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Freitag, 29. Juni 2018

QUICK & DIRTY: MELODY'S ECHO CHAMBER / Bon Voyage

Published: 15.06.2018
Label: Fat Possum Records
Genre: Psychedelic, AlternativeRock, IndiePop, DreamPop
Country: Paris, France



Members:
Melody Prochet

Tame Impala Fans, welche die Psychedeliker schon mal live gesehen haben, dürften auch schon mit MELODY'S ECHO CHAMBER Bekanntschaft gemacht haben, den Melody Prochet, der Kopf der französischen Band war lange Zeit die Freundin von Kevin Parker und deswegen gerne als Support mit den Australiern unterwegs.

Ich hatte das Vergnügen die Französin 2013 bei eben einem solchen Tame Impala-Konzert im Kölner Club Gloria erleben zu dürfen und - man kann es nachlesen - ich war schon ziemlich hingerissen vom Auftritt, bemängelte aber das relativ einfallslose Songwriting.

"Einfallslos" ist nun ein Adjektiv, mit dem man das neue Album "Bon Voyage" ganz sicher nicht umschreiben kann, denn nach 6 Jahren Wartezeit, wartet Melody mit Album Nummer 2 mit einem Longplayer auf, der so facettenreich ist, dass er sich am ehesten wie eine (be)rauschende Achterbahnfahrt durch Melodys Wunderland beschreiben lässt.



Der Trip - "Bon Voyage!" - startet mit "Cross My Heart", ein Song der anfangs noch dazu verführt zu sagen, "das klingt aber schon nach Tame Impala ...", der dann aber so viele stilistische Richtungswechsel, Tempoänderungen und Sprachwechsel in exakt 6:65 Minuten absolviert, dass einem ganz schwindelig wird. Uiuiui, das will wohl jemand gaaaaanz hoch hinaus. Geht das so weiter????

"Let it happen!" Es geht so weter, tief durchatmen! "Breathe In, Breathe Out" ist deutlich kürzer, aber keinen Deut weniger verrückt. Was ist nur mit der Französin passiert??? Bei "Desert House" wird es funky und orientalisch als würden Altin Gün auf King Gizzard treffen und eine Partynummer abfeuern! Hat sie Herr Parker in all den Jahren so gebremst oder hat es einen Parker gebraucht um das psychedelische Potenzial von Melody Prochet freizulegen? Fragen Sie doch ihren Drogenlieferanten!!



Und was bitte ist "Var Har Du Vart"??? Sing die Madame jetzt auch noch auf Schwedisch??? Ahh, der Song stammt aus der Feder von Gustav Ejstes von der schwedischen PsychedelicRock-Band Dungen. Neuer Lover ;-)?

Dann kommt wieder ein sehr langes Stück auf Französisch. Es trägt den poetischen Titel "Quand Les Larmes D’un Ange Font Danser La Neige". Wenn mein Google-Übersetzer keinen Mist gebaut hat bedeutet es soviel wie "Wenn die Tränen eines Engels tanzen entsteht Schnee". Und von wem ist diese Poesie? Laut Notes im Platten-Inlay tatsächlich von Nick! Ja, Herr Allbrook, auch als Mister Pond bekannt! Neuer Partner? Fragen Sie doch bei Parship!

Und was ist jetzt DIE Schlüsselnummer auf "Bon Voyage"? Was ist Melody's "Let it happen"? "Cross My Heart" oder "Quand Les Larmes D’un Ange Font Danser La Neige"? Was erlauben Melody Prochet?!!!?



Die letzten beiden Stücke "Visions of Someone Special, On A Wall of Reflections" und "Shrim" sind nicht von dieser Güteklasse, zumindest "Visions of Someone Special, On A Wall of Reflections" nicht, denn je öfter man die Prince trifft auf Psychedelic-Nummer "Shrim" hört desto ... einigen wir uns einfach drauf, dass MELODY'S ECHO CHAMBER mit Album Nummer Zwei tatsächlich ein waschechtes Meisterwerk geglückt ist! Félicitations!

Tracklist:
01 Cross My Heart
02 Breathe In, Breathe Out
03 Desert House
04 Var Har Du Vart
05 Quand Les Larmes D’un Ange Font Danser La Neige
06 Visions of Someone Special, On A Wall of Reflections
07 Shrim

Mittwoch, 27. Juni 2018

EELS live in Concert / Support: That 1 Guy

Location: E-Werk, Köln
Date: 26.06.2018

 

Mark Oliver Everett ist seit seinem 1996 erschienenem Debütalbum "Beautiful Freak" einer meiner musikalischen Helden. 12 Alben hat er als EELS seitdem veröffentlicht und kein wirklich Schlechtes befindet sich darunter. Das aktuelle Album "The Deconstruction" gehört zu seinen besten, weswegen ich mich doppelt freue, Mr. E. endlich auch einmal live zu erleben. 


Das E-Werk ist ausverkauft, obwohl es lange Zeit nicht danach aussah. Das Publikum eher im gesetzteren Alter, deutlich höherer Männeranteil, sehr viele Herren, die mit T-Shirts bekunden, dass sie nicht zum ersten Mal auf einem Eels-Konzert sind. Mein treuer Konzertbegleiter C. hat auch schon einige Eels-Konzertchen auf dem Buckel und selbstverständlich ist er wie immer bei Konzertbesuchen bestens vorbereitet, weswegen wir bereits wissen, dass ein schrulliger Kerl namens THAT 1 GUY den Support für die Eels bestreitet.

Hinter dem, wie ich finde, etwas bescheuerten Namen steckt ein gewisser Mike Silverman, der als Jazz-Bassist seine Musikkarriere begann, sich dann aber von seinem Instrument limitiert fühlte und sich deswegen ein eigenes Musikinstrument erfand. Tätät, the Magic Pipe!

Das Ding schaut aus wie eine von den Neubauten entwickelte Harfe. Es besteht aus zwei Metallrohren, die mit einem Bogen verbunden sind, in welchem Sensoren sitzen mit denen Schlagzeugsamples abgerufen werden können. Am kurzen Rohr sind Saiten angebracht, die Silverman mit den Händen zupft oder mit einem Geigenbogen oder überdimensionalen Plektron bespielt.

Der Sound ist unglaublich fett und mit geschlossenen Augen würde man im Leben nicht glauben, dass dieses musikalische Feuerwerk auf der Bühne ein einzelner Mann abfeuert. Im Publikum stehen einige Münder offen, auch wenn der Auftritt zwischen skurriler Kindergeburtstagsattraktion - damit meine ich die sehr schräge Zaubertrickeinlage - und "seriösem" Konzert hin und her schwappt. Ich fühle mich auf jeden Fall gut unterhalten und frage mich wie der schräge Kauz Everett und der noch schrägere Kauz Silvermann sich wohl kennengelernt haben.

Nach einer etwas längeren Pause geht es dann kurz nach 21 Uhr los. Mr. E., begleitet von einem Gitarristen, einem Bassisten und einem Schlagzeuger betritt die Bühne. Alle tragen dunkle Sonnenbrillen, cool sieht das aber nur bei Herrn Everett aus. Komische Band ist mein allererster Gedanke und es wird noch viel komischer ...

Die Band startet mit dem The Who-Cover "Out In  The Street" von deren Debütalbum "My Generation" aus dem Jahr 1965. Kann man so machen. Der nächste Song ist eine Coverversion von Prince. "Rasberry Beret" kann man so nicht machen. Die Idee das Stück als flotte Rocknummer zu zelebrieren ist gut, aber in der Umsetzung klingt es, als ob eine Schülerband Prince covert.

Dann startet der Rumpelbeat von "Bone Dry" vom aktuellen Album und Hoffnung keimt auf, dass der erste Eindruck ein falscher ist, aber leider verfestigt sich bei mir der Gedanke, dass Mr. E. diesen Abend voll gegen die Wand fährt. Die Band versucht auf dicke Hose zu machen, kommt dabei aber absolut lächerlich rüber - als hätte die Begleitband von Bryan Adams oder einem ähnlich schlimmen Stadionrockbarden versucht die Eels zu covern.

Herr im Himmel, was passiert hier gerade? Ist das Absicht? Ist die Dekonstruktion gewünscht? Bin ich der Einzige, der diesen Auftritt so Kacke findet? Nein! Nachdem ich es gewagt habe meinen Unmut zu äußern, steht fest, dass in unserer Truppe der Großteil entsetzt davon ist, was Herr Everett heute Abend hier abzieht.



Mit einer schrecklich aufgesetzten Fröhlichkeit, einem ständigen,  - überhaupt nicht lustigem- "Schatzi" auf den Lippen und dieser Albtraumband raubt er so gut wie jedem Eels-Song seine Aura. Nicht nur "Rusty Pipes" und "You Are The Shinning Light", sondern auch viele Eels-Klassiker verlieren jegliche Cool- und Dirtyness - man könnte weinen - ganz besonders wenn die beiden Bandgitarristen die Chorusgesänge anstimmen.

Der Level an Frustbier steigt von Song zu Song und erreicht seinen Höhepunkt mit "Novocain for the Soul", das in einer rockigeren Variante erklingt die mich leider eben so wenig überzeugt, wie alles was vorher kam. Das ganze Konzert wirkt wie eine Persiflage und ich glaube langsam, dass bald jemand von der versteckten Kamera auf die Bühne springt und das Publikum erlöst. Dies geschieht leider nicht und so muss ich auch noch erleben, wie mein allerliebster Eels-Song "I Like Birds" durch die Dekonstruktionsmühle zerschreddert wird.



Wenig später verlässt die Band die Bühne und ich applaudiere nicht, bleibe aber trotzdem nicht vom Zugabenblock verschont, der mit einem erneuten Prince-Cover beginnt. "When You were Mine" kann man aber so machen.

Der letzte Block des Konzertes ist erträglich, könnte aber auch daran liegen, dass ich mich mittlerweile an die Theke zurückgezogen habe, um das Leid nicht aus nächster Nähe ertragen zu müssen. "Life is hard ...."

Sehr geehrter Herr Everett, wenn Sie auf Stadionrock machen möchten, dann covern Sie doch in Zukunft bitte die entsprechenden Songs und lassen Ihre eigenen Songperlen lieber in der Schatztruhe. Ich wäre Ihnen dann sehr zu Dank verpflichtet, denn wie mir mein treuer Konzertbegleiter C. versicherte, haben Sie bisher immer richtig großartige Konzerte abgeliefert :-(.


Montag, 25. Juni 2018

QUICK & DIRTY: LUMP / Lump

Published: 01.06.2018
Label: Dead Oceans
Genre: ElectronicKammerPop, Folktronica
Country: London, Great Britain



Members:
Laura Maling, Mike Lindsay

Ich mag rothaarige Wesen. LAURA MARLING und MIKE LINDSAY von Tunng anscheinend auch. Über die tänzerischen Leistungen im Video zu "Curse Of The Contemporary" lässt sich trotzdem streiten, nicht allerdings über die künstlerische Qualität des Kollaborationsalbums der beiden unter dem Namen LUMP.

Es wird die Geschichte erzählt, dass die beiden Künstler sich nach einem Neil Young-Konzert im Juni 2016 in London kennenlernten, wo Lindsay als Support tätig war. Mike fragt Laura, ob sie nicht mal etwas gemeinsam machen möchten, Marling sagt ja, 2 Tage später sind sie im Studio und das Projekt Lump war geboren. Ist doch schön, wenn es auch mal einfach und unkompliziert geht!

Im Deutschen ist ein Lump ja ein Mensch, dem man nicht trauen sollte, einer der nichts Gutes im Schilde führt. Das englische Wort "Lump" bedeutet dagegen Klumpen oder Knoten. Auch eine Beule kann man als "lump" bezeichnen, einen Brocken oder eine Geschwulst und "A lump of money" ist ein Batzen Geld.



Welche Bedeutung Marling und Lindsay im Kopf hatten als sie ihrem Projekt einen Namen gaben ist mir nicht bekannt - sehr wohl allerdings die Geschichte, dass Marlings 6-jähriges Patenkind die Urheberrechte am Namen trägt - aussehen tut das rothaarige Zottelwesen in den Clips ja eher wie der sagenumwobene Yeti als ein Klumpen, aber ein Brocken ist es ja schon :-).

Wie bei seiner Band Tunng, basieren die sieben Stücke (eigentlich nur 6, den Stück Nummer 7 ist ein Credit-Track, bei dem Laura vorliest, wer am Lump-Projekt beteiligt war) des Albums, auf minimalistische Songgerüste, die sich aus dem Folkgenre speisen und mit elektronischen Sounds und/oder orchestraler Instrumentierung arrangiert werden.

Gepaart mit der glasklaren exzellenten und sehr ausdrucksstarken Stimme von Laura Marling funktioniert das Konzept besser als bei Tunng, wo man bei den Songs oft den Eindruck hat, es wurde zu viel gewollt. Lump ist viel weniger Pop, als Alles was die beiden Briten bisher gemacht haben. Lump ist künstlerischer - auch wegen der surrealistischen Texte - und voller magischer Momente, so klingt beispielsweise "Curse Of The Contemporary" als hätten Kate Bush und Laurie Anderson gemeinsame Sache gemacht und "Late To The Flight" als hätten sich Bon Iver und Suzanne Vega liiert.



Das pulsierende "May I Be The Light" und das kratzende "Shake Your Shelter" erinnern mich ebenfalls an Suzanne Vega, und zwar an die 99.9 °F-Phase (1992) in der Vega mit Electronic und sogar IndustrialNoise experimentierte.

Neuesten Hinweisen zufolge steht das yetiartige Wesen als Analogie für das tierische Unterbewusste und das Zufällige. Ob Lump eine einmalige Sache war wird die geplante Tour und die Zukunft zeigen. Außerdem sei mitgeteilt, dass sich die Textzeile "You look like a crooner in crisis" im Song "Late To The Flight" auf niemand geringeren als den hochverehrten Father John Misty bezieht ;-)  - jetzt wissen Sie also Bescheid ... auch Sie Hochwürden!

Tracklist:
01 Late To The Flight
02 May I Be The Light
03 Rolling Thunder
04 Curse Of The Contemporary
05 Hand Hold Hero
06 Shake Your Shelter
07 LUMP is a Product (credits)