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Donnerstag, 5. März 2015

POND live im Blue Shell [Cologne / 02.03.2015]


Das erste Mal mit POND war an einem lauen Sommerabend im Mai 2012. Der Ort war der gleiche, aber ansonsten hat sich seit damals doch verdammt viel geändert. Schon damals schrieb ich Konzertberichte für ein Online-Magazin, welches es in dieser Form leider nicht mehr gibt (also auch den Artikel). Weil es ziemlich interessant ist, das Vergangene und das Aktuelle zu vergleichen, beginne ich meinem Bericht zum Pond-Konzert 2015 mit einem original unveränderten Rückblick ins Jahr 2012:

[29.05.2012; Blue Shell / Köln]

Ein lauer sommerlicher Abend, auf der Getränkekarte Pilsener Urquell, an meiner Seite "Good Friends", was sollte also schon schief gehen beim Konzert der australischen Band Pond (ein Sidekick der deutlich erfolgreicheren Band Tame Impala) im Blue Shell. Dass es dann aber ein so tolles Konzert werden würde, hatte ich zwar gehofft, aber eigentlich kommt es ja meistens anders als man denkt.

Dieses Mal aber nicht! Nach 21 Uhr sitzt die Band zwar noch immer vor dem Blue Shell und trinkt Bierchen und die Jungs sind dermaßen jung, dass ich es fast nicht glauben kann. Frontmann Nick Allbrook, alias Paisley Adams, hat Ärmchen, die nur wenig breiter sind als mein Daumen und er sieht wirklich und wahrhaftig aus wie ein 14-jähriger Teenager. Er muss aber schon über 16 sein, denn Bierchen trinkt er wie auch die anderen Bandmitglieder schon wie ein Großer ;-)

Gegen 21:30 verlässt die Band dann den Outdoor-Bereich des Blue Shells und entert schnurstracks die Bühne. Schon nach wenigen Sekunden steht fest, dass Pond eine echte Liveband sind! Die Bühnenpräsenz von Paisley Adams ist gigantisch. Sein androgynes Erscheinungsbild erinnert an den jungen Bowie und seine Mimik und Gestik an den noch unverbrauchten Iggy Pop. Wobei unverbraucht nicht wirklich passt, denn frisch schaut Nick an diesem Abend eigentlich nicht aus, und wenn er dann kleine Tanzeinlagen gibt, die aussehen wie Moves von Mick Jagger bei einem epileptischen Anfall, hat das schon sehr bizarre aber faszinierende Momente.

Leider habe ich das letztjährige Konzert von Tame Impala im Gebäude 9 verpasst, weil es mich wirklich interessiert hätte, wie sich Allbrook, der bei Tame Impala live den Bass spielt, auf der Bühne gibt, wenn er nicht als Frontmann agieren darf. Ob er sich da genauso zurückhält wie Kevin Parker, der Sänger von Tame Impala und eindeutiger Band-Chef, der heute Abend für Pond als der Mann am Schlagzeug fungiert?

Jay Watson schaut aus wie der Prototyp eines Surfer-Boys oder wie Leif Garrett ohne Schminke. Bei Tame Impala sitzt er an den Drums, heute spielt er Gitarre und hilft ab und an am Keyboard aus, wo sich je nach Song bis auf Kevin Parker alle mal versuchen dürfen. Am Bass und an der Gitarre, mit wirklich ganz vorzüglicher Saitenarbeit, groovt Joseph Ryan - besonders ihm dringt die Spielfreude aus allen Poren. Ryan, alias McJam, ist übrigens kein Tame Impala-Mitglied, aber auch er tanzt auf zwei Hochzeiten und spielt zusätzlich bei Mink Mussel Creek, einer Band, die über Perth (die Heimatstadt der Jungs) hinaus wohl kaum einer kennt. Der fünfte Mann beim Gig im Blue Shell ist Jamie Terry, zuständig für Bass und Keyboard.

Dieses Quintett zeigt an diesem Dienstagabend im Blue Shell wie echter Rock 'n' Roll funktioniert - als Tame Impala behaupten die Herren ja gerne sie wären keine Rockband. Keine aufgesetzte Coolness, eine unverschämte Lässigkeit und blindes Verständnis im Spiel miteinander. Das Konzert gleicht von der ersten Minute einem einzigen großen Jam, ganz so wie es auch auf der neuen Platte „Beard Wives Denim“ funktioniert.

Passend beginnt das Konzert mit der psychedelischen Britpop-Krautrock-Space-Nummer „When it Explodes“ und schon nach den ersten Takten ist ein Grinsen auf meinem Gesicht explodiert, welches auch noch lange nach dem Konzert mein Antlitz erfüllt. This is really good Shit! Und das bezieht sich wirklich ausschließlich auf die Musik! So richtig die Post geht ab, als Pond das „Leissure Pony“ satteln und die Gitarren los galoppieren, um Grunge und Schweinerock zu huldigen. Nick „Paisley Adams“ zeigt sich als echtes Rock 'n' Roll-Tier und ich beschließe den Kleinen zu adoptieren. Braucht nicht jeder ein Problemkind?

Und dann explodiert mein Lieblingssong „Fantastic Explosion Of Time“! Wirklich beeindruckend, was die Fünf für ein Feuerwerk abfeuern. Auf einem Festival würde jetzt wahrscheinlich der Saal überkochen, aber leider sind vielleicht maximal 70 Leute da und ich bin einer der wenigen, der seine Zuckungen nicht im Zaum halten kann. Man Köln! 70 Leute ist echt wieder mal eine Schande! Morgen spielen die Jungs in Hamburg und ich gehe jede Wette, dass da deutlich mehr Publikum anwesend ist.

Aber wer nicht da war, hat echt was verpasst – ja, der geht an Dich Frau H. ;-). Ein weiterer großer Moment ist, als Allbrook unglaublich zerbrechlich, einfühlsam, sehnsüchtig und inbrünstig „You broke my Cool“ singt. Je öfter ich diesen Song höre, umso mehr geht er mir unter die Haut. Große Nummer!

Bis auf einen mir unbekannten älteren Song stammen alle gespielten Songs vom neuen Album, aber leider werden nicht alle gespielt, denn nach etwas mehr als einer Stunde ist schon Schluss. Nicht nur ich, sondern auch der treue Konzertbegleiter C., die unverwüstliche V. und die Indie-Disco-Queen Y. hätten gerne noch ein weiteres Stündchen der Band gelauscht. Wäre doch mit 3 Alben eigentlich genug Songmaterial vorhanden?! Unverzeihlich bleibt aber, dass „Sorry, I was under the Sky“ und „Elegant Design“ vom neuen Album nicht gespielt wurden, dafür gibt es 2 Wochen kein Taschengeld Herr Allbrook!

Apropos Design! Jungs, das Merchandising müsst ihr auf jeden Fall verbessern. Das Girlie-Shirt nur in XS, das Herren-Shirt mit blöden weißen Rändern und keine Tonträger aus den vergangenen Jahren. Tzzzz, so blieb C. nur die neue Vinyl (selbstverständlich von ALLEN Bandmitgliedern signiert) und mir das auch nur mäßige Tour-Plakat. :-(

SOWEIT DIE VERGANGENHEIT ...

[02.03.2015; Blue Shell / Köln]

Die Gegenwart präsentiert POND nur noch als Quartett. Kevin Parker ist seit geraumer Zeit raus, bleibt aber der Band verbunden und hat sich für das neue Album wieder an die Regler im Tonstudio begeben. Nick hat Tame Impala den Rücken gekehrt und veröffentlichte im letzten Jahr auch sein erstes Solo-Album "Ganough Wallis & Fatuna". Die Diskographie der Band ist seit damals um zwei weitere Alben ("Man, It Feels Like Space Again" [2015]  und "Hobo Rocket" [2013]) angestiegen. Jay Watson sitzt jetzt wie bei Tame Impala am Schlagzeug, ansonsten ist die Verteilung der Instrumente ziemlich gleich geblieben.


Draußen ist es ungemütlich windig und arschkalt. Das Blue Shell ist restlos ausverkauft! Es gibt eine Vorband namens BLACKBERRIES aus Solingen! Obwohl auf den Tickets steht, dass das Konzert um 21 Uhr beginnt, fängt das Quintett schon 20 vor 9 zu spielen an. Die ersten Stücke sind ganz gut, auch wenn ich mich beim ersten Song frage, ob das deutsch oder englisch ist, was Julian Müller singt.

Der Sound ist gut, der mit psychedelischen Sprengseln versehene Retro-PopRock erinnert mich in den besten Momenten etwas an The Coral, aber leider auch oft an ausgelutschte Solis von irgendeiner der späten (schlechten) Pink Floyd-Platten. Die Band ist spielfreudig, besitzt einen durchaus charismatischen Frontmann, aber es fehlt noch an einem deutlicheren Profil und mehr Mut in der Melodieführung. Aber man bedenke, die Band ist noch sehr jung, hat auch erst ein Album "Music for the Night" (2012) veröffentlicht, und wenn an den richtigen Stellschrauben gedreht wird, kann da noch einiges an Potential freigesetzt werden.

Auch heute, wie schon vor drei Jahren, sind wieder der treue Konzertbegleiter C. und die unverwüstliche V. an meiner Seite, nur das Yps ist nicht hier, da es sich geopfert hat, als Nanny Dienste zu leisten. Das Pilsner Urquell schmeckt auch noch immer, obwohl es dieses Mal sehr schwierig ist, in dieser gut gefüllten Sardinenbüchse namens Blue Shell den Arm hochzubekommen, um die Flasche zum Mund zu führen. Das Publikum hat sich im Vergleich zum letzten Mal deutlich verjüngt und die Frauenquote (wirklich sehr viele hübsche (junge) Damen heute Abend) ist rasant nach oben geschnellt - Nick der Herzenbrecher??



POND beginnt mit "Waiting around for Grace". Nick steht am linken Rand der Bühne und nicht wie beim letzten Mal im Zentrum. Diese Anordnung scheint auch die "neue" Kräfteverteilung innerhalb der Band zu verdeutlichen. Das Zentrum bleibt offen und gibt Blick auf Drumer Jay Watson. Auf der rechten Seite, der sichtlich blendend gelaunte Jamie Terry, der sich im äußeren Erscheinungsbild immer mehr in eine Art Prototyp-Grieche verwandelt ;-) und Joe Ryan mit dem adrettesten Afro im Show-Business. Ja, Pond ist immer noch eine großartige Liveband. Der Sound ist unglaublich druckvoll und bei "Elvis' Flaming Star" wird direkt vor der Bühne geradezu ekstatisch mit den Körperteilen gewedelt und auf und ab gehüpft.

Anschließend singt Nick vom meiner Meinung nach bisher besten Pond-Album "Beard, Wives, Denim" die ausufernde psychedelic Ballade "You broke my Cool". Großartig, aber Nick ist an diesem Abend lange nicht so präsent und in Hochform wie beim letzten Mal. Nimmt er sich bewusst für die Band zurück oder ist der unruhige Geist schon wieder auf der Suche nach neuen Abenteuern?

Review
Einer der schönsten Songs des neuen Albums "Sitting up on our Crane" wird zu meinem Erstaunen von Jay Watson gesungen. Wenn man es weiß, hört man klar, dass es nicht Nicks Stimme ist, aber beim Hören der neuen Platte ist mir das tatsächlich nicht aufgefallen. Live auf jeden Fall ein echtes Highlight - sehr atmosphärisch und fett. Very fein auch, was die Jungs aus Brian Enos "Baby's on fire" machen, da wird aus einer eher ruhigen Nummer ein echtes Kraftpaket.

Mit "Don't Look at the Sun or You'll Go Blind" spielen die Australier sogar einen Song aus ihrem ersten Album "Psychedelic Mango" - Can Beeinflussung unüberhörbar. Schmeckt auch das Früchtchen. Dann wird es mit "Medicine Hat" ungewohnt folkig, aber live ist das schon deutlich fetter als auf Platte und passt exzellent in die Setlist.

Richtig die Post geht natürlich bei den schweren Riffs von "Giant Tortoise" ab, danach hätte ich mir noch einen explosiven Song aus "Beard, Wives, Denim" gewünscht, aber bis auf  "You broke my Cool" bleibt das Meisterwerk heute Abend leider komplett außen vor. Zum Schluss spielen Pond noch "Midnight Mass" und als Zugabe "Man it feels like Space again" und danach ist trotz vehementer Zugaberufe schon Schluss. In Sachen Spieldauer sind sich Pond also leider treu geblieben, obwohl Ihnen doch mittlerweile ein beträchtliches Repertoire zur Verfügung steht.

Nach dem Konzert am Merchandise-Stand ist von Nick nichts zu sehen, denn er wird von zahlreichen weiblichen Fans bei der Garderobe belagert. Tja, wie hat ein anderer großartiger Künstler schon vor vielen Jahren gemeint: "The Times They Are A-Changin'". Trotzdem gerne wieder beim nächsten Mal, allerdings fürchte ich, dass das Blue Shell dann eine Nummer zu klein geworden ist. Mal sehen, ob sie irgendwann sogar in punkto Hallengröße Tame Impala überflügeln ;-). FLYING HIGH!

Ö

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