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Freitag, 13. Oktober 2017

KING KRULE / The OOZ [Review]

Ist es nicht eigentlich Blues, den der junge Rotschopf aus Großbritannien unter dem Namen KING KRULE fabriziert? Das Wort Blues entsprang aus der amerikanischen Redewendung "I've got the blues", was so viel bedeutet, wie "Ich bin traurig". Archy Samuel Marshall ist traurig.

In den zahlreichen Definitonen für das Musikgenre findet man unter anderem solche Sätze wie "Jazz, Rock, Rock ’n’ Roll und Soul sind nah mit dem Blues verwandt. Selbst in Stilrichtungen wie Hip-Hop ist ein Nachhall des Blues zu spüren." [Wikipedia] oder "Der Blues ist kein Klagelied, sondern eine poetisch-musikalische Form des Ausdrucks sozialer Erfahrungen im Spiegel der Subjektivität des Musikers, ein Moment der Selbstverständigung und des Selbstbewusstwerdens ..." [Lernhelfer]. Archy Samuel Marshall ist ein wortgewaltiger Poet, der wie selbstverständlich Elemente aus Jazz, Rock, Rock ’n’ Roll und Soul in seine Stücke einwebt.


Wer könnte also widersprechen, wenn ich sage King Krule hat den Blues? Natürlich ist es die futuristischste Variante, dieser in der Wende vom 19ten zum 20ten Jahrhundert entstandenen Musikform, aber trotz aller Dubstep-Einflüsse, aller elektronischen Spielereien in seinen Tracks und trotz seines an Jamie T. oder Mike Skinner erinnernden Gesangsstils, ist King Krule nichts Anderes als ein Blueser. Die Teile sich seiner noch in der Sturm- und Drangphase der Jugend befindenden Anhängerschaft wird vielleicht aufschreien ob dieser These, aber ich bleibe dabei, Archy Samuel Marshall ist in seiner Inkarnation als King Krule ein 23-jähriger Blues-Veteran. Als erstes Beweismittel lege ich den Song "Cadet Limbo" vor.



Beweismittel Nummer zwei: Bei einem Interview mit Pitchfork erläutert Archy, dass das Album massiv von seiner Beziehung zu einer Spanierin geprägt wurde. Er wollte ein romantisches Album  und im urbanem Blues verwurzeltes Werk erschaffen, das sie beeindruckt und sein eigenes Unterbewusstein greifbar macht. Er hatte die Nase voll von den Rappern um ihn herum und den Jungs, die nur auf der Suche nach einem Beat sind. The romantic Archy in Love, aber geplagt von Schlaflosigkeit und Depressionen, denn wisse, wo die Liebe ist, ist der Blues nicht weit.



Letztes Beweismittel: Hören Sie die Musik von King Krule, am besten in nächtlicher Umgebung und lauschen Sie den abstrakten Texten von entgegenkommenden Zügen, Schlaflosig-, Hilfslosig- und Einsamkeit und versuchen Sie nicht in Blue Mood-Stimmung zu kommen. Es wird Ihnen nicht gelingen, denn King Krule ist durchdrungen vom Blues. Archy Samuel Marshall, der bereits mit 8 Jahren anfing erste Songs zu schreiben, ist ein Blues-Crooner in der Tradition von Chet Baker, J. J. Cale oder John Lee Hooker. He still got the Blues!



Tracklist:
01 Biscuit Town
02 The Locomotive
03 Dum Surfer
04 Slush Puppy
05 Bermondsey Bosom (left)
06 Logos
07 Sublunary
08 Lonely Blue
09 Cadet Limbo
10 Emergency Blimp
11 Czech One
12 (A Slide In) New Drugs
13 Vidual
14 Bermondsey Bosom (right)
15 Half Man Half Shark
16 The Cadet Leaps
17 The OOz
18 Midnight 01 (Deep Sea Diver)
19 La Lune



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