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Montag, 22. Januar 2018

SHAME / Songs Of Praise [Review]

Eigentlich war es nach der Brexit-Kacke auf der seltsamen Insel doch nur eine Frage der Zeit bis wütende Jugendliche ein Punk-Revival lostreten würden, oder? Wäre ja auch eine Schande wenn Bands wie Buzzcocks, Sham 69, The Undertones oder Stiff Little Fingers in Vergessenheit geraten.


Die Helden des angeschlagenen britischen Imperiums kommen aus Süd-London, nennen sich sinnigerweise SHAME und ihr Album ironischerweise "Songs of Praise" (Loblieder).

Der Londoner Süden scheint ein gutes Gedeihklima für subversive Bands zu sein, denn 2011 schlüpfte dort aus dunklen Hinterhöfen bereits die Fat White Family um ihre Wut über die Welt auszukotzen.

Während man bei der  Fat White Family allerdings eher den US Punk als Referenz hervorkramen musste, geben sich Shame very britisch! Nicht nur den UK Punk, sondern auch BritPop ("Angie" - Oasis lassen grüßen) und BritRave ("Friction" - die Happy Mondays lassen grüßen) verwurschteln die Mannen um Sänger Charlie Steen gekonnt in ihrem energiegeladenem Debütalbum.

Die Messe voller Loblieder beginnt mit "Dust On Trial" einem schwer dröhnenden und bedrohlich wirkenden Stück mit apokalyptischer Thematik.

"And what's the point of talking if all your words have been said? When the world can crumble and the soil is red. A land of pure confusion. Known only to the wise. Where satisfaction is devoured, dominated and despised."



Die hektischen Gitarren von "Concrete" erinnern stark an den Sound von DIIV, nur in doppelter Geschwindigkeit gespielt, was sich entscheidend auswirkt, denn so wird daraus kein schwelgerischer DreamPopShoegaze, sondern ein albtraumhafter Ritt durch aktuelle britische Gefühlswelten der jungen Generation.

"One Rizla" ist der Hit, der hoffentlich dazu führt, dass jede Menge junger Menschen aus dem dunklen Labyrinth von gleichgeschalteter RNB und Schlagerkacke herausfinden. Hier wird mit Leib und Seele leidenschaftlich gegrölt und gespielt und all das gezeigt, was alternative Rockmusik gerade heute so unverzichtbar macht. A perfect song in a fucking unperfect world, der den Schulterschluss herstellt! Etwas was RNB, zu dem man vorwiegend mit dem Arsch wackelt, nie schaffen kann!



Zurück in den Düstermodus des Albumopeners geht es bei "The Lick", eine sehr atmosphärische Nummer bei der die fünf Londoner Bürschchen sich doch wahrlich vor Mark E. Smith verbeugen - noch augenscheinlicher sogar bei Song Nummer 6 "Donk".

"Tasteless", "Gold Hole" und "Lampoon" (The Clash lassen grüßen) sind weitere dunkle Gitarrenbretter. Unglaublich mitreisend und mit so verführerisch Textzeilen wie "I like you better when you're not around" und expliziten Lyrics wie "Sweat stains the wrinkles. Tongue touches the hole.His wife's at work and his kids are at school. She feels so dirty, she knows that it's wrong, but she feels so good in Louis Vuitton."



Jason Williamson, eine weitere Schimpfdrossel von der britischen Insel bringt das Geheimnis von Shame, - so zitiert ihn zumindest das Laut-Magazin - in einem einzigen Satz auf den Punk: "Yeah, it's catchy but ultimately bad".

Das Verwirrende ist, dass die fünf Bubis - nicht nur im Clip zu "One Rizla"und auf dem Artwork ihres Albums - dabei ausschauen, als wollten sie die neuen Housemartins werden ;-).

Tracklist:
01 Dust on Trial
02 Concrete
03 One Rizla
04 The Lick
05 Tasteless
06 Donk
07 Gold Hole
08 Friction
09 Lampoon
10 Angie


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