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Montag, 19. Mai 2014

CONOR OBERST / Upside Down Mountain

Der Mann, der diese Art von Musik schon machte, als sie noch als hoffnungslos veraltet galt, in einer Zeit, in der in keinster Weise damit zu rechen war, dass eine Folk/Country-Band aus den Niederlanden mit einem repsektablen Song beim gruseligen Eurovision Song Contest 2014 einen zweiten Platz belegt, meldet sich mit einem nagelneuen Soloalbum zurück.

Die letzte Veröffentlichung (2011) "The People’s Key" mit seinem Bandprojekt Bright Eyes fiel ziemlich poppig aus, aber mit dem neuen, unter eigenem Namen nun brandneu erschienenes Album "Upside Down Mountain", spielt CONOR OBERST wieder konsequenter Folk und Country. Wer aber solch eingängige Melodien zaubern kann wie der Oberst, verlässt natürlich nie ganz die Wege des Pop.

Das Prägnante an allen Soloalben des Singer/Songwriters ist die Wohligkeit, die sich unweigerlich im ganzen Raum ausbreitet, wenn man den warmen Harmonien und feinfühligen Melodien Gehör schenkt. In dieser Hinsicht ist "Upside Down Mountain", sein sechstes Soloalbum, wieder eine gewöhnliche Conor Oberst-Platte geworden. Ungewöhnlich im Vergleich zu vielen anderen Folk-Künstlern ist, dass trotzdem nie Langweile aufkommt, weil Conor es virtuos versteht, Schlenker in seine Kompositionen zu integrieren, die man nicht erwartet und weil er, obwohl er immer einen Masterplan zu verfolgen scheint, nie darin erstarrt.

Ergo, die große Kunst des Mannes aus Nebraska ist die Veränderung im Kleinen. UND ... Niemand lässt die Gitarren schöner weinen als Conor Oberst!

01. "Time Forgot": Luftiger Folk-Song mit in höchsten Tönen jubilierenden Gitarrenklängen.



02. "Zigzagging Toward the Light": Die Reise ins gleisende Licht geht weiter und endet in einem formidablen Gitarrengewitter.



03. "Hundreds of Ways": Folk mit karbischem Flair. Als Soundtrack für einen Tanz mit nacktem Oberkörper und Hula-Hoop-Reifen um ein Lagerfeuer bestens geeignet - wenn man das möchte ;-)



04. "Artifact #1": Minimalistischer Abgesang in Moll, aber nicht ohne Hoffnungsschimmer. Traurig schön!

05."Lonely at the Top": Es geht melancholisch weiter. Ganz sanft. Und wie immer ist die brüchige Stimme von Conor der ideale Partner für eine tragisch weinende Slide-Guitar.

06. "Enola Gay": Wärmender schnörkelloser CountryPop ohne große Spielereien.

07. "Double Life": Mein Song für die nächsten 7000 Grillabende. Einfach phantastisch!



08. "Kick": Folk kann auch rocken - Part I. Und was für eine wunderbare Hookline. Sollte es irgendwann mal eine "Best of" des Oberst geben, dann wird sich "Kick" ganz bestimmt darauf befinden.

09. "Night at Lake Unknown": An diesem See möchte man sich womöglich sogar für immer zur Ruhe betten.



10. "You Are Your Mother's Child": Akustische Nummer mit simpler Melodie und mit viel viel Soul vorgetragen.

11. "Governor's Ball": Folk kann auch rocken - Part II. Der beste Song des Albums meint der Musikexpress, kommt bei mir aber an "Double Life" nicht vorbei.

12. "Desert Island Questionnaire": Klingen die ersten Takte wie durch einen Nebelschleier, bricht dann langsam, ganz langsam, gleisend Sonnenschein durch.

13. "Common Knowledge": Ähnlich wie "You Are Your Mother's Child", aber mit säuselnden Klängen im Background, so eine Art SpaceFolk.

Fazit: Zeitloses Album, welches bei Folk-Fans sicher das Zeug dazu hat, sich zu einem Klassiker zu mausern. Bleibt noch Tribut zu zollen an die schwedischen Schwestern von First Aid Kit, die sich als Backgroundsängerinen verdient machen und an Jonathan Wilson, der auf einigen Songs sein Gitarrenspiel zusteuert. Well done Folks!

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