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Mittwoch, 4. Mai 2016

DAN SARTAIN / Century Plaza

DAN SARTAIN ist ein hoffnungslos verrücktes Rock 'n' Roll Tier das sich um Genregrenzen ein Scheißdreck kümmert und einfach das macht worauf er Lust hat.


Auf "Century Plaza" hat Dan unbändige Lust ein Album zu machen, das klingt als hätte man das dunkelste Depeche Mode-Album "Ultra" mit Songs aus dem Suicide-Kosmos in einen Mixer geworfen und verquirlt.

Der erste Song, "Walk Among The Cobras", dürfte Kennern des Sartain-Outputs bereits aus dem Jahre 2003 vom Album "Dan Sartain vs. the Serpientes" bekannt sein. Allerdings hat die damalige Version, noch mit dem Zusatz "Part I" versehen - es gab dann auch noch einen "Part II" und "III" die zwar den gleichen Titel trugen aber völlig andere Stück sind - mit der Neuinterpretation wenig Gemeinsamkeiten.

Der Text ist geblieben, aber statt Gitarre und bluesigem RumpelRock serviert Sartain auf der neuen Version analoge Synthesizer und einen satten Beat im Herzschlagrhythmus. Was bleibt ist der düstere Gesang Sartains, die Lyrics, sowie die bedrohliche Atmosphäre. Um für weitere Verwirrung zu sorgen sei noch erwähnt, dass es auf der 2010 erschienen Platte "Dan Sartains Lives" ebenfalls einen Song namens "Walk Among the Cobras" gibt, allerdings mit dem Zusatz "Part IV", und auch dieser Song hat mit "Part I." und der jetzigen Version nichts zu tun.




"Cabrini Green" ist eine neue Nummer, bei der die Keys schummrig zu einem minimalistischen Beat wie Wackelpudding wabbern. Das Instrumentalstück erinnert an Soundtracks zu Filmen aus den 80er Jahren von John Carpenter.

Um die Referenzen für dieses Album ganz deutlich offenzulegen covert Dan anschließend Alan Vegas "Wipeout Beat". Leider entschließt sich Dan die schneidenden Gitarren aus dem Original zu verbannen, dafür legt er den Beat noch tiefer. Das Original ist besser, weil aggressiver, aber trotzdem hat das Cover seine Berechtigung, denn auch die von Sartain durchgeführte klarere Strukturierung des Songs hat ihren speziellen Reiz.

Eine deutliche Temposteigerung erfährt das Album bei "Black Party". Rasant hektischer ElectroPop, mit leicht paranoiden Flipperautomaten-Sound, der an frühe Stücke von The Human League ("Reproduction") erinnert. Auch der nächste Song "Sinking In The Shallow End" trägt den gleichen Stallgeruch, das Tempo ist aber wieder deutlich heruntergeschraubt, dafür ist die Hookline verdammt catchy - trotz einiger Suicide-Gedächtnis-Schreie ;-).



Ein echter Geniestreich ist "First Blood", der einzige Song mit Gitarren. Zum blubbernden Beat, Handclaps und elektronischem Gefiepse gesellen sich Gitarrensoli die man aus schrecklichen Rocknummern aus den 80ern kennt. Wahnsinnig großartig!

Lupenreinen OldSchool-SynthiPop tischt Dan bei der hymnischen Ballade "Do You Hear My Voice" auf. Eingängige Nummer, aber es fehlt irgendwie der Kniff um mich wirklich zu begeistern. Das gelingt ihm beim perniziösen "Feigning Ignorance", das wie schon "Cabrini Green" auch als Filmsoundtrack funktionieren könnte, wieder deutlich besser.

"Century Plaza" ist sicher ein Album, mit dem nicht allen Sartain-Fans etwas anfangen können, denn zu weit entfernt sich der Mann aus Alabama von seinen RockabillyBluesRock-Wurzeln, aber als mit diesen Sounds Großgewordener macht mir persönlich der dunkle Ritt durch die 80er jede Menge Spaß.

Tracklist:
01 Walk Among The Cobras
02 Cabrini Green
03 Wipeout Beat
04 Black Party
05 Sinking In The Shallow End
06 First Bloods
07 Do You Hear My Voice
08 Feigning Ignorance

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