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Freitag, 25. September 2015

NEW SONGS Vol. 108: LAURA CARBONE ... LANA DEL REY ... DARWIN DEEZ ... FABIAN


LAURA CARBONE / Sirens [LP]
... LANA DEL REY / Honeymoon [LP] ... DARWIN DEEZ / Double Down [LP] ... FABIAN / Fabian [LP]

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LAURA CARBONE / Sirens [LP]


Ganz unbedarft hörte ich als erstes von LAURA CARBONE auf einer Videoplattform im Netz den Song "Exes". Feine Nummer mit Spieluhr-Ohrwurm-Refrain, die klingt als hätte die kleine Schwester von Eels-Mastermind Mark Oliver Everett die neuen Folgen für Twin Peaks in Töne gekleidet.

Dann habe ich im Netz nach besagter Dame gegoogelt und wurde mit Informationen kübelweise übergossen. Modebloggerin, weiblicher Part des DeutschElectro-Pop-Punk-Duos Deine Jugend - dem ich nur sehr wenig abgewinnen kann - und nun also über Crowdfunding ein komplett finanziertes Album namens "Sirens".



Das Album ist interessant, aber auch wenig stringent und zeigt damit wohl auch, dass Frau Carbone immer noch auf der Suche nach ihrem eigenen Ding ist. Das Cover des Albums setzt mit einer nostalgisch anmutenden SW-Fotografie, Carbone vor Kreuz, ein ziemlich düsteres Bild, das an den Inhalt natürlich entsprechende Erwartungen knüpft. Aber auch wenn einen beim Anhören, vor allem durch die Bassläufe, ziemlich viele New Wave-Bands aus den 80ern in den Sinn kommen, scheint doch auch fast immer etwas Sonne durch die Düsternis.

Sehr eigenständig ist das noch nicht immer, aber dass der Weg der richtige sein könnte, zeigen Songs wie "Silky Road", der Blondie-The Cure-Hybrid "Swans", das schön rotzige noisige "Plan of Attack" mit dem Plastic Bertrand-Gedächtnispart und natürlich bereits das erwähnte "Exes".

Schon gut, aber ausbaufähig sind das flotte, aber irgendwie beliebige "Innocent", das mit feinen Electro-Beats garnierte "Stigmatized", das dramatische, aber nicht richtig explodierende "Heavy Heavy", das bluesig wummernde "Blue Birds Fly" und der das Tanzbein aktivierende fröhliche (!) Uptempo-Song "Late Night Conversations"

Streichkandidaten in meinen Ohren sind "Drive by Shooting", bei dem Carbone einfach zu viel will und das schrammelige, aber zu wenig originelle "Favorite Desease".

Ach und ehe ich es vergesse: Die Stimme ist GROSS!



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LANA DEL REY / Honeymoon [LP]

"Honeymoon" ist sicherlich nicht das abwechslungsreichste Album, welches LANA DEL REY bisher veröffentlicht hat, aber es definiert einen neuen Standard in der Popmusik: SuperSlowMotion-DramaPop. Dem Songwriting gilt dieses Mal eindeutig nicht das Augenmerk, dazu setzt Lana zu oft auf "Nummer sicher", aber die Instrumentierung und die Arrangements sind im wahrsten Sinne großes Kino. Der Breitwandsound der Betörenden mit dem Noir-Look lädt unweigerlich zum Sterben in Schönheit ein.

Der Album-Opener "Honeymoon" fragt mich in Geigen badend, ob ich sie auch will - ja ich will. Was für ein theatralischer überzuckter famoser Einstieg in ein Album. Normalsterbliche würden sich vielleicht trauen diesen Song am Ende eines Albums zum Ausklang zu platzieren, aber Lana überzieht den Zuhörer von Anfang bis Ende mit einem Zuckerguß.



Auch "Music To Watch Boys To" behält das Superzeitlupen-Tempo bei. Im Background spielt leise eine Flöte, während Lana ihren unnachahmlichen Gesangsstil zwischen Hauchen, Flüstern und Wispern perfektioniert. Die nächsten Songs, "Terrence Loves You" und "God Knows I Tried", bleiben im Schema, rücken aber Del Reys Stimme noch mehr in den Fokus. Sehr spärliche, aber sehr fein akzentuierte Instrumentierung.

Der bereits bekannte Song "High by the Beach" wird wieder etwas mehr im Breitwandformat angelegt und es gibt tatsächlich erste richtige elektronische Beats. Der Beat bleibt auch bei "Freak", allerdings wird er deutlich verlangsamt, nur temporär abgerufen und in tiefere Bassregionen gesteuert. Fände es sehr interessant, wenn sich Lana mal mit einem echten Dubstep-Artist zusammentun würde.




"Art Deco" heißt die nächste Songvariation. Die Songs ähneln sich wirklich stark, so stark, dass mir sogar das Album "Slave to the Rhythm" von Grace Jones in den Sinn kommt, welches auf einer Grundmelodie basiert, die in unterschiedlichsten Versionen immer wieder kehrt. Der Vergleich passt noch besser, wenn man das -Soundschnipsel-Intermezzo "Burnt Norton" hört, bei dem Lana Textzeilen von T. S. Eliot zitiert.

Nach dem mit dezenten Countryanleihen verzierten "Religion" kommt mit "Salvatore" ein echtes Highlight des Albums. Der Song entfaltet sich in großzügiger Langsamkeit in seinem Refrain zu einer Art modernen Pop-Opern-Arie, da passt es vorzüglich, dass Lana zwischen englischen und italienischen Lyrics wechselt.

Die süße Hypnose geht sinnedämpfend weiter mit "Blackest Day". Deeper, deeper! "24" beweist, wer die richtige Wahl für den nächsten Bond-Song gewesen wäre. Ich bin mir ganz sicher, dass wenn die richtigen Leute diesen Song hören, der nächste Bond nicht ohne Sounduntermalung von Madame Del Rey auskommt.

Der vorletzte Song lässt mich schmunzeln, denn mit "Swan Song" schafft es Lana del Rey auch endlich in meine beliebte Liste an Vögelliedern ;-). Schön wäre es gewesen, wenn dieses Lied das letzte Lied gewesen wäre, denn dann hätte ich überhaupt nichts zu motzen gehabt. Leider aber kommt als Rausschmeißer die x-te Coverversion von "Don't Let Me Be Missunderstood" und leider ist es keine der besseren.

Fazit: Es ist sicher auch von der aktuellen Verfassung des Hörers abhängig, ob er sich in dieses klebrige Zuckerbad aus Molltönen begibt - sonst kann es schnell etwas monoton wirken - aber wer erstmal am süßen Saft geschleckt hat, der wird diesem Album auf Dauer nicht widerstehen können. Zu süß, zu betörend, zu unwiderstehlich. Lana ist die aus dem Olymp zurückgekehrte Aphrodite! Schnitze jetzt in meinem Apfelbaum im Garten ein Herz mit "Lana & Ö".

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DARWIN DEEZ / Double Down [LP]

Es gibt nur wenige Künstler, die man nach den ersten Takten erkennt. In der Riege der aktuellen Künstler gehören dazu auf jeden Fall Mac DeMarco und DARWIN DEEZ.  Ersterer hat dieses Jahr mit "Another One" sein Meisterwerk abgeliefert und Letzterer legt nun mit "Double Down" sein drittes Album vor.

Das 2010 erschienene Debüt des Mannes aus New York, mit der Hit-Single "Radar Detector" drehte sich damals auf meinem Plattenspieler von früh bis spät, weil es mit seiner unglaublichen Leichtigkeit einfach immer gute Laune beschwor.  Das 2013 erschienene zweite Album "Songs for imaginative People" knüpfte an die Leichtigkeit des Debüts an, glänzte mit vertrackten Arrangements, hatte aber keine wirklichen Hits an Bord.


Darwin Deez - Kill Your Attitude from Dent de Cuir on Vimeo.

Schon der erste Song auf Album Nummer drei, "Last Cigarette", hat das Zeug zum Hit. Deshalb ist es etwas traurig und unverständlich, dass als visueller Appetitmacher für das Album ausgerechnet "Kill your Attitude", der einzige Song, der schon sehr nach Self-Recycling schmeckt, ausgewählt wurde.



Also nicht abschrecken lassen! Wer auf rumpelnde Beats und griffige Melodien steht, dem wird Darwin mit diesem Album beweisen, dass er mehr drauf hat als sich selbst zu kopieren, selbst wenn er es nicht schafft, mit dem Rauchen aufzuhören ;-).

Anspieltipps für Ohrwurmjäger: "Last Cigarette", "Lover", "Bag of Tricks" (klingt wie Prefab Sprout auf Dope!) und das charmante "The Missing I wanna do".


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FABIAN / Fabian [LP]

Verdammt endlich mal wieder was aufregendes Neues aus deutschen Landen! Die Band nennt sich FABIAN - warum auch immer, sachdienliche Hinweise werden gerne entgegen genommen - stammt aus Leipzig und vermischt auf sehr atmosphärische Weise NewWave und PostRock zu einem dunklen Gebräu.

Sängerin Vitiko Schell singt fast so lieblich, wenn auch mit deutlichem deutschen Akzent, wie die anbetungswürdige Hope Sandoval und scheint mit jeder Menge Kreativität gesegnet zu sein, denn wenn man Tante Google mit ihrem Namen füttert, stößt man auf diese Homepage, die beweist, dass Madam Schell auch vortrefflich mit Pinsel und Farbe umgehen kann.


Anmerkung: Von der EP hat es nur "Brain goes By" auf die LP geschafft

Aber zurück zur Band. Fabian wurde 2013 gegründet und Max Rieger (Die Nerven) hat es sich nicht nehmen lassen, die Band ins Studio zu begleiten, um das voraussichtlich am 3. Oktober erscheinende Debütalbum zu produzieren. Das Quartett bestehend aus Vitiko Schell (Vocals & Lyrics), Jonas Eckhardt (Bass), Max Kraft (Gitarre, Trompete, Keys) und Troben Jäckel am Schlagzeug punktet vor allem durch den Raum, den sie ihren Songs und ihrer Sängerin geben.

Ob laut oder leise, der Sound ist vielschichtig, aber nie überfrachet und liebäugelt trotz aller PostWave-Klangmalereien immer wieder auch gerne mit dem Jazz (bestes Beispiel "Homeboy" und "Impostor"). Und wer zur Hölle behauptet, dass nur Franzosen beim Englischsingen irgendwie bezaubernd klingen!



Tracklist mit Anspieltipps in Fett ;-):
A-Side: "Warscenes" - "Circles Fuse" - "Homeboy" - "Brain goes By" -"In Winter"
B-Side: "Kline" - "Tradition/Work" -"Heimy" - "Impostor"
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