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Freitag, 1. April 2016

WALL OF DEATH / Loveland

Psychedelischer Pop, wie er in den drogenverhangenen Sixties erschaffen wurde, erfreute sich in den letzten Jahren wieder zunehmender Beliebtheit. Besonders der australische Kontinent mit Bands wie Tame Impala, Pond oder auch Sticky Fingers, geizte nicht mit kreativen Werken um das Genre mit neuem Leben erfüllten.


Ein französisches Trio aus Paris geht einen etwas anderen Weg, denn auf ihrem zweiten Album "Loveland", lassen WALL OF DEATH ziemlich klar erkennen, dass sie dieser Musikrichtung nicht zwangsläufig neue Aspekte abgewinnen, sondern wohl eher einen neuen Meilenstein setzen wollen.

Und wie geht man ein solch gewagtes Unterfangen an? Erstens man benötigt authentisches Equipment und zweitens einen zeitgenössichen begabten Produzenten, der sich mit Retrosound gut auskennt. Brice Borredon (Keyboards/Vocals), Gabriel Matringe (Guitar/Vocals) und Drummer Adam Ghoubali gelang es, keinen Geringeren als Hanni El Khatib als Produzenten zu gewinnen und um den richtigen Sound zu generieren, wurden Synthesizer, Orgeln, E-Pianos und sogar ein Mellotron aus besagtem Jahrzehnt für die Produktion herbeigeschafft.



Die Idee für "Loveland" formuliert El Khatib war es, ein Album zu erschaffen, das klingt wie ein vertonter Traum zwischen damals und heute. Nicht einfach Fuzz-Gitarren übereinanderlegen, kein ausgeprägter Jam-Charakter, sondern ausgearbeitete Melodiebögen mit geheimnisvollen Passagen, langsam ineinanderfließend und hypnotisch in seiner Wirkung.

Ich nehme es vorweg, der Schulterschluss zwischen den sechziger Jahren und heute ist nicht wirklich gelungen, dazu ist "Loveland" zu sehr in der Vergangenheit gefangen, aber das Kunststück einen neuen Meilenstein für dieses altehrwürdige Genre zu kreieren, der neben großen Werken von Pink Floyd, Soft Machine oder den zu unrecht gerne vergessenen Os Mutantes aus Brasilien bestehen kann, ist hervorragend geglückt.



Der hypnotische Ritt beginnt mit dem Song "Loveland" und es würde sicher nur sehr wenigen auffallen, wenn man dieses Stück auf dem Pink Floyd-Debütalbum "The Piper At The Gates of Dawn" einschmuggeln würde. "For a Lover" spielt schwelgerisch mit Melodien und Tempiwechseln wie es Os Mutantes in den Sechzigern taten, "Mother Tongue" führt in dunklere Gefilde und verströmt die mystische Aura, die Syd Barrett auf seinen beiden 1970 erschienenen Soloalben innehatte.

"How many Kids" gelingt am ehesten der Anschluss an die australischen Erneuerer, ehe mit "Blow the Cloud" die Atmospähre dichter wird und sich der prallgefüllte psychedelische vielfarbige Himmel über den Zuhörer ergießt. Pink Floyd können endlich in Rente, ein legitimer Nachfolger für die epischen Frühwerke der Band ist gefunden.

"Dreamland" ist ein kurzes Orgel-Intermezzo, um neue Krafte zu bündeln und zu zeigen, wie sanft man auf Melodien reisen kann, ehe mit "All Mighty" zu analogen Keys und einem kontinuierlichen Beat wieder etwas näher an die Jetzt-Zeit gerückt wird. Der erste gefährlich klingende Traum ist "Little Joe", die Gitarre schneidet und die Orgel marschiert schnurrstracks in eine Horror-Show und anschließend darf bei "Chainless Man" sogar etwas BluesRock vorbeischauen - spätestens jetzt sollte man das Produzentenhändchen entweder Dan Auerbach oder eben El Khatib zuordnen können ;-).

Das athmosphärische Meisterwerk "Memory Pt. 1 & Pt. II" kommt zum Schluss. Über eine Länge von mehr als 10 Minuten geistern Klangwolken, Instrumente begehren auf und verebben wieder und ewig fließt der bewusstseinsveränderte Strom ....

Tracklist:
01 Loveland
02 For A Lover
03 Mother Tongue
04 How Many Kinds
05 Blow The Cloud
06 Dreamland
07 All Mighty
 08 Little Joe
09 Chainless Man
10 Memory Pt. 1 & Pt. II

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