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Donnerstag, 23. März 2017

SAMANTHA CRAIN / You Had Me at Goodbye

Das fünfte Album der Songwriterin mit indianischen Wurzeln ist ein wegweisendes. Erstmals integriert SAMANTHA CRAIN in ihre bisher immer sehr minimalistischen Folksongs aufwendigere Arrangements und schielt über Genregrenzen hinweg. Schon die vorab veröffentlichte Single "Oh Dear Louis" war sehr ungewöhnlich, denn es ist wahrhaftig die erste Crain-Numer zu der man beschwingt tanzen kann!


Die Songs für "You Had Me at Goodbye" schrieb sie laut eigener Aussage in ihrem Heim in Oklahoma innerhalb von nur vier Monaten, wenn sie nicht gerade in einer Pizzeria jobbte, um Geld für ihr "Full Time Hobby" zu verdienen. Einerseits liebt sie ihre Heimat, die Natur, die kreativen Menschen mit denen sie in Berührung kommt, aber andererseits missfällt ihr die oftmals sehr konservative Denkweise der Bevölkerung, sodass sie im Bezug auf ihre Heimatgefühlen sehr zerrissen ist.

Im Gegensatz zu ihren Lyrics merkt man ihrer Musik diese Zerrissenheit aber nur sehr selten an, denn Samantha ist eine Songwriterin mit einem begnadeten Händchen für herzerwärmende Melodien. Dass Samanthas Texte, auch wenn sie noch so banal aus dem Leben berichten, immer hintersinnig und von feinem Humor geprägt sind, sollte sich nachzu ihrem fünften Album langsam aber sicher herumgesprochen haben.

Auch auf "You Had Me at Goodbye" ist dieses Talent, neben ihrer unverkennbaren und sehr eindringlichen Stimme, das Salz in der Suppe. Oder um auf ihren Nebenjob anzuspielen, der Grundbelag auf der Pizza. Der Belag ist zwar bunter, aber der Teig genauso knackig, und wie jeder weiß, ist der Teig das Entscheidende bei einer Pizza!



Nehmen wir die neuen Zutaten unter die Lupe. Beim frühlingshaft federleichten Albumopener "Antiseptic Greeting" bestätigt sich die These, dass Samantha will, dass wir tanzen - oder zumindest fröhlich mitwippen. Danach folgt "Oh Dear Louis", dem ich ja schon eine ordentliche Dosis Pop attestiert habe. Feine Kost!

Song Nummer 3 "Loneliest Handsome Man" zeigt die "alte" Samantha Crain. Ein Song voller schwermütiger Melancholie, Geigen und mit einem Augenzwinkern. Tanzen kann man dazu allerhöchstens Klammerblues auf einer Beerdigung. Pizza Traditionale!



Das rhythmusbetonte "Wise One" ist für Fans ebenfalls etwas gewöhnungsbedürftig, denn hinter dem omnipräsenten Tenorsaxofon verstecken sich temporär sogar einige disharmonische Töne. Bei "Red Sky, Blue Mountain" singt Samantha erstmals in der Sprache ihrer Vorfahren der Choctaw. Was sich ziemlich fernöstlich anhört, erzählt davon wie wichtig ist es, dass wir unsere Erde pflegen. Pizza Naturale!

Ja, auch fiepsende und brummende Elektronik gibt es auf dem neuen Album! Bei "Smile When" wagt Samantha den Schritt in Richtung ArtPop, wäre da nicht die prägnante Stimme, man würde, weiß der Herrgott wen, hinter diesem Stück vermuten. Pizza Extravaganza!

Eher Kammer- als ArtPop ist die Ballade "Betty's Eulogy", nach den ersten Durchläufen finde ich das Stück mit den süßen Streicherarrangements eher etwas belanglos, aber das ändert sich bei Crain-Platten (zumindest bei mir) schon mal schnell. Pizza Surprise!

Dann verliert Samantha bei "Windmill Crusader" den roten Faden, der sich sonst durch ihre Kompositionen und Arrangements zieht - oder aber Produzent John Vanderslice (Spoon, Strand Of Oaks) hatte zu sehr die Finger im Spiel - auf jeden Fall nervt mich hier sowohl das hintergründige Gefiepse als auch Samanthas Gesang mit viel zu viel Uuuuuh und Lalala. Wie Pizza Hawai - nicht mein Fall.

Bei der verhuschten Orgel- und Klavierballade "When The Roses Bloom Again" steht alles auf Moll und auch hier lässt sich kammermusikalischer Anspruch erkennen. Auch hier wirkt mir alles etwas zu angestrengt, zu konstruiert - ich hoffe, Vanderslice hat Schuld. Pizza Tragedia!

Der Schlusssong "Wreck" stimmt versöhnlich. Samantha ist wieder in ihrem Element und alles ist gut. Pizza Nazione!

Insgesamt ein nicht rundum gelungenes Album. Die neue poppige Samantha gefällt mir gut, aber mit ihren Ausflügen in Richtung Kammermusik verliert Samantha ihren spröden Charme, der sie sonst spielend durch ihre Songs trägt. Liebe Samatha nicht so viel Kopf, mehr Bauch, das ist dein Ding!

Trotzdem sehr schade, dass die Künstlerin, die es sich live zu erleben auf jeden Fall lohnt, auf ihrer Tour in diesem Jahr nur einen Halt in Deutschland macht - natürlich in Berlin.

Tracklist:
01 Antiseptic Greeting
02 Oh Dear Louis
03 Loneliest Handsome Man
04 Wise One
05 Red Sky, Blue Mountain
06 Smile When
07 Betty's Eulogy
08 Windmill Crusader
09 When The Roses Bloom Again
10 Wreck

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