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Freitag, 2. Oktober 2015

NEW SONGS Vol. 109: THE DEAD WEATHER ... THE ARCS ... FIDLAR ... EAGLES OF DEATH METAL

THE DEAD WEATHER / Dodge and Burn [LP] ... THE ARCS / Yours, Dreamily, [LP] ... FIDLAR / Too [LP] ... EAGLES OF DEATH METAL / Zipper Down [LP]

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THE DEAD WEATHER / Dodge and Burn [LP]


Da ist es nun also das komplette dritte Album von THE DEAD WEATHER, auf welches wir bereits mit einigen Vorveröffentlichungen auf 7-Inch-Vinyl im Laufe des Jahres gierig gemacht wurden.

Neben den bereits bekannten Songs "Open Up (That's Enough)", "Rough Detective", "Buzzkill(er)" und "It's Just Too Bad" gibt es jetzt einschließlich der aktuellen 7-Inch-Vinyl "I Feel Love (Every Million Miles)" acht neue Stücke, produziert vom Retter des Vinyls Jack White.


I Feel Love (Every Million Miles) von The Dead Weather auf tape.tv.

Es sind wirklich schon fünf Jahre seit dem Vorgängeralbum ins Land gegangen - was natürlich nicht bedeutet, dass BluesRock-Ikone und Workoholic White die Beine hochgelegt hätte - aber jetzt ist es wieder Zeit, sich dem wilden Gitarrensturmtief von Alison Mosshart, Dean Fertita, Jack Lawrence und Jack entgegenzustellen.



Ach, macht das wieder Spaß durch diese schmutzigen, unglaublich fetten Gitarren zu torkeln, das Schlagzeug zu spüren, das mit schierer Urgewalt vermöbelt wird, und fasziniert der für diesen Sound perfekten Stimme von Alison Mosshart zu lauschen. Man kann wirklich nicht feststellen, welcher Song einen am meisten mitreißt, aber in einem Sturmtief lässt es sich ja auch schwierig ausmachen, durch welchen Tropfen man letztendlich triefnass geworden ist.

Also noch mal ganz explizit, es gibt kein einziges laues Lüftchen auf diesem Album, auch nicht die Nach-dem-Sturm-Ballade "Impossible Winner",  aber es gibt eine Böe, die markanter und stärker ist, als alle anderen Windstöße: "Three Dollar Hat" - der dreckigste Hybrid zwischen Beastie Boys und White Stripes, der je das Licht der Welt erblickte! Jack schlägt Sie ALLE!



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THE ARCS / Yours, Dreamily, [LP]

Nachdem das letzte Black Keys-Album "Turn Blue" aus dem Jahr 2014 viel zu überproduziert und glattgebügelt war, hat wohl auch Dan Auerbach die Alarmglocken läuten hören, denn mit seinem neuen Nebenprojekt THE ARCS geht Auerbach nicht nur einen, sondern gleich mehrere Schritte zurück - und das ist gut so!"Yours, Dreamily," klingt in erster Linie unglaublich relaxt und verdammt groovy. Auerbach hat den BluesRock der wilden ersten Black Keys-Alben mit einer ordentlichen Dosis Soul bestückt, das gelang schon einmal sehr eindrucksvoll bei der genialen Coverversion von "Never gonna give you ab" von Jerry Bulter aus dem Jahr 1968, und sich wieder mehr auf das Songwriting und weniger die perfekte Produktion konzentriert.




In einem Interview mit dem Rolling Stone äußerte Auerbach sich zu den Inspirationsquellen für das Side-Projekt:

"With the Arcs, we were just trying to make music that lives up to the kinds of standards that we love: old soul records, Captain Beefheart, newer hip-hop records. The songs are really experimental, but not over your head. I hate when people try to be so obviously out there."

Dem kann ich nur hinzufügen, dass es NIE verkehrt ist, Dinge zu tun, die man liebt, im Falle von The Arcs hat sich die Liebe besonders gelohnt bei:

"Outta my Mind": Der Album-Opener (nach dem Intro) setzt die Maßstäbe, die das gesamte Album spielend halten kann. Songwriting mit einer Hook, die sich sofort für immer im Ohr festsetzt.

"Put A Flower In Your Pocket": Nutzt exakt die selben Zutaten wie das einstige Jerry Butler-Cover. Funktioniert bei mir aber trotzdem auf Anhieb wieder ;-)



"Stay in my Corner":  Mehr Soul als Blues, aber der erste Auerbach Song, zu dem man kuscheln und fummlen kann, ohne den in guter Musik wenig geübten Partner (soll es ja geben ;-)) zu verschrecken.
"Cold Companion": Cooler Groove mit lässiger Gitarre. Für den frühmorgentlichen Nachhauseweg mit nicht mehr ganz klarem Kopf vorzüglich geeignet.



"Velvet Ditch": Welcome to the groovy Sixities am Mississippi. Mit Bläsern, Twang und allem, was einen Hit ausmacht.

"Chains of Love": Wären da nicht die Gitarren und die Stimme, könnte man aus der Komposition durchaus einen alten Motown-Klassiker faken.

"Come go": Der experimentellste Song des Albums. Wie eine Soundcollage aus einem uralten schwarz-weiß Science Fiction-Streifen und einem Noir-Krimi.

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FIDLAR / Too [LP]

Es wird wieder laut, denn neben The Dead Weather haben auch die trotz bestmöglichen Lärms immer auf Melodien fixierten Garage-SkatePunk-Rocker FIDLAR, man verzeihe den postpubertären Ausbruch, ein saugeiles zweites Album vorgelegt.

Das selbstbetitelte Debüt von 2013 schaffte es in meinen Jahrescharts 2013 schon auf Rang 33, aber mit "Too" ist es durchaus möglich, dass die Jungs aus L.A. dieses Jahr noch 'ne Schippe drauflegen.



"Too" zeigt auf 12 Songs noch mehr Facetten als der Vorgänger. Der Opener "400z On Repeat" ist eine hochenergetische Nummer aus GarageRock und Punk mit herrlich raffinierten Tempowechseln und Gimmicks, die den immerhin fast vier Minuten langen Song wie Flug vergehen lassen. "Punks" brettert ungestüm wie einst Rage Against the Machines "Killing in the Name", packt dann aber eine Schweineorgel dazu und bei "Why Generation" klingen Melodie und Gitarre in den Strophen nach XTC.



"Sober" klingt am Anfang durchgeknallt wie Devo und wird dann zur punkigen Mitgröhl-Hymne, bei der die Kronkorken wahrscheinlich zu Tausenden von den Flaschen springen. "Leave me alone" setzt auf ein sauberes Riff, eine hitverdächtige Hook und Gitarren à la Jack White.


FIDLAR - Leave Me Alone from Ryan Baxley on Vimeo.

"Drone" schließlich lässt den animalischen wilden Rock 'n' Roll der Ramones aufleben, wirft aber zwischendrin mit abgewichsten Solis um sich. Danach kurze Verschnaufpause mit dem bluesigen "Overdose", ehe das Schlagzeug und die sägende Gitarre bei "Hey Johnny" sich scheinbar in psychedelic Rock-Gefilden verlieren. "Stupid Decisions" ist bis auf kleine brachiale Ausbrüche eine lupenreine Rocknummer für College-Radiostationen, "Bad Medicine" klingt nach Riot Grrrl und die letzte Albumnummer "Bad Habits" beginnt wie eine verhuschte Folkballade, bei der man aber unterschwellig weiß, dass der Ausbruch kommen muss.

Feines Ding meine Herren, nur schade, dass mit "West Coast" einer der langweiligsten Songs visuelle Unterstützung erfuhr:



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EAGLES OF DEATH METAL / Zipper Down [LP]

Let's Boogie! Jesse "The Devil" Hughes und Josh Homme breiten, sieben Jahre nach der letzten Platte, ihre Schwingen zum vierten Mal aus, um den Adler wie Phoenix auferstehen zu lassen.

Allerdings hat sich in den sieben Jahren Käfighaltung nicht viel getan. Das Konzept baut noch immer auf Blues, Boogie und klassischem StonerRock und selbst vor dem Recycling von Material, welches unter anderem Künstlernamen bereist 2011 veröffentlicht wurde, scheuen die Raubvögel nicht zurück.

Wenn man dem Alten etwas Neues abgewinnen kann, wäre das ja eine feine Sache, aber wirklich groß ist der Unterschied zwischen "Complexity" von Boots Electric (Soloprojekt von Jesse Hughes) und "Complexity" von Eodm leider nicht ausgefallen.





Auch mit gänzlich fremden Federn "Save a Prayer" von Duran Duran schmücken sich die EAGLES OF DEATH METAL. Das Original finde ich schon bedenklich, aber die Coverversion ist leider nichts als ein Häufchen Vogelkacke - wenn auch vom König der Vögel.

Zu den "neuen" Songs: Ja, die Lyrics sind immer noch kurios und die Band zelebriert weiter die hohe Kunst der Persiflage, aber da überzeugte mich das 2011er Album "Conditions of my Parole" von Puscifer in dieser Hinsicht deutlich mehr. Und auch in puncto Songwriting können die Adler mich mit ihrem neuesten Werk nicht überzeugen. Song für Song klingt wie tausendmal gehört, mal nach T. Rex, mal nach den schlimmen Status Quo, mal nach Zappa, mal nach Doors und und und. Natürlich immer schön mit Riffs garniert, aber leider eben auch sehr einfallslos.

Letztendlich ist "Complexity" der mit Abstand stärkste Song auf "Zipper Down", neben dem mich lediglich der "Skin-Tight Boogie" und "Oh Girl" erwärmen können.

Es kann natürlich ALLES ganz anders sein, wenn man statt einem klaren Kopf am hellen Nachmittag eine stattliche Anzahl Bier abgearbeitet hat und eine (kopflose) Dame zu vorgerückter Stunde im schwarzen Leder-Outfit zur Musik mit den Hüften wackelt. Ach Schluss jetzt - frauenfeindliche Scheiße dieses wildes Rock-n-Roll Getue ;-)
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