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Samstag, 30. April 2016

THE HEAVY / Hurt & the Merciless

Wer kennt das nicht! Eine Party, auf der müder Small-Talk gemacht wird und im Hintergrund leise Berieselungsmusik läuft, die trotz der geringen Lautstärke Ekelzustände hervorruft. Dabei könnte es alles so einfach sein!


Es gibt nämlich wirklich Musik, die einen Konsens schafft, ohne mit dem schrecklichen Etikett Konsensmusik versehen zu werden, und jede noch so öde Party in Schwung bringt. Doch wirklich!

Alls Musikbegeisterter Ihres Vertrauens empfehle ich für solche Fälle einige Sachen von King Khan & the Shrines oder aber jedes x-beliebiges Album von THE HEAVY. Wenn man auf Nummer sicher gehen will, sollte man einfach zur aktuellen Platte "Hurt & the Merciless" greifen und am Abspielgerät - falls möglich - die Repeat-Taste aktivieren. Wenn dann immer noch saft- und kraftlose Gespräche, gähnende Langeweile und Apathie herrscht, hat es sie wohl oder übel auf eine Zombie-Party verschlagen.

Lebendige Menschen können nämlich keinesfalls der Soul-, Groove-, Funk- und GarageRock-Offensive widerstehen. Zu sehr dringt die Musik der Briten in Körpergliedmaßen ein und führt dort zumindest zu chronischen Wippfüßchen, Mitschnippfingern oder manischen Pfeifattacken.

Prinzipiell können Sie bei ""Hurt & the Merciless" zwar auch die Dosis im Shuffle-Modus verabreichen, aber auch bei nicht rezeptpflichtigen Anwendungen ist es nicht verkehrt, chronologisch vorzugehen, also wie es der Arzt oder hier eben die Band vorgegeben hat. Nicht alle Menschen, die nicht tanzen können, sind von der Anwendung auszuschließen, allerdings bei akuter Soul & Funk-Allergie sollte man den Probanden zumindest über Nebenwirkungen, wie körperliche Erregungszustände, aufklären.



Um den Spiegel schnellstmöglich zu erreichen, ist der Einstieg mit "Since You Been Gone" fulminant. Die Frau ist weg und die meisten würden ihrer Trauer in einer sanften Ballade ausdrücken, aber nicht Sänger Kelvin Swaby und seine Jungs! Die Bläser pusten jeden Trübsal spielend zur Seite und Gitarrist Dan Taylor spielt wunderbar dreckig Gitarre! Eine echte Groove-Attacke! Das Video zum Song ist von Regisseur Focus Creeps und in der Hauptrolle kann man neben Swaby auch Thomas Turgoose sehen, der Fans von britischer Filmkunst aus "This is England" bekannt sein dürfte.

Beim zweiten Albumsong "What Happened To The Love?" wird klar: Dies ist ein Trennungsalbum! Und tatsächlich ging es im Privatleben der Band die letzten Jahre drunter und drüber. Trennungen und Scheidung, dann eine erneute Vermählung. Wie man daraus eine 1A-Gute Laune Platte bastelt, ist unvorstellbar, aber wahr. Wem beim Einstiegssong zu wenig Rockeinflüsse durchschlugen, der dürfte bei den schweren Riffs und der genialen Hook "What Happened To The Love?" nichts mehr zu motzen haben. Eignet sich bei aufgedrehtem Volumeregler wunderbar zum Druckablass!



More Funky? Bitte schön! "Not the One" ist die most funkiest Red Hot Chili Peppers-Nummer, die diese wohl niemals mehr schreiben werden. Musikfreunde, die nicht über seltsame Schepper-Boxen ihre Musik konsumieren, dürfen sich besonders über die durch die Lautsprecher rollenden Drums von Mister Chris Ellul freuen.

"The Apology" schmeckt nach dem groovendem Funk-Soul-Gebräu wie es das Stax Records-Label in den 70er Jahren als schmutzigen Gegenpart zum relativ cleanen Motown-Sound etablierte. Lecker! Anschließend folgt ein souliger Ausflug nach Mexiko. Die Mariachi-Bläser-Parts in "Nobody's Hero" sind exzellent und der Refrain ist so unglaublich catchy, dass er mir seit Tagen im Hirn in Dauerschleife seine Aufwartung macht.



Ich persönlich finde es ja auch sehr schön, wenn bei einer Party im fortgeschrittenen Zustand lauthals Lieder mitgesungen werden. Voila, dafür bietet sich der höchst radiotaugliche Refrain von "Miss California" definitiv an: "She used to be Miss California. A trail of broken hearts to her door. She used to be Miss California. But she don't turn their heads anymore."

Nach dem Singen sollten wieder ordentlich die Hüften geschüttelt werden! Zum fetten tiefen groovenden Bass von Spencer Page, Hand-Claps und The Supremes-Gedächtnis-Chorgesängen auf "Turn Up" bewegt sich wahrscheinlich sogar so ein unlockerer steifer Typ wie der türkische Präsident einigermaßen geschmeidig.



Na klar wildert "A Ghost You Can't Forget" zügellos bei "Hit the Road Jack" von Percy Mayfield, aber bei dieser flotten Nummer sollte es wohl niemanden stören, denn merke Herr Erdogan, am Ende zählt was zum Schluß dabei herauskommt :-). Sorry wegen der politischen Komponente, aber dieser Typ ist gefährlich für jede Demokratie der Welt und das musste ich einfach auch mal niederschreiben.

Zurück zur Musik! Nach meiner Beichte nun "Last Confession" von The Heavy, dem Beweis, dass man Streicher einsetzen und trotzdem höllisch grooven kann. Allerdings fehlen mir bei der Nummer doch etwas die Raffinessen, mit denen die Band auf diesem Album ansonsten überhaupt nicht geizt.

Ein gaaanz kleines bisschen Temporeduzierung bei "Mean Ol' Man", was aber natürlich nicht ausreichen wird, um die Party zu stoppen, aber man kann ja auch mal wippenden Schrittes den Getränkestand aufsuchen, um den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen.

Das zweite sehr rockige Stück nach "What Happened To The Love?" ist eindeutig "Slave To Your Love". Ekstatisches GarageFunkRockGroove-Monster, um die letzten Körperreserven zu aktivieren und die Welt in Grund und Boden zu tanzen.

Am Ende dann doch noch ein Song der Trennungsschmerz im üblicheren Sinne in Musik transformiert. Aber er klingt schon wieder so hymnisch, dass man den Refrain von "Goodbye Baby", während man in den tröstenden Armen eines Freundes liegt, mit einem Lächeln im Gesicht mitsingt und im Takt des Liedes hin und her schunkelt: "It's GoodBye Baby- Baby GoodBye -It's GoodBye Baby - Baby GoodBye-Where You Belong." Repeat nicht vergessen! Gnadenlos!

Tracklist:
01 Since You Been Gone
02 What Happened To The Love?
03 Not The One
04 The Apology
05 Nobody's Hero
06 Miss California
07 Turn Up
08 A Ghost You Can't Forget
09 Last Confession
10 Mean Ol' Man
11 Slave To Your Love
12 Goodbye Baby

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