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Montag, 7. November 2016

QUICK & DIRTY: DER RINGER + ISOLATION BERLIN / Ich gehör nur mir allein [EP]

Veröffentlichung: 18.11.2016
Kategorie: IndiePop, Alternative
Country: Berlin, Germany


Der Ringer:
Jonas Schachtschneider, Jakob Hersch, Jannik Schneider, David Schachtschneider, Benito Pflüger

Isolation Berlin:
Tobias Bamborschke (Gesang, Gitarre), Max Bauer (Gitarre, Orgel), David Specht (Bass), Simeon Cöster (Schlagzeug)




Es ist eher selten, dass sich Bands, die miteinander auf Tournee sind, ineinander verlieben. Noch seltener ist, dass dabei etwas Produktives entsteht und noch viel seltener, dass dieses Produkt der Liebe dann auch vorzeigbar ist. Im Falle von DER RINGER + ISOLATION BERLIN darf man sich aber freuen, denn die EP "Ich gehör nur mir allein" ist ziemlich unendlich schön geworden.

Die Staatsakt-Label-Kollegen Stereo Total wollten dieses Jahr bereits zu schön sein, die Band-Kooperation Der Ringer + Isolation Berlin kann darüber nur lachen, denn sie sind bereits zu schön, was der erste Song "Ich bin so unendlich schön" unverständlich klar macht.

Und schön sein ist eine Last! Alle wollen einen berühren! Nie hat man seine Ruhe, singen Jannik Schneider von Der Ringer und Tobias Bamborschke. Nur schauen, nicht anfassen ist die Devise des Songs, der damit ganz wunderbar auf die unanfassbaren Pornoabziehbilder im Netz anspielt.



Das zweite Stück "Wolke/Rekall" ist IndiePop in eine rosafarbene Wolke aus Keyboardklängen verpackt. Nicht Zeit, sondern Melancholie tropft aus der Wolke. Bei "Ein Traum" scheppern die IndieRock-Gitarren, das Schlagzeug stolpert. Ist der Liebeszauber schon am Ende? Alles nur geträumt? Tja, The Angst und die Liebe!

Love ist und bleibt ein Battlefield! Auf diesem blutigen Schlachtfeld haben die Jungs deswegen ein bisschen Field Recording für den Song "M10" betrieben. Sehr gespenstisch, sehr liebevoll und garantiert kein Stück mit Romantik unterfüttert.

Der Abschluss des Liebesrausches findet dann anscheinend im Pub statt. Assoziationen zu "My Friends Don’t Like Me": Bier! Bier! Bier! Und die Frage lebt Shane MacGowan eigentlich noch?

PS: Der Ringer veröffentlichen am 30.01.2017 ihr Debüt-Album bei Staatsakt. Isolation Berlin ziehen sich nach den Dates im Dezember zurück, um ihr zweites Album aufzunehmen. Und für 2017 hoffen wir auch, dass Ja, Panik den Frischlingen im Label wieder zeigen, wo der Barthel den Most holt ;-).

Tracklist:
01 Ich bin so unendlich schön
02 Wolke/Rekall
03 Ein Traum
04 M10
05 My friends don't like me

Donnerstag, 3. November 2016

YOU CAN'T WIN CHARLIE BROWN / Marrow [LP]

Im September 2014 habe ich die portugiesische Band YOU CAN'T WIN CHARLIE BROWN mit ihrem Album "Diffraction/Refraction" vorgestellt und Vergleiche zu Alt-J und Bon Iver gezogen. Auf dem neuen Album "Marrow" greifen diese Vergleiche nicht mehr, denn die Portugiesen setzten nun deutlich mehr flächige, ins Psychedelische driftende, rockigere Sounds ein. Hier und da sind noch elektronische Frickeleien auszumachen, aber kein Vergleich mehr zum vorherigen Album. Das Gute ist, die Band ist keinen Deut schlechter geworden!


Der Album-Opener "Above the Wall" ist der perfekte Einstiegsong. Die höchst rhythmische Nummer beginnt verhalten mit blubberndem Beat, dezenten Hand-Claps und feinem Basslauf, dann setzt die Stimme ein und sobald sich die Gitarren sich immer mehr zu Wort melden, geht die Post richtig ab. Hypnotische Nummer, die live bestimmt gewaltig abräumen wird. Wie wäre es mit einer kleinen Deutschland-Tour?


Ola, das Riff, welches "Linger On" eröffnet, ist richtig knackig und die vielen Wendungen im Song bezeugen erneut die herausragenden Songwriter-Qualitäten der Band. Die Gitarren dürften sich dieses Mal im MathRock-Gefilde austoben und Hand-Claps scheinen ein neues Lieblingswerkzeug der Lissaboner zu sein.

Klassischer AlternativRock mit gewohnt exzellenter Gitarrenarbeit wird bei "Pro Procrastinator" gereicht. Erinnert stellenweise an Band of Horses, traut sich aber zwischendurch auch immer wieder Sperenzchen einzustreuen.

Die besinnlich melancholische Ballade "Mute" ist für YCWCB-Verhältnisse fast etwas zu glatt, aber auf großen Festivals wird der Song sicher dazu führen, dass zahlreiche Feuerzeuge in die Höhe gehen  und Pärchen die Arme um einanderschlingen.

Mit Retro-Computer-Klängen der Marke Kraftwerk beginnt "If I Know You, Like You Know I Do", dann entwickelt sich eine Nummer, die ähnlich wie der Album-Opener auf eine hynotischen Groove setzt. Bisher war es relativ schwer zu den Klängen der Portugiesen zu tanzen, mit "Marrow" lässt sich dies aber jetzt problemlos bewerkstelligen.


Ja, bei "In the Light There Is No Sun" ist der Vergleich zu Bon Iver dann doch wieder präsent. Ein minimalistischer verschleppter Beat, eine akustische Gitarre, flirren im Hintergrund und eine sanfte Stimme - aber nur bis Minute 2:34, dann ändert der Song abrupt seine Gestalt und mäandert durch psychedelische Landschaften.

"Joined By The Head" schlägt wieder in die "Linger on"-Schiene, d. h. zahlreiche Breaks, feine Tempi-Wechsel und rockigere Töne zu einem marschierenden Schlagzeug-Beat.

Streicher und ein verschleppter Blues-Rhythmus machen aus "Frida (La Blonde)" eine Nummer, die man sich wunderbar als Untermalung für einen romantischen Schwarz-Weiß-Film aus glückseeligen Zeiten vorstellen kann. Der Song ist luftig leicht und schwebt förmlich im Raum. YCWCB zeigen eindrucksvoll wie man Tönen Raum gibt!

ProgRock- und Radiohead-Freunde werden bei "Bones" des öfteren die Repeat-Taste drücken müssen. In dramatischer Weise kann man ein Album wohl kaum enden lassen. YOU CAN'T WIN CHARLIE BROWN halten mit "Marrow" spielerisch ihren Status als beste Alternative Band Portugals!

Tracklist:
01 Above the Wall
02 Linger On
03 Pro Procrastinator
04 Mute
05 If I Know You, Like You Know I Do
06 In the Light There Is No Sun
07 Joined By The Head
08 Frida (La Blonde)
09 Bones

Und zur Freude, weil YOUTUBE und die GEMA sich endlich geeinigt haben etwas vom vorherigen Album:




Dienstag, 1. November 2016

NEW SONGS Vol. 138: OH! GUNQUIT / Nomads of the Lost ... DON'T KILL THE OCTOPUS / Adore ... NICK VALENTINI COLLECTIVE / Worms ... ZEITGEIST / Thantos


OH! GUNQUIT / Nomads of the Lost

Auf eines hübsch anzusehenden lindgrünen 7-Inch-Vinyl präsentieren die Rockabilly-TrashPunk-Provokateure von OH! GUNQUIT ihren neuen Song "Nomads o fthe Lost". Die beiden Bekloppten Nord-Londoner Tina Swasey (Gesang/Trompete) & Simon Wild (Gesang/Gitarre) gründeten die mittlerweile fünfköpfige Band 2010 und benannten sie nach einer Künstlerkolonie im US-Staat Maine.

In erster Linie sind  OH! Gunqiut eine Partyband, die einen MashUp aus B-52’s und Cramps servieren, der sicher live die bestmögliche Wirkung entfaltet und der man das ein oder andere zu viel  an "La la la" gerne verzeiht. Aber der knackige Rockabilly-SurfPunk bei  "Nomads of the Lost" schmeckt auch aus der Konserve!





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DON'T KILL THE OCTOPUS / Adore

Willste schmutzigen IndieRock? Dann fahr nach Pinneberg, genauer gesagt nach Wedel, denn dort ist die sich für den Erhalt von Tintenfischen einsetzende Band DON'T KILL THE OCTOPUS Zuhause.

Bei "Adore" machen die Schleswig-Holsteiner schön auf dicke Hose und lassen im mit einfachen Mitteln aufgenommenen, aber durchaus passenden Clip einige Einblicke in ihr Bandleben zu. Kann man machen, wenn man so bodenständig sympathisch rüberkommt wie  Lea K. (Bass & Vocals), Leif von K. (Schlagzeug) und Daniel von H. (Guitar & Vocals) UND wenn man so feine Songs wie "Adore" schreibt!

Aber die kleinen vielbeinigen Freunde werde ich trotzdem weiterhin gerne verzehren ;-).

 


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NICK VALENTINI COLLECTIVE / Worms

Seit knapp 6 Monaten besteht das Kollektiv aus den Mitgliedern Nick Valentini (Sänger, Keyboard), Erik Shibowski (Bass), Hugo Shibowski (Tenorsaxophon), Nate Schwartz (Gitarre), Nicolo Scolieri (Flöte), Nick Velez (Schlagzeug), Gabriel Wheaton (Streichorchester) und Tyler Wennstrom (Keyboard / Schlagzeug). Die Kalifornier experimentieren mit Sounds an der Schnittstelle zwischen Jazz, Pop und ArtRock mit psychedelischen Strömungen. Sollte Thom Yorke mal Jazz für sich entdecken, könnte es in diese Richtung gehen.

"Worms" ist ein Groovemonster mit Breakbeat, fließenden Klavierklängen, tiefen Bässen und der fesselnden geschmeidigen Stimme von Sänger Nick Valentini. Welches im eleganten Clip sehr harmonisch visualisiert wurde. Das Debütalbum  des Oktetts soll noch im Spätherbst dieses Jahres, voraussichtlich am 1. November erscheinen. Infos auf der Homepage des NICK VALENTINI COLLECTIVES.




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ZEITGEIST / Thantos

Nicht nur die Videos von ZEITGEIST und dem N. V. Collective ähneln sich, sondern auch die Schnittstelle Jazz spielt bei beiden Bands eine Rolle. Zeitgeist aber hat mit Pop nichts am Hut, sondern überführt den Jazz ins ProgRock-Lager.

Das Trio aus West Yorkshire, bestehend aus den Herren Aleks Podraza (Keyboards), Sam Quintana (E-Bass) und Tom Higham (Schlagzeug)  nennen ihren Stil etwas überzogen "Terrorjazz", aber soweit würde ich dann doch nicht gehen, denn trotz aller Härte und Wut in "Thantos" setzt man sich diesem Terror, wenn man nicht gerade ein Chart-Radio-Hörer ist, gerne aus.




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