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Freitag, 10. April 2015

CHINESE MAN live im Gloria [Cologne, 08.04.2015]

Eigentlich lautet meine Devise für diesen Blog "Energie sparen für positive Berichte und Mieses einfach unter den Tisch fallen lassen", aber manchmal muss man sich auch so richtig auskotzen dürfen, oder?

Der Reihe nach. Eigentlich war geplant, am besagten Tag ins Underground zu TEAM AMATEUR zu pilgern, aber dann wies mein treuer Konzertbegleiter C. darauf hin, dass das von uns hochgeschätzte französische HipHop-Kollektiv CHINESE MAN im Gloria ein Konzert gibt.

Da wir für das Underground noch keine Tickets hatten und es für das Gloria noch welche gab, switchten wir um und liesen Tickets für die Franzmänner aus dem Drucker. Nach langer Zeit mal wieder ein HipHop-Konzert - die Vorfreude war groß.

Am Gloria empfing uns eine lange Schlange mit vorwiegend jüngerem und weiblichem Publikum, was mich schon etwas nachdenklich stimmte. Kurz nach 20 Uhr eröffnete MOONLIGHT BREAKFAST den Konzertabend.

Die Band um Sängerin Christie stammt aus Bukarest und spielt einen fröhlichen höchst tanzbaren Stil-Mix aus Soul, NuJazz und Swing. Stellenweise erinnern die Songs an die legendäre Amy Winehouse, aber die sympathische, aber etwas zu schüchtern auftretende Sängerin verfügt bei weitem nicht über das Stimmvolumen und die Bühnenpräsenz der zu früh Verstorbenen. Der Auftritt war zwar sehr radiokonform und nicht wirklich bedeutsam, aber auf jeden Fall sehr unterhaltsam, auch wegen der netten Filmchen, die im Hintergrund zur Musik liefen.

Nach kurzer Pause betraten dann drei Mann von CHINESE MAN die Bühne, die leider keinerlei Instrumente mehr aufwies, sondern nur noch mit einem DJ-Deck und vier Apple-Laptops bestückt war. Nach zwei Stücken war klar, dass dies hier kein Konzert, sondern ein DJ-Set werden würde. Für 20 Euro Eintritt hatte nicht nur ich da deutlich mehr erwartet, aber auch ein DJ-Set kann ja gut sein - ich erinnere mich da sehr gerne an ein Set von Kurtis Blow aus der Steinzeit des HipHop.

Die Betonung liegt auf KANN, den je länger der Abend dauerte, desto mehr fühlte ich mich verarscht von den Marionetten auf der Bühne, die dümmlich herumalberten und so taten als würden sie Knöpfchen drehen und scratchen (wenn einer wirklich live etwas zum Set beitrug, dann der haarlose Herr rechts). Sorry Jungs, aber da habe ich schon DJ-Sets gesehen, die wirklich rockten und nicht nur so taten als würden sie das Haus niederbrennen.



Noch schlimmer und peinlicher wurde es, wenn zwei Rapper zur Dosenmusik die HipHop-Animateure gaben und mit ausgelutschten "Hands up", "Move Ya"- und GaGa-Texten, dem, ich gebe es zu, frenetischem Publikum, einheizten. Mir wurde dabei allerdings höchstens so warm wie bei einer Bierdusche in der Arktis. Bin ich zu alt für solche Kinderkacke oder habe ich schon zu viel gesehen und gehört?



Irgendwann hatte ich, und meine beiden Konzertbegleiter Gott sei Dank auch, genug vom Kasperletheater und wir verliesen den Ort des Grauens vorzeitig. Verdammt lang her, dass ich vorzeitig ein Konzert Event verlassen habe. Vom hippsten HipHop-Label aus Frankreich war viel viel mehr zu erwarten - sollten sich vielleicht mal ein Konzert der Fantas anschauen, die sind zwar nicht mehr auf ihrem Zenit, aber live wissen die immer noch, wie man ein Publikum restlos begeistert.

Ö

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