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Dienstag, 3. Februar 2015

NEW SONGS Vol. 81: BJÖRK ... JPNSGRLS ... INDIANA ... FAERGROUND ACCIDENTS

BJÖRK / Vulnicura [LP] ... JPNSGRLS / Smalls ... INDIANA / No Romeo [LP] ... FAERGROUND ACCIDENTS / She makes me want to die

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BJÖRK / Vulnicura [LP]


An der isländischen ArtPopFee scheiden sich ja schon immer die Geister, der eine findet ihre Musik von erhabener Schönheit, der andere kriegt beim ersten Ton aus ihrer Kehle einen Würgereiz. Auf niemanden trifft die Aussage, man liebt oder hasst sie, also besser zu. Ich liebe BJÖRK bereits seit Ewigkeiten. Ich liebe ihre Platten mit den Sugarcubes (leider waren es viel zu wenige), folgte ihr auf Jazzpfaden bei Gling-Gló (1990), den Dancefloor bei "Debut" (1993) und durch alle elektronischen Plings und Plongs bis hin ins App-Wunderland von Biophilia (2011).

Als Gesamtkunstwerk (Erscheinungsbild, mediale Auftritte, etc.) ist Björk weiterhin mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ zu versehen, aber es wird Zeit, dass die Isländerin wieder neue musikalische Pfade betritt. Nicht falsch verstehen, "Vulnicura"  hat die typische ätherische und ästhetische Strahlkraft, die Björk seit Post (1995) auf all ihren Werken verströmt, aber - zumindest bei mir - treten langsam aber sicher Abnutzungserscheinungen hervor. Zu oft greift sie auf die mittlerweile altbekannten Songstrukturen zu: Minimalistische Beats, orchestrale Instrumentierung und ihre unverkennbare Stimme. Es gibt doch noch so viel zu entdecken liebste Isländerin! Wie wäre es mit Bassmusik, Dub, Reggae, Country oder von mir aus darfst du auch gerne wieder die Gitarre als Instrument entdecken.

Neu ist allerdings, dass Björk, die sich nach langen Jahren mit ihrem Lebensgefährten (Matthew Barney) entzweite, mit "Vulnicura" so etwas wie ein Trennungsalbum vorlegt. Auf dem Cover zeigt sie sich als madonnenartiges Wesen in Latex gekleidet mit einer klaffenden Wund in der Brust, die sicher nicht unfreiwillig an eine Vagina erinnert. Also sogar Björk, das scheinbar astrale Wesen, bekämpft wie tausende Musiker vor ihr, den Schmerz im Herzen mit dem Allheilmittel Musik. Bitter, dass ausgerechnet dieses wahrscheinlich emotionalste Album schon lange vor der geplanten Veröffentlichung (CD und Vinyl sollte ursprünglich erst im März erscheinen, jetzt spekuliert man über eine Veröffentlichung Ende Februar) einem Vertrauensbruch anheim fiel und im Netz sich natürlich rasant verbreitet, so dass Björk nichts anderes übrig blieb, als die digitale Version ebenfalls als Download ab sofort anzubieten.

And what about the music? Die bevorzugten Instrumente zur Schmerzbekämfung im Björk'schen Kosmos sind neben ihrer Stimme die Streichinstrumente. Streicherscharen überfluten den Zuhörer bereits beim hinreisenden Album-Opener "Stonemilker", anschließend taucht Björk über 10 Minuten in einen tiefen dunklen See ("Black Lake") und beklagt den Tod ihrer Familie ("Family"). Sind die ersten drei Lieder des Albums noch der direkten Verzweiflung nach der Trennung geschuldet, beginnt mit "Family" eine Art Anklage, die sich dann von Song zu Song verflüchtigt und wieder der Hoffnung Raum gibt. Besonders der sehr minimalisitisch beginnende Song "Atom Dance" ist in seiner 8 minutenlangen Metamorphose außergewöhnlich. Nach etwas mehr als dreieinhalb Minuten gesellt sich plötzlich die Stimme von Antony Hegarty zu Björks Gesang und nahe der 5-Minutengrenze dominieren plötzlich die Beats ehe sich die Streicher zurückkämpfen.

Ein gelungenes Abschlussalbum, das hoffentlich als Vorreiter für ein kommendes Album fungiert, welches eine neue Björk-Ära einleitet - wäre für Musiker ja auch nicht so ungewöhnlich ;-).



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JPNSGRLS / Smalls

Vorsicht bei der Suche nach einem Bandnamen sollte im Google-Zeitalter eigentlich schon seit geraumer Zeit gelten, aber nichtsdestotrotz wählten ein paar mutige junge Kanadier 2010 "Japanese Girls" als ihren Bandnamen. Unter Marketinggesichtspunkten natürlich ein Fiasko. So sah man sich letztendlich gezwungen Gegenmaßnahmen zu ergreifen, um in der Welt der Suchmaschinen präsent zu sein, man entledigte sich der Vokale und nannte sich fortan nur noch JPNGRLS.

Nach der EP "The Sharkweek" (2013) ist "Circulationdas Debütalbum der Kanadier. 12 Tracks mit punkigem IndieRock, die nach Garage riechen und nicht an fetten eingängigen Hooks geizen, hervorragend gemastert von Greg Calbi, der bereits Tame Impala und MGMT den perfekten Sound verpasste und produziert von Steve Bays, der sich schon mit Hot Hot Heat Lorbeeren verdiente..

Die erste Single "Smalls" ist feinster IndieRock, der dank Rhythmik und der Stimme von Sänger Charlie Kerr an die Arctic Monkeys erinnert. Thematisiert wird ein altbekanntes Thema des Rock 'n' Roll: Drogen - von der Euphorie bis zur Selbststörung. In diesem Sinn Rock on Canadian Boys und Finger weg von den bösen Sachen!


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INDIANA / No Romeo [LP]

Schwer einzuordnen dieses sehr wandlungsfähige Wesen namens INDIANA. Entweder die Dame weiß noch nicht wirklich, was sie eigentlich will oder aber sie lässt sich nicht gerne festlegen - ich tendiere aber eher zu Ersterem.

Nach je zwei Singleveröffentlichungen in den Jahren 2012 bis 2014 steht nun ihr Debütalbum "No Romeo" in den Regalen, auf welches es erstaunlicherweise die beste Single "Smokin Gun" nur auf die Deluxe-Version geschafft hat. Die erfolgreichste Single "Solo Dancing" schaffte es in den UK in den Charts immerhin bis Platz 14 und ist natürlich zu Recht auf dem regulären Longplayer vertreten.

Damit man die Diskrepanzen besser verstehen kann, versuche ich es mal mit einem Rundumschlag an Name-Dropping, um zu verdeutlichen, was einen auf "No Romeo" alles erwartet: The XX meets Lana Del Rey meets Dillon meets Moloko meets La Roux meets Yazoo meets Ellie Goulding meets Blondie meets ...

Damit sollte das Problem von Indiana ausreichend spezifiziert sein ... und trotzdem macht mir das Album z. Zeit ziemlich viel Freude ;-).








Indiana - Only The Lonely from Burning Reel on Vimeo.

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FAERGROUND ACCIDENTS / She makes me want to die

Pulp is back???? Oder hat Suede es doch wieder in die Spur geschafft? Nicht wenigen dürften solche Gedanken sofort in den Sinn kommen, wenn sie die Stimme von FAERGROUND ACCIDENTS Sänger Bomar Faery bei "She makes me want to die" erstmalig hören.

Natürlich ist der Sound streng genommen alter Käse, kalter Kaffee und alles andere als Up-to-Date, aber wer früher einmal sein Herz an den noch jungen BritPop verloren hatte - und das waren ja nicht Wenige - der dürfte die Band, die sich 2012 in Manchester gründete und kurzfristig vor dem Aus stand, als Sänger Feary in die Psychartrie [Louder Than War Records-Gründer John Robb summed him up as being "borderline psychotic and quite definitely genius!"] eingeliefert wurde, schnell ins Herz schließen.


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