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Mittwoch, 6. Dezember 2017

OLD-Shit: WU LYF / Go Tell Fire To The Mountain (2011)

HERZPLATTENREMEBER THAT OLD SHIT
Kategorie: Alternative / PostRock / ArtRock
Veröffentlichung: 10.06.2011

 

Was ist für Musikfreaks das größte Glück? Natürlich, wenn man auf eine Band oder ein Album stößt, welches etwas Einzigartiges in sich birgt.

Die Einzigartigkeit kann sich dabei dadurch manifestieren, dass die Musik zur rechten Zeit ans richtige Ohr gelangt und dort auf offene Türen stößt - die sehr individuelle Variante.

Oder aber die Musik ist wirklich etwas bislang Ungehörtes - die universelle Variante. WU LYF (Abk. für World Unite! Lucifer Youth Foundation; auf deutsch etwa: „Vereinige dich, Welt! Luzifers Jugend-Stiftung“) war etwas selsam Neuartiges.

Die vierköpfige Band wurde 2008 in Manchester, wo auch sonst, gegründet. Lange Zeit verweigerte sie sich der Presse, gab keine Interviews und schuf sich eine stetig wachsende Jüngerschar durch Konzerte in kleinen Clubs. Dann schürte man mit gezieltem Marketing den Hype um auf die unnahbare, seltsame neue Band aus Manchester mit rätselhaften Webseiten und mystischen Clips aufmerksam zu machen. Die wach gewordenen Plattenfirmen buhlten um die Newcomer, die Band aber zeigte den Labels die kalte Schulter, gründete einfach ein eigenes Label und veröffentlichte das Debütalbum "Go Tell Fire To The Mountain".



Das Album wurde in einer dreiwöchigen Session in einer alten Kirche in Manchester aufgenommen und von Paul Savage von Mogwai abgemischt. Der Musik hört man dem Ort der Aufnahme, nicht nur wegen des ausgiebigen Orgeleinsatzes an, denn jeder der zehn Songs klingt mystisch und im Bombast erhaben. Das Faszinierende an den Stücken ist der Gesangsstil von Sänger Ellery Roberts, der eigentlich eher einem permanentem Schreien gleicht, aber in der Verknüpfung mit afrikanischen Rhythmen eine seltsam reinigend meditative Wirkung entfaltet.

Der Klang ist fulminant, mal mit Gitarren-, mal mit Orgelwänden spielend. Düster. Melodramatisch. Die Texte theatralisch und oft wütend. Der Songaufbau ist immer ähnlich: ein sanfter Einstieg, mal kürzer, mal länger, dann ein ausufernder Hauptteil und letztendlich ein versöhnliches Ende. Stilistisch lassen sich am ehesten Verwandtschaften zu Mogwai oder mit Abstrichen zu Tortoise herstellen. Nur selten kann man verstehen, was gesungen wird, meist erinnern die Wortfetzen deshalb eher an eine Kunstsprache, so wie sie auch Sigur Rós in ihrer Musik verwenden.



Als Keytracks sollte man sich auf jeden Fall das erhabene "Spitting Blood", das schwelgerische "Heavy Pop", das aggressive "Dirt" und das an eine Free-Jazz-Session erinnernde "LYF" anhören. Ein verzweifelteres "I love you forever" als bei "LYF" hat die Popmusik bis heute noch nicht gehört!



Leider trennten sich nach diesem furiosen Debüt die Wege von Ellery Roberts, Joe Manning (Schlagzeug), Tom McClung (Bass) und Evans Kati (Gitarre), sodass "Go Tell Fire To The Mountain" als "Eintagsfliege" in die Analen der Popgeschichte eingeht.

Sänger Roberts musiziert seit 2012 mit seiner Lebensgefährtin Ebony Hoorn unter dem Namen LUH, was für Lost Under Heaven steht, kann aber an die Erfolge von WU LYF nicht anknüpfen. Die anderen drei Bandmitglieder gründeten, zusammen mit vier weiteren Musikern, nach dem Ausstieg ihres Frontmannes eine Band namens Los Porcos , die sich aber schnell wieder auflöste. Bassist McLung präsentierte sich daraufhin - nicht unerfolgreich - unter dem Pseudonym Francis Lung und von den anderen Ex-WU LYF-Members Evans Kati und Joe Menning verlieren sich von da an die Spuren im weltweiten Netz.

Tracklist:
01 L Y F
02 Cave Song
03 Such a Sad Puppy Dog
04 Summas Bliss
05 We Bros
06 Spitting Blood
07 Dirt
08 Concrete Gold
09 14 Crowns for Me & Your Friends
10 Heavy Pop




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