine Scheinheiligkeit (s. Bericht vom Chinese Man-Konzert im Gloria), hier riecht Scheiße nach Scheiße.



Respekt an Pastor Williamson wie wunderbar ehrlich und wütend Sie dem geneigten Publikum im ausverkauften Gebäude 9 die Predigt halten. Irgendwo habe ich mal über Sie gelesen, Sie seien hässlich, hätten schreckliche Frisuren, können nicht singen und hätten schlechte Laune. Das ist natürlich Quatsch und rührt daher, dass, wie ich an diesem Wochenende mehrfach erleben durfte, es verdammt viele Menschen gibt, die sich einen Ponyhof vorgaukeln. Die SLEAFORD MODS, Ihre auf unendlich vielen Exkrementen geborene Band, ist der bierbespritzte Stiefel, der die Zäune des Ponyhofes einreißt und den Insassen desselbigen mit Wucht in den Allerwertesten - sie würden Arsch sagen - tritt. Wie ich von meinem englischen Kollegen erfahren habe, dürfen Sie demnächst mehr als 70.000 Menschen als Support für The Who in den Arsch treten. Ich hoffe dabei erwischen Sie einige der besungenen Manager, Jobseeker und Tweet-Zombies, die Chancen stehen ziemlich gut bei den Ticket-Preisen.



Da bei Ihrer Messe kein Klingelbeutel umging, hätte ich Sie sehr gerne mit dem Kauf einiger schwarzer Scheiben unterstützt, aber leider stand ich zu lange mit meinem Bier im Regen, so dass bis auf das neueste Werk "Divide and Exit", welches ich natürlich schon besitze, am Altar nichts mehr zu bekommen war. Zutiefst betrübt ließ sich leider nichts mehr für mich auftreiben, aber ich danke Ihnen Herr Williamson für den Versuch, und ich danke für das leider heute Morgen nicht mehr lesbare Kugelschreiber-Tattoo auf meinem Arm und dass ich auf ein Bier mit Ihnen anstoßen konnte.

Lassen Sie mich noch einmal daraufhinweisen, wie sehr ich Ihren atemlosen speichelversprühenden Rap in diesem seltsamen britischen Slang und die archaischen Beats an diesem Abend genossen habe. Livebale Shit! For fuck's sake! Amen.

Ö

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