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Freitag, 14. April 2017

OLD-Shit: THE DØ / A Mouthful (2008)

HERZPLATTENREMEBER THAT OLD SHIT
Kategorie: IndiePop, FrenchPop, IndieRock
Veröffentlichung: 2008

 

Verdammt lange war ich hinter diesem Album auf Vinyl her! Das Debütalbum von THE DØ war in Frankreich ein absoluter Hit, aber in Deutschland nur als Import zu einem horrenden Preis zu bekommen. Selbst bei gelegentlichen Aufenthalten in Frankreich gelang es mir nicht irgendwo "A Mouthful" aufzutreiben, erst als im letzten Jahr das Objekt der Begierde auf einem Gebrauchtwarenmarkt angeboten wurde, konnte ich endlich zuschlagen.

Seitdem ist "A Mouthful", welches aufgrund des MP3-Schicksals etwas in Vergessenheit geraten war, wieder ein ständiger Gast auf meinem Plattenspieler.

Das Album wurde als zweifarbige Doppel-LP veröffentlicht. Die erste Scheibe ist auf weißes Vinyl gepresst mit schwarzem Label und birgt "Aside" und "Beside", die zweite Scheibe ist schwarzes Vinyl mit weißem Label und birgt die "Seaside" und "Decide".

Fleißige Leser dieses Blogs werden meine Lieblingsfranzosen zwar bereits kennen, aber für alle die The DØ noch nicht kennen ein paar Fakten über die Band. The DØ kommen aus Paris, singen aber englisch. Sängerin Olivia Merilathi ist Halbfinnin mütterlicherseits und seit den Leningrad Cowboys weiß der popkulturell geprägte Mensch, dass dieses Völkchen es vermag, verdammt schräge Sachen hervorzubringen.  

Dan Levy, der männliche Part des Duos, ist Filmkomponist und lernte 2005 bei den Arbeiten zum Soundtrack von "Das Imperium der Wölfe" Olivia, die mit ihrem Gesang zu einigen Stücken beitrug, kennen. Olivia mochte den Film nicht sonderlich, aber die beiden finden Gefallen am gemeinsamen Arbeiten und gründen 2007 The DØ.

Der Bandname setzt sich aus den beiden Anfangsbuchstaben ihrer Vornamen zusammen, ist aber auch die italienische Bezeichnung für den Grundton der Tonleiter und bezeichnet im finnischen, mit dem durchgestrichenen Ø, die Ricke (waidmännische Fachbezeichnung für das weibliche Reh), während es im Norgwegischen für "sterben" steht. Auf anderen Seiten über die Band kann man im Internet lesen, dass The Dø dieselbe Bedeutung haben soll wie das englische Wort "Dough", nämlich viel Kohle, Zaster, Moneten. Mysterium, Mysterium!

Wie man den Bandnamen ausspricht, ist auch so eine Sache. Während man im Dänischen (=Die) wie DÖ ausspricht und im Norwegischen wie DÖR, sprechen es die Finnen als DO aus. Und der Franzose? Hörst du hier, wenn du dann auf das blaue Dreieck klickst. Und jetzt klingt das auch noch wie deux!

Nun aber zum Debütalbum, auf dem das Duo, im Gegensatz zu den beiden bisher nachfolgenden Alben "Both Way Open Jaws" (2011) und "Shake Shook Shaken" (2014), kaum elektronische Klänge einsetzt, dafür aber jede Menge klassisches Musikinstrumentarium.



Das Album "A Mouthful" ist alles andere als nur ein Mundvoll, sondern eher ein ganzer Sack voller toller musikalischer Ideen: Streicherharmonien, verträumte Pianopassagen, flächige Keybordteppiche und vertrackte Knisterbeats gepaart mit einer elfenartigen, sich schier überschlagenden, Stimme.

"Playground Hustle" ist eine Art Marsch mit Kinderstimmenbeschallung. "At Last" demonstriert federleicht, wie eine Gitarre, eine Mundharmonika, ein rumpelndes Schlagzeug und eine ungewöhnliche Gesangsstimme genügen, um den Zauber von guter Popmusik zu entfalten.



Die Hitsingle "On my Shoulder" ist hinreißend und hat höchst gradige Ohrwurmqualität, trotz durchaus vorhandener Ecken und Kanten. Eine akustische Gitarre und Streicher bringen das minimalistische "Song for Lovers" auf den Punkt, ehe "The Bridge is Broken" vorwegnimmt, was The Dø auf ihrem zweiten Album in Sachen Instrumentarium und Rhythmik erforschen werden.



"Stay (just a little bit more)", auf dem Banjo vorgetragen, ist unglaublich charmant, weil Olivia so sanftmütig wie später nie mehr singt und ein Polkarhythmus den Song lässig unterwandert. "Unissasi Laulelet" spielt mit afrikanischen Trommeln und seltsamen Chorgesängen und bei "Tammie" klingen die Handclaps nach Flamengo. Genregrenzen? Für The Dø nicht existent!



"Queen Dot Kong" groovt mit ungewöhnlichen Bläsersätzen und rezitiert dabei, das, leider nicht mehr existente, französische AvantgardePop-Duo  Les Rita Mitsouko. Der Synthi, das Musikinstrument, welches die späteren Alben des Duos maßgebend prägend wird, groovt sich zu klaustrophobischen Klängen im Instrumentalstücke "Coda" ein, um den Boden für das düster melancholische "Searching Gold" zu bereiten.

"When was I last home?" ist eine Klavierballade, die man nicht in einem Stimmungstief konsumieren sollte, so drückt sie auf die Tränendrüse. Wer lange nicht mehr zu Hause war, wird sich sofort auf den Weg machen. Eines meiner Lieblingslieder auf "A Mouthful" ist das sehr schräge "Travel Light" - ein echter geisterhafter Gänsehautmacher der seine Stimmung mehrfach verändert ohne bruchstückhaft zu wirken.

Die rockigste Nummer ist "Aha". Auch hier changiert die Stimmung des Songs dramatisch von locker fluffig bis bedrohlich, sodass man beim ersten Hören kaum einordnen kann, was man da hört - letztendlich ist es aber IndieRock ;-). Den Schlusspunkt setzt das nur 1:14 Minuten lange alptraumhafte "In My Box ".

Ich wage zu behaupten, dass ein solch, eigentlich sperriges, Album wie "A Mouthful" es in Deutschland nie auf den ersten Platz der Albumcharts schaffen würde, deswegen ehrlicher Respekt an unser großes Nachbarland.


TRACKLIST:

Aside

01 Playground Hustle
02 At Last
03 On My Shoulders
Beside
04 Song For Lovers
05 The Bridge Is Broken
06 Stay (Just A Little Bit More)
07 Unissasi Laulelet

Seaside
08 Tammie
09 Queen Dot Kong
10 Coda
11 Searching Gold
Decide
 12 When Was I Last Home     
13 Travel Light
14 Aha
15 In My Box     




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