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Samstag, 25. Juli 2015

SAMANTHA CRAIN / Under Branch & Thorn & Tree

Niemand kann zur Zeit so schön Trübsal blasen wie SAMANTHA CRAIN! Ihre Folk-Balladen bestechen durch fragile Arrangements, die aus allen Noten tieftraurig triefen.

Wer sich also zur Zeit in einem angeschlagenen Allgemeinzustand befindet, sollte das neue Werk "Under Branch & Thorn & Tree" der indianischen Singer/Songwriterin aus Oklahoma nicht ohne eine Packung Taschentücher oder entsprechende Stimmungsaufheller konsumieren.

Als Freund von musikalischen "Trauerklößen" wie Scott Matthew, Laura Marling oder Joni Mitchell wird man das vierte Album der Amerikanerin allerdings feiern wie das Tränenmeer im Kino bei einem Film von Jojo Moyes.

Mit ihrem bis dato bestem Album "Kid Face" (2013) hat die 28-Jährige ganz zu sich gefunden und erstmals viel über sich preisgegeben. Auf "Under Branch & Thorn & Tree" gibt sie nun den stillen Beobachter der amerikanischen Working-Class. Ihre Songs erzählen von prägnanten Momentaufnahmen aus ihrer Umgebung, die sie aber fast ausschließlich in Ich-Form präsentiert. Wie viel Autobiographisches in diesem Album wirklich steckt, kann man nur vermuten.

In musikalischer Hinsicht bleibt Samantha bei dem, was sie kann: Traditionelle Folksongs, die nicht unbedingt durch das Songwriting, sondern vielmehr durch die Arrangements und natürlich durch diese seltsam rauchige und brüchige Stimme (und die Texte) so glaubwürdig und echt klingen, dass man, wäre sie eine Gebrauchtwagenhändlerin, ihr für jeden Preis jeden Wagen abkaufen würde.

01. "Killer": Seltsam flirrender Protestsong gegen die potentiellen Zerstörer dieser Welt.

"Well I’m here, I’m singing a song. Killer of souls, killer of rights, you are wrong. You made us strangers in our very own homes."

02. "Kathleen": Ein ungewöhnliches Liebeslied an die beste Freundin (wie man im darauffolgenden Lied erfährt).

"The colors of the night. The darkness around the light. Its so like her."

03. "Elk City": Kleine tragische Geschichte über ein hoffentlich nicht zu mustergültiges Leben einer jungen Frau in einer amerikanischen Kleinstadt.

"I almost moved to Dallas with my best friend Kathleen. But I met a guy at the Longhorn. He said he could fix my washing machine. How’s tomorrow night? Yeah tomorrow night. Well that night turned into 9 months. Sitting on my ass. Waiting for a baby. My first and my last ..."



04. "Outside The Pale":  Mit jede Menge Streicher gegen das Establishment ... und einem schönen Seitenhieb gegen das TV.

"All you see is sex and property, when we run this damn machine. Holding all the riches but it still feels like a dream."





05. "You Or Mystery": Über den frühen Tod eines Nachbarn, den man nicht wirklich kannte und der trotzdem sehr nachdenklich macht.

"He seemed like a sad man and he slammed all the doors. Never drew up his curtains. He was small and pale on the porch."

06. "When You Come Back": Schrecklicher Liebeskummer!

"When you come back could you bring my heart? Its kinda hard livin since you took it so far. Hope you kept it whole and in your arms. When you come back could you bring my heart?"



07. "Big Rock": Die Nummer, die etwas aus dem Rahmen fällt. Fröhlicher, fast schon glückseliger, CountryPop, der in etwa so klingt wie die besseren Stücke von Sheryl Crow. Thematisch geht es um Einsamkeit und dem Festsitzen in Gewohnheiten.

"Stuck in between floors on the elevator. Stuck in a box with my worries so tall. How do I smile when my ride going up has stalled? I’m stuck in a box while they’re all on the job."

08. "All In": Ist Zweifel genug?

"The way that we both are ugly In florescent light. More dead, more put down and under han some with rabid bite. We do what we can. Thought I had more than that"

09. "If I Had A Dollar": Und wieder geht es um Einsamkeit und Ängste.

"Yeah I got myself set up real nice. Crazy what money can buy. All these new friends that I got. Always want me high. I could buy myself a house . I could get myself a car. Have all the tea in china  Smoke the best cuban cigars."



10. "Moving Day": Ach, immer diese tragischen zwischenmenschlichen Beziehungen.

"My eyes found your eyes in the back yard. Moving plants, moving hearts. Seems I thought I saw you smile but it ran off with the memory and died. You're all I want. You're all I want."

Fazit: Wer handgemachte Songs mag und findet, Computer haben in der Musik nichts verloren, der wird an Samantha Crains neuestem Werk nichts zu mäkeln finden. Und wer einfach nur gerne Songs mag, die vor Emotionalität überborden, der auch ;-)

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