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Mittwoch, 28. Februar 2018

QUICK & DIRTY: TYPHOON / Offerings [Review]

Published: 12.01.2018
Label: Roll Cat Records
Genre: IndieRock / ArtRock / ProgRock
Country: Oregon, U.S.A.


Members:
Kyle Morton (lead vocals, piano, guitar), Toby Tanabe (bass, vocals), Dave Hall (guitar, vocals), Shannon Steele (violin, vocals), Pieter Hilton (drums, vocals), Alex Fitch (drums, vocals), Tyler Ferrin (horns, guitar, piano, vocals), Devin Gallagher (percussion, ukulele, vocals)

Ein Album gegen das Vergessen? Ja, aber nicht so wie man vielleicht als Erstes denkt, denn auf dem vierten Album von TYPHOON, den IndieRockern mit künstlerischem Anspruch, geht es nicht um eine Ermahnung sich an etwas Schlimmes zu erinnern, also es nicht zu vergessen, sondern um den persönlichen Verlust sich erinnern zu können!

Das Musikerkollektiv, welches aus Salem stammt, aber mittlerweile in Portland ansässig ist und sich live aus bis zu 12 Musikern speist, erzählt auf "Offerings" die Geschichte eines Mannes, der von Song zu Song seine kostbaren Erinnerungen verliert. Er verzweifelt am Verblassen des Gewesenen, versucht sich an Bruchstücke zu klammern, um nicht zu verlöschen und in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.



Mastermind Kyle Morton lässt seinen tragischen Protagonisten in 14 orchestralen IndieRock-Songs verzweifelt gegen den Verlust seiner Relevanz kämpfen. Der Hörer kann sich gleichermaßen in den 14 ungewöhnlich, teil tieftraurigen, teils dramatischen Arrangements verlieren zwischen sehnsüchtigen Vocals, Geigen, geisterhaften Chorgesängen und/oder klappernden Percussioninstrumenten.



Es ist ein Ritt hinab in die Dunkelheit. Es ist poetisch. Es ist apokalyptisch. Es ist atmosphärisch. Es ist theatralisch. Es ist schemenhaft. Es ist konturiert. Es sind Opfergaben - Offerings.

Aufgeteilt sind die 14 Stücke in die vier Etappen: Floodplains - Flood - Reckoning - Afterparty. Was für Vinylhörer bedeutet, dass sich die vier Etappen auf die vier Seiten des Doppelalbums verteilen. Die leider nur sehr schwierig zu identifizieren sind, denn Text sucht man auf dem Label des Vinyls vergebens, stattdessen ist die Seitenkennung direkt auf dem Vinyl graviert - wer da, bei gedämpften Licht, die richtige Seite auflegt, hat Glück gehabt. Warum man so etwas macht, bleibt mir wohl auf ewig unerklärlich.



Tracklist:
01 Wake
02 Rorschach
03 Empiricist
04 Algernon
05 Unusual
06 Beachtowel
07 Remember
08 Mansion
09 Coverings
10 Chiaroscuro
11 Darker
12 Bergeron
13 Ariadne
14 Sleep

Montag, 26. Februar 2018

TH DA FREAK Made My Day! Thick Head!



 

TH DA FREAK
Homepage: https://thdafreak.bandcamp.com/
From: Bordeaux, France


Höre ich "Bordeaux", denke ich als erstes an einen guten kräftigen Rotwein, zweitens an schöne Urlaube sur mer und drittens an eine Kneipe in der Altstadt dieser französischen Stadt. Diese Assoziationskette gehört der Vergangenheit an! 


TH DA FREAK
kommt nämlich aus Bordeaux und macht so herrlich schrammeligen 90er Jahre Indie à la Dinosaur Jr., der sich dann irgendwie verwurschtelt mit SlackerPop à la Mac DeMarco, dass man das Trio, bestehend aus TH da Freak  aka Thoineau Palis (Gitarre, Vocals, Songwriter), Julien (Schlagzeug), Sylvain (Bass) und Rafael (Gitarre), nie mehr vergisst. Am 16. Februar erschien auf Howlin Banana Records "The Hood", das zweite Album der französischen Freaks. MADE MY DAY!

Sonntag, 25. Februar 2018

ALGIERS live in Cologne

Location: Arttheater, Köln
Date: 23.02.2018

 

Ich habe die Zukunft des Souls gesehen! Sie kommt aus Atlanta und wird von den Hohepriestern Franklin James FisherRyan MahanLee TescheMatt Tong verkündet.

Es ist bereits mein zweites Konzert der ALGIERS und so bin ich gespannt, ob sie mich erneut derart berauschen können, wie sie es im letzten Jahr beim Rolling Stone Weekender Festival taten.

Das arttheater ist ausverkauft und das ist nicht verwunderlich, schließlich waren die Vier im letzten Jahr als Support für Depeche Mode unterwegs und dürften damit ihren Bekanntheitsgrad stark vergrößert haben.

Auf der Bühne hängt ein Banner mit abgebildeter Faust und der Parole "All Power to The People", sodass auch dem letzten Besucher klar sein dürfte, dass hier keine weichgespülte Popmusik serviert wird, sondern eine nicht nur künstlerisch, sondern auch politisch ambitionierte Band die Bühne betreten wird.

Bevor es aber dazu kommt, sei erwähnt, dass es auch eine Vorband gab, an den Namen des Duos bestehend aus einer Frau (Vocals und Keys) und einem Mann (Gitarre) kann ich mich allerdings nicht erinnern, an deren nicht sehr aufregenden düsteren 80er-Jahre SynthiPop dagegen schon.



Die einzige Band, bei der es möglich ist Curtis Mayfield, The Clash und Ministry gleichzeitig als Referenzen zu nennen beginnt das Konzert mit "Cry Of The Martyrs". Zu einem schnellen harten Industrialbeat erklingt die soulige Stimme von Zeremonienmeister Franklin James Fisher. Wie ich es schon beim RS Weekender erlebt habe, ist die Band sofort da. Fisher und Ryan Mahan an den Keys puschen sich gegenseitig, während Lee Tesche an der Gitarre und auch Ex-Bloc Party-Mitglied Matt Tong wie gewohnt die coolen Säue geben.

Es ist - ebenfalls wie gewohnt - sehr laut, aber die Akustik stimmt und als die Band bereits als fünften Song an diesem Abend meinen Song des Jahres 2017 "The Cycle / The Spiral: Time to Go Down Slowly" spielt, weiß ich, dass ich diese Band immer live sehen möchte, wenn sie sich auch nur annähernd irgendwo in meiner Nähe befindet.

Da das Set der Band heute deutlich länger ist als beim komprimierten Weekender-Gig setzt die Band nicht nur auf Highspeed und Power, sondern streut auch immer wieder sehr atmosphärisch dichte und ruhige Stücke wie beispielsweise den Industrial-Gospel-Song "Blood" ein, was aber überhaupt nichts an der unglaublichen Intensität des Live-Erlebnisses ändert.



Es folgen weitere Highlights wie das gewaltige "The Underside of Power" - vielleicht hätte Ministry so geklungen, wenn sie Elvis statt Al Jourgensen als Sänger gehabt hätten - die pulsierende Punknummer "Animals" und der dramatische "Death March", bei der die Bandmitglieder dann nach und nach die Bühne verlassen und somit das Ende des ersten Teils einleiten.



Natürlich will das Publikum mehr und die Algiers lassen sich nicht lange bitte und kehren mit der gefühlvollen Ballade "Hymn for an Average Man" auf die Bühne zurück. Anschließend wird es mit "But She Was Not Flying" wieder etwas lauter, ehe sich die Band mit "Remains" als letzten Song verabschiedet. Ich habe die Zukunft des Souls gehört und gesehen. Danke.