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Sonntag, 27. Dezember 2015

TOP 150 RECORDS OF THE YEAR 2015 (No. 25 bis 1)

DIE ALBEN DES JAHRES 2015 - Part VI.
[Part I.]
[Part II.] [Part III.] [Part IV.] [Part V.]


25
HALF MOON RUN

Sun Leads Me on

Im visuellen künstlerischen Bereich lernt man, wie wichtig der Weißraum für Gestaltung ist, was soviel bedeutet wie, man muss den Elementen auch Raum geben. Die schönste raumgebende Musik, also die perfekteste Einbindung des Weißraums, gelingt Half Moon Run aus Montreal auf ihrem zweiten Album "Sun leads me on - auch wenn es laut wird, aber beieindruckender in den leisen Liedern.

Eleganter IndiePop/Rock mit faszinierenden Feinheiten, die es zu entdecken gilt. Für Fans von den Foals, Arcade Fire oder den Fleet Foxes.
 
 TOP 3 SONGS: The Debt, I can't figure out what's going on, Warmest Regards
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REVIEW
24
JOHN GRANT

Grey Tickles, Black Pressure

Der Herr Grant ist schon ein seltsamer Vogel, der sich einfach nicht in irgendwelche Schubladen stecken lassen will. Bereits auf seinem formidablen zweiten Soloalbum "Pale Green Ghosts" trafen elektronische Musik und Singer/Songwriter-Lieder aufeinander und auch auf "Grey Tickles, Black Pressure" blubbert es auf der einen Seite ("Voodoo Doll", "Black Blizzard", etc.), während er sich auf der anderen Seite akustische Instrumente ("Down Here") zu nutzen macht.

ABER der Schwerpunkt hat sich eindeutig in Richtung Electronic verschoben und Grants Texte deuten darauf hin, dass sich der im Exil lebende Amerikaner mit seiner AIDS-Erkrankung besser arrangiert hat - soweit dies eben möglich ist.

TOP 3 SONGSDisappointing, Guess How I Know, Global Warming ... LISTEN on Homepage
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23
JEANNE ADDED

Be Sensational

Dan Levy von The Dø produzierte das eindrucksvolle Debütalbum "Be Sensational" der französischen Sängerin und Multiinstrumentalistin Jeanne Added. Der zentrale Song des Albums ist "A War is coming", bei dem die in klassischem Gesang und am Cello ausgebildete Künstlerin eindrucksvoll ihre kräftige Stimme mit düsteren minimalistischen elektronischen Klängen und einem gefährlich brummenden Bass verbindet.

Bevor sich die Französin der "dunklen Seite" zuwand, war sie vor allem im Klassik- und Jazzbereich mit Marielle Chatain umtriebig. The Dø-Kennern dürfte diese Dame als Mitmusikerin (Saxophon, Perkussions) von Dan Levy und Olivia Merilahti bekannt sein. Dass Jeanne Added über ausreichend musikalisches Rüstzeug verfügt, steht fest, und dass man an diesem minimalistischen Epos zwischen DarkElectro und PostPunk nicht vorbeikommt ebenso.
 
TOP 3 SONGSWar is coming, Miss it all, Lydia ... LISTEN on Homepage
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REVIEW
22
LANA DEL REY

Honeymoon

"Honeymoon" ist sicherlich nicht das abwechslungsreichste Album, welches die verführerische Lana del Rey bisher veröffentlicht hat, aber es definiert einen neuen Standard in der Popmusik: SuperSlowMotion-DramaPop. Dem Songwriting gilt dieses Mal eindeutig nicht das Augenmerk, dazu setzt Lana zu oft auf "Nummer sicher", aber die Instrumentierung und die Arrangements sind im wahrsten Sinne großes Kino. Der Breitwandsound der Betörenden mit dem Noir-Look lädt unweigerlich zum Sterben in Schönheit ein.

Es ist sicher auch von der aktuellen Verfassung des Hörers abhängig, ob er sich in dieses klebrige Zuckerbad aus Molltönen begibt - sonst kann es schnell etwas monoton wirken - aber wer erstmal am süßen Saft geschleckt hat, der wird diesem Album auf Dauer nicht widerstehen können. Zu süß, zu betörend, zu unwiderstehlich. Lana ist die aus dem Olymp zurückgekehrte Aphrodite! Schnitze jetzt in meinem Apfelbaum im Garten ein Herz mit "Lana & Ö".

TOP 3 SONGSSalvatore, Honeymoon, High by the Beach ... LISTEN on Homepage
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21
LOU DOILLON

Lay Low

Das erste Album ("Places") der Französin mit der exquisiten Abstammungslinie (s. Wikipedia) erschien 2012 und ist seitdem für mich zu einer echten Größe geworden. Besonders an kräfteschöpfenden Sonntagen, wo mein Zustand nahe an einer Leichenstarre grenzt und ich das Sofa nur mit erbittertem Widerstand verlasse, ist mir "Places" ein treuer Begleiter geworden. Weil Doillons Stimme wärmender ist als ein wohlig knisterndes Kaminfeuer, sanfter als ein Kashmirschal auf nackter Haut und kuscheliger als mein Kater im Winter.

Als ich dann im Vorfeld der Veröffentlichung erfuhr, dass das neue Album "Lay Low" in Coproduktion mit Taylor Kirk, dem knurrigen Leadsänger der kanadischen Band Timber Timbre entstehen sollte, fieberte ich dem Release des Albums entgegen wie ein 5-Jähriger dem Gabentisch am Heiligen Abend. Und die Vorfreude wurde nicht enttäuscht: Ein Album wie geschaffen für eine nebelverhangene Nacht im trüben November. Sogar so gut, dass man sich wünschte, dieser ungeliebte Monat würde sich bis zur Ewigkeit strecken.

TOP 3 SONGSAbove my Head, Where to Start, Weekender Baby ... LISTEN on Homepage
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20
SHILPA RAY

Last Year's Savage

Seemannslieder? Klagelieder? BluesRock? PunkRock? CountryPunk? Alles irgendwie zutreffend! Aber, was unumstößlich auf  Shilpa Ray zutrifft, ist, dass die Dame aus New Jersey den Blues hat, den tieftraurigen, den in Dunkelheit versinkenden, egal ob sie in Singer/Songwriter-Manier ("Burning Bride") vorträgt oder wie bei "Johnny Thunders Fantasy Space Camp" zum Harmonium rockt.

Im Vergleich zu den beiden ersten Alben ist Shilpa auf den ersten Höhrgenuss ruhiger geworden, der BluesRock ist nicht mehr ganz so krawallig und die punkige Attitüde ist unter einem Mäntelchen verdeckt, die Stimme nicht mehr ganz so rotzig. ABER auch auf der neuen Platte ist ALLES noch vorhanden, wohl dosiert, fein akzentuiert und das Harmonium ist prägnanter als je zuvor. Es scheint fast so als wäre nach langer vergeblicher Suche endlich das weibliche Äquivalent zu Nick Cave gefunden worden!  

TOP 3 SONGSOh my Northern Soul, Johnny Thunders Fantasy Space Camp, Nocturnal Emissions ... LISTEN on Homepage
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19
THE SLOW SHOW

White Water

In diesem Jahr erschien weder ein neues The National, noch ein neues Elbow-Album, zwar erschien mit "Courting The Squall" ein Soloalbum von Elbow-Sänger Guy Garvey, aber nicht er, sondern The Slow Show aus Manchester mit ihrem Debütalbum "White Water" schloss die Lücke.

Minimalistisch und episch sind eigentlich zwei Adjektive, die sich gegenseitig ausschließen. Genau diese Kombination ist es aber, die das Quintett um Sänger Rob Goodwin, mit einem Bariton gesegnet wie Kurt Wagner von Lambchop, auf ihrem dem Americana verschriebenem Erstling herzerwärmend gelingt. Wer mit Streichern in tiefem Moll baden möchte, wird hier seine Erfüllung finden.

TOP 3 SONGSBloodline, God only knows, Dresden ... LISTEN on Homepage
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18
YAST

My Dreams Did Finally Come True

Es scheint so, als wären nicht nur die Träume von YAST wahr geworden, sondern auch meine Wünsche, dass es einer Band endlich mal gelingen möge, das Rotzige und die Gitarren von Dinosaur Jr mit der atmosphärischen Dichte von Ultra Vivid Scene zu verbinden. Was für ein Wall of Sound! Es ist gelungen und ich bin schlicht hin und weg vom Zweitling der Schweden aus Sandviken, einer Kleinstadt mit etwas mehr als 20 000 Einwohnern.

YAST gelingt es mit "My dreams did finally come true" einen Raum voll aus sphärischen psychedelischen Gitarrenwänden zu erschaffen, in welchem man sich bereits nach dem ersten Song "When you're around" so pudelwohl fühlt, dass man für immer hier einziehen möchte. Ich denke, ich werde wohl die Fenster zumauern, damit mich niemand mehr herausholt. Und Tschüss - Forever euphoric!

TOP 3 SONGSWhen you're around, Freinds, How many ... LISTEN on Homepage
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17
GENGAHR

A Dream Outside

"A Dream Outside" ist ein grandios wunderbares PsychPop-Werk mit verschrobenen Melodien, das es an Vertracktheit mit Foxygen auf der einen und den Foals auf der anderen Seite aufnehmen kann. Songs wie "Bathed in Light", "Powder", "She's a Witch", "Trampoline" und "Fill my Gums with Blood" haben allesamt das Zeug dazu, Klassiker des Genres zu werden und auch die anderen Stücke liegen durchweg über Durchschnittsniveau. Ein wirklich furioses Debütalbum des Londoner Quartetts!

TOP 3 SONGS: Fill my Gums with Blood, Bathed in Light, Powder ... LISTEN on Homepage
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16
NAYTRONIX

Mister Divine

Unter dem Namen Naytronix fabriziert Nate Brenner, seines Zeichen Bandmitglied bei den Tune-Yards, seinen ersten Longplayer namens "Mister Divine", für welches die Zeit vielleicht heute noch gar nicht reif ist. Ist mir persönlich aber Schnuppe, denn mich versetzt das Werk in eine unglaubliche, an Hypnose grenzende Tiefenentpannung und das OHNE mich zu langweilen - was eine echte Kunst ist!

Es gab eine Zeit, da nannte man extrem chillige Musik boshafter Weise Fahrstuhlmusik, passt aber nicht, weil aus diesem Fahrstuhl möchte zumindest ich nicht mehr aussteigen. Paternostermusik?  Passt besser, weil dieses Transportmittel ja auch nonstop in Schleife fährt und dadurch etwas Meditatives an sich hat - genau wie die Musik von Herrn Brenner. Aber Paternoster klingt so altertümlich und das passt nun wieder gar nicht zum fiepsigen ElectronicJazzFolk von Naytronix.

Mmmh, ach überlegt euch doch einfach selber etwas schön Klingendes aus den Bausteinen: Jazz, Electronic, Frickel, ScienceFiction, Paternoster, Dream, Pop, Folk, Groove und Dub. Und dann kauft das kleine Meisterwerk am besten auf Vinyl in limitierter Colored-Edition! Ach ja, und mit "Shadow" gibt es einen Song, der so wunderbar nach Talking Heads klingt, dass man denkt, es hätte eine Reunion der Kultband stattgefunden. 

TOP 3 SONGSShadow, Mister Divine, Back in Time ... LISTEN on Homepage
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15
SLEAFORD MODS

Key Markets

Der Hals ist noch immer dick! Der nächste Schlag in die Fresse beginnt mit hooliganartigen Schlachtrufen beim Song "Live Tonight". Die hochgeschätzten Wutbürger* Sleaford Mods nehmen erneut kein Blatt vor den Mund und prangern wie gehabt zu minimalistischen harten Beats - Respekt an Andrew Robert Lindsay Fearn - die Übel unserer Zeit an: Wirtschaftspolitik, die den einfachen Bürger aus den Augen verliert oder die Orientierungslosigkeit des Einzelnen im Gewirr der 1 000 000 Möglichkeiten.

Wie wichtig diese Band z. Z. ist, zeigt, dass immer mehr Künstler (als Beispiel höre man sich Leftfields neues Album "Alternative Light Source" an oder das letzt PiL-Album) sich am Sound-Style der Sleaford Mods orientieren oder sie sogar ins Boot holen (Prodigy feat. Sleaford Mods). THIS F***ING-TIME IS SLEAFORD-TIME!

*mit den meisten dieser Art möchte ich mich aber nicht solidarisieren.

TOP 3 SONGS: Live Tonight, No Ones Bothered, Tarantula Deadly Cargo 
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14
BALL PARK MUSIC

Puddinghead

"Puddinghead"? Damit bezeichnet man im englischsprachigem Raum jemanden, der absolut nichts auf die Reihe bekommt. Das mag vielleicht auf die ersten beiden Alben von Ball Park Music aus Brisbane zutreffen, aber mit dem dritten Album schießt sich das Quintett hinaus aus dem Loser-Universum.

Die Australier servieren melodiösen SchrammelRock, kreuzen New-Wave-Elemente dazu und haben die richtige PsychoNerd-Dosis inhaliert um neben dem bereits eroberten fünften Kontinent (Chartsposition Platz 2) jetzt auch der ganzen Welt in den Arsch zu treten, damit sie auch nie nie wieder jemand mehr als Puddinghead bezeichnet!

TOP 3 SONGSStruggle Street, Everything Is Shit Except My Friendship With You, A Good Life is the Best Revenge ... LISTEN on Homepage
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13
THE DEAD WEATHER

Dodge and Burn

Ach, macht das wieder Spaß durch diese schmutzigen, unglaublich fetten Gitarren zu torkeln, das Schlagzeug zu spüren, das mit schierer Urgewalt vermöbelt wird und fasziniert der für diesen Sound perfekten Stimme von Alison Mosshart zu lauschen. Man kann wirklich nicht feststellen, welcher Song einen am meisten mitreißt, aber in einem Sturmtief lässt es sich ja auch schwierig ausmachen, durch welchen Tropfen man letztendlich triefnass geworden ist.

Was Jack White anfasst, scheint einfach immer zu gelingen, selbst wenn er nur am Schlagzeug sitzt und ein bisschen Backgroundgesang zusteuert. Wenn dann noch die famose Alison Mosshart (The Kills), Gitarrist Dean Fertita (Queens of the Stone Age) und Bassist Jack Lawrence (The Raconteurs) mit von der Partie sind beim Höllenritt über messerscharfe Riffs, kann einfach nichts schiefgehen!

TOP 3 SONGS: Three Dollar Hat, I Feel Love (Every Millions Miles), Buzz(killer) ... LISTEN on Homepage
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12
THE LIBERTINES

Anthems For Doomed Youth

Zeit für Helden? Ist es schlau, wenn sich eine Band, die mit nur zwei Alben ("Up the Bracket" [2002] und "The Libertines" [2004]) einen Kultstatus erworben hat, nach mehr als elf Jahren ein neues Album auf den Markt bringt, das genauso klingt als wäre es vor 10 Jahren eingespielt worden?

Schlau ist sicherlich der falsche Ansatz, den die Gefahr, das IndieRock-Monument The Libertines zu zerstören, ist sicher größer als den Status neu zu zementieren. ABER, wenn einer die Gefahr nicht scheut, sondern sich leidenschaftlich in dieselbige stürzt, dann wohl niemand mit mehr Intensität als das fleischgewordene Rock 'n' Roll Enfant terrible Pete Doherty.

Im Endeffekt ist es wie mit einer Tippabgabe für den Lieblingsfussballverein - man kann das Herz nicht ausschalten. Aber warum auch! I'm in Love with a Feeling!  

TOP 3 SONGS: Gunga Din, Anthems For Doomed Youth, Iceman ... LISTEN on Homepage
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11
JON SPENCER BLUES EXPLOSION

Freedom Tower

New York Urban Groove! Wer bereits seit 1992 die Welt mit herausragenden Alben mit einem einzigartigen Soundgebräu aus  Rock ’n’ Roll, Blues, Soul, Rockabilly, Noise, PunkRock und Hip-Hop versorgt und dann so ein 10tes Album hinlegt wie die Jon Spencer Blues Explosion, dem darf man dann doch wohl ungestraft das Prädikat "besonders wertvoll" verpassen.

Vielen Bands geht im Laufe ihrer Karriere irgendwann die Luft aus, die Ideen versiegen, man kopiert sich selbst oder schlimmer noch andere. Bei der Jon Spencer Blues Explosion lodert das Feuer mehr denn je. Ach Feuer, "Freedom Tower" ist eine Explosion, die ganze Städte oder besser NY in Schutt und Asche legt. Brandstifter seid ihr Herr Spencer, Herr Bauer und Herr Simins! 

TOP 3 SONGS: Down and Out, Born Bad, Tales Of Old New York: The Rock Box  
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10
SUFJAN STEVENS

Carrie & Lowell

Multiinstrumentalist Sufjan Stevens zieht den Stecker! Nach der perfekten Verbindung des Singer/Songwritertums mit der elektronischen Musik auf dem Meisterwerk "The Age of Adz" (2010) hat der umtriebige Musiker aus Detroit die Konsequenz gezogen und ein Album mit akustischer Gitarre und Harmoniegesängen (gesampelt über die Voice-Memp-App seines iPhones) eingespielt. "Carrie & Lowell" ist schlicht, unaufgeregt und trotzdem höchst virtuöser GitarrenpickingFolk.

Die Namensgeber des bisher persönlichsten Werkes von Sufjan sind seine 2012 verstorbene Mutter und sein Stiefvater, der ihn auf seinem musikalischem Weg auch als Geschäftpartner bei Asthmatic Kitty Records begleitete.

TOP 3 SONGS: Should have known better, Death with Dignity, Blue Bucket of Gold
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Sufjan Stevens, "No Shade in the Shadow of the Cross" (Official Audio) from Asthmatic Kitty on Vimeo.

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9
KENDRICK LAMAR

To Pimp A Butterfly

Wahrlich ist nicht jeder Nigger ein Star wie Kendrick Lamar in "Wesley's Theory" beim ersten Song von "To Pimp a Butterfly" proklamiert. Aber, der Nigger, der in diesem Jahr mit überwältigendem Vorsprung den anderen Rappern zeigt, wer im Moment im HipHop das Nonplusultra ist, darf schon auch mal das Blaue vom Himmel versprechen oder es zumindest als Ziel ausrufen.

Kendrick Lamar gelingt es mit seinem dritten Album ein überbordendes Meisterwerk zu generieren, das auf übliche Plattitüden (fast) verzichtet, trotzdem mit explizit Worten nur so um sich wirft, aber mit Lyrics zum Nachdenken nicht geizt, sämtliche Genregrenzen ignoriert, höllisch groovt und somit den Qualitätsstandard auf höchstem Niveau neu definiert. Hiphop welcome back to Champions League! Eeeeeeeeeendlich!

TOP 3 SONGSKing Kunta, How much a Dollar cost, The Blacker The Berry ... LISTEN on Homepage




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8
DIANE COFFEE

Everybody's a Good Dog

Who the fuck is Diane Coffee? Tja, hinter dem seltsam klingenden Namen verbirgt sich niemand geringeres als Shaun Fleming, Schlagzeuger bei DER PsychedelicFreakFolkPop-Band Foxygen.

Das Pseudonym soll sich aus einer Reminiszenz an die große Dame des Motown-Sounds Diana Ross und dem Songtitel "Mr. Coffee" des mir nicht bekannten Songwriters Nathan Pelkey zusammensetzen. Den besagten Song konnte ich im ganzen Netz nicht finden, aber anscheinend gibt es sogar einen Dokumentarfilm über den mystischen Songwriter (guckst du: https://youtu.be/0edrQh9rO48).

Auf jeden Fall ist Dianes zweites Soloalbum "Everybody's a Good Dog" ein Album, so vollgepackt mit Verrücktheiten, dass man wahrscheinlich auch nach dem 1000ten Durchhören noch immer Dinge entdeckt, die einem bis dato durch die Lappen gegangen waren.  

TOP 3 SONGSToo much Space Man, Everyday, Duet ... LISTEN on Homepage



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7
LADY LAMB

After

Seit 2007 war Songwriterin Aly Spaltro unter dem sperrigen Bühnennamen Lady Lamb and the Beekeeper bisher tätig. Sie bringt es in dieser Zeit auf sieben Alben, sechs davon als Home-Recordings, die sie in Eigenregie veröffentlicht, ehe sich 2013 das Label Ba Da Bing Records ihrer annimmt und das Album "Ripely Pine" herausbringt, auf dem Aly die Früchte ihre Teenagerzeit erntet und zeigt, dass sie erwachsen geworden ist.

2014 wechselt sie zu Mom + Pop Music, nennt sich nur noch Lady Lamb und absolviert mit "After" bravourös ihre Reifeprüfung. Spaltro konzentriet sich jetzt nicht mehr nur auf klassischen Folk und Songwriter-Songs, sondern wildert in allen Gärten und pflügt sie wie ein Wirbelwind um.

Sie lässt scheppernden Fuzz-Gitarren ertönen ("Vena Cava"), schenkt uns griffige Gitarren-Licks, die nach Sixties klingen ("Billions of Eyes"), spielt mit elektronischen Effekten ("Violet Clementine"), schaut beim PostPunk ("Heretic") und NewWave ("Batter") vorbei, lässt es ordentlich rocken ("Dear Arkansas Daughter") und singt zarte, fragile Balladen wie bei "Sunday Shoes". Neben ihrem variantenreichen Songwriting besitzt Aly auch noch die Gabe, ihren Texten eine außergewöhnliche Poesie zu verleihen, was sie mittlerweile zu einer sehr kompletten Künstlerin macht, von der für die Zukunft weitere Meisterwerke zu erwarten sind.


TOP 3 SONGSBillions of Eyes, Vena Cava, Violet Clementine ... LISTEN on Homepage


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6
SAMANTHA CRAIN

Under Branch & Thorn & Tree

Niemand kann zur Zeit so schön sehnsüchtig klingen wie Samantha Crain. Ihre Folk-Balladen bestechen durch fragile Arrangements, die aus allen Noten tieftraurig triefen.Wer sich also zur Zeit in einem angeschlagenen Allgemeinzustand befindet, sollte das neue Werk "Under Branch & Thorn & Tree" der indianischen Singer/Songwriterin aus Oklahoma nicht ohne eine Packung Taschentücher oder entsprechende Stimmungsaufheller konsumieren. Als Freund von musikalischen "Trauerklößen" wie Scott Matthew, Laura Marling oder Joni Mitchell wird man das vierte Album der Amerikanerin allerdings feiern wie das Tränenmeer im Kino bei einem Film von Jojo Moyes.

In musikalischer Hinsicht bleibt Samantha bei dem, was sie kann oder besser hervorragend kann und schon auf dem formidablen Vorgängeralbum "Kid Face" zu Gehör brachte: Traditionelle Folksongs, die zwar auch durch das Songwriting, aber vielmehr durch die Arrangements und natürlich durch diese seltsam rauchige und brüchige Stimme (und die Texte) so glaubwürdig und echt klingen, dass man, wäre sie eine Gebrauchtwagenhändlerin, ihr für jeden Preis jeden Wagen abkaufen würde.

Wer handgemachte Songs mag und findet, Computer haben in der Musik nichts verloren, der wird an Samantha Crains neuestem Werk nichts zu mäkeln finden. Und wer einfach nur gerne Songs mag, die vor Emotionalität überborden, der auch. Und wer die Möglichkeit hat Samantha live zu erleben, der sollte auf gar keinen Fall zögern!

TOP 3 SONGSKiller, Outside the Pale, Kathleen ... LISTEN on Homepage


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5
TAME IMPALA

Currents

Gegenüber dem britischen The Guardian ließ Parker verlauten, dass er auf Inspirationssuche für die neuen Songs auf Pilzen mit dem Auto durch L. A. gefahren ist und dabei Bee Gees gehört hat. Klingt nach schrecklich abgedrehten Sounds, aber das Komische ist, mir gefällt, was ich da höre. Obwohl ich die alten Tame Impala großartig finde und die deutlich rockigere Splitterband Pond verehre!

Bin ich im tiefsten Inneren demnach vielleicht ein verkappter Bee Gees-Fan? Soll ich mir mal alte Scheiben der Gibb-Brüder besorgen und daran herumpitchen? Oder habe ich in meinem Leben schon zu viele Champignons, Trüffel und Pfifferlinge verzehrt? Andere Pilze durften meine Kauleiste bisher nicht passieren.

Was kann mich als Freund des Saiteninstruments Gitarre dazu bringen, ein Album, das fast ausschließlich auf Keyboard-Sounds basiert, so lieb zu gewinnen?

Erstens: "Currents" fließt! Die Songs funktionieren alle irgendwie ähnlich. Verschleppte dumpfe Beats, flächige Keyboards, eine mit den Vocals geführte Melodie und kleine Gimmicks für zwischendurch. Selbst nach dem x-ten Hördurchlauf ist es nicht einfach, sofort zu sagen, welcher Song gerade an der Reihe ist.
Zweitens: Parker hat sein exzellentes Songwriting etwas zurückgenommen und sich sehr deutlich auf den Klangkosmos konzentriert - Maybe eine Auswirkung der Verzehrung von eukaryotischer Lebewesen oder dem Einfluss der erfolgreichsten Familienband der Welt? Deswegen klare Hörempfehlung: Lautstärke kurz vor Schmerzgrenze.

Mittlerweile habe ich das Album wahrscheinlich 30 Mal gehört und immer mehr schälen sich die Feinheiten aus diesem fließenden Etwas heraus. Die größtmögliche Entfaltung bot "Currents" bisher tatsächlich bei einer morgendlichen Autofahrt kurz vor Sonnenaufgang (4.30 Uhr) und offenem Verdeck - aber ohne Pilze! LET IT FLOW!

TOP 3 SONGS: Let it happen, 'Cause I'm a Man, Disciples ... LISTEN on Homepage


Tame Impala - Let It Happen from theoffstream on Vimeo.

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4
TOCOTRONIC

Tocotronic (Das rote Album)

Die Tocos sehen ROT! Nein kein blutiges wütendes Album, sondern rot und sanft wie die Liebe.

"Ohne Liebe bin ich nichts. Selbst wenn ich in allen Sprachen der Welt, ja mit Engelszungen reden könnte, aber ich hätte keine Liebe, so wären alle meine Worte hohl und leer, ohne jeden Klang, wie dröhnendes Eisen oder ein dumpfer Paukenschlag." könnte von Dirk von Lowtzow sein, ist aber aus dem 13ten Kapitel vom "Hohelied der Liebe".

Diesen, auf gefühlt 10 000 Trauungen gehörten Text, hat ein gewisser Paulus von Tarsus geschrieben und nein, auch dieser Herr, obwohl er auch ein "von" im Namen trägt, ist kein Mitglied von Tocotronic.

ABER auch das sogenannte rote Album der Tocos wäre ohne die Liebe nichts. Herman van Veen hatte ja vor Jahren schon einmal für einen Song "ein zärtliches Gefühl", die Mannen um Herrn von Lowtzow baden ein komplettes Album, 13 Songs lang, im Gefühl der Liebe. Nicht die ewige wahre Liebe, eher die pubertäre Liebe, die stürmische, die wilde, die verlorengegangene. Nicht kitschig (kleine Ausnahme: "Zucker"), aber unendlich romantisch!

Mit diesem von Amors Pfeil durchbohrten Album gelingt Tocotronic nun auch die endgültige Wende, der Ausweg aus Ehehölle mit dem Diskursrock. Gerade noch war ich der Meinung, Tocotronic hätte keine Eier (News 87), da treten sie mir schonungslos in die selbigen und sorgen dafür, dass mich frei nach Adenauer, respektive Beckenbauer für die jüngere Generation, mein Geschwätz von gestern nicht mehr interessiert. 

TOP 3 SONGS: Prolog, Zucker, Haft ... LISTEN on Homepage


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3
FATHER JOHN MISTY

I Love You, Honeybear

Man neige ehrfürchtig das Haupt für den gottgleichen Poser und herzenbrechenden Bühnendiktator Father John Misty, der einst als Bandmitglied bei den Fleet Foxes hinter dem Schlagzeug versauerte und mit seinem zweiten Solo-Album nun endgültig zum Rock'n'Roll-Messias aufsteigt.

Brillierte Father John Misty auf seinem Erstling "Fear Fun" (2012) noch mit eher introvertiertem Singer/Songwriter-Folk bricht es nun aus ihm heraus und er präsentiert sich auf "I love you, Honeybear" als Reinkarnation der längst vergessenen großen Crooner, dem es allerdings völlig egal ist, aus welchen musikalischen Bereichen er sich seine Zutaten holt. Zuckriger ElectroPop bei "True Affection", Soul für das Herz bei "When You're Smiling and Astride Me" oder schmalziger CountryBlues wie bei "Nothing Good Ever Happens At The Goddamn Thirsty Crow", es ist immer ein Spagat zum Kitsch, aber Joshua Tillmann, aka Father John Misty, bewältigt ihn mit spielerischer Leichtigkeit.

Eingebettet in bombastische Streicherarrangements gedeihen aus seinen eigentlich zarten Songpflänzchen prachtvolle Gewächse. Aus einem Liederabend wird ein Gottesdienst und der Prediger von Glaube, Liebe und Hoffnung schüttet seine Ingredienzien kübelweise aber voller Zärtlichkeit über den Zuhörer aus. Absolutes Highlights sind die mit Ironie zu geniesenden Balladen "The Night Josh Tillman Came To Our Apt." und "Bored in the USA". Danke Vater, ich bin bekehrt!

TOP 3 SONGSThe Night Josh Tillman Came To Our Apt., Bored in the USA, When You're Smiling and Astride Me ... LISTEN on Homepage


Father John Misty - The Night Josh Tillman Came To Our Apartment (Official Video) from PIASGermany on Vimeo.

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REVIEW
2
EZRA FURMAN

Perpetual Motion People

Wie schön es doch ist, wenn jemand, den man bisher überhaupt nicht auf der Kette hat, plötzlich ins gleisende Rampenlicht tritt. Von Ezra Furman einem amerikanischem Musiker aus Chicago hatte ich nie etwas gehört, bevor der Musikexpress das Album "Perpetual Motion People" zur Platte des Monats kürte.

Wem es ähnlich geht, dem sei verraten, das Furman bereits seit 2012 Solo-Alben veröffentlicht (die aktuelle LP ist Solo-Album Nummer 3) und er von 2007 bis 2011 mit der Band Ezra Furman and the Harpoons ebenfalls drei Alben herausbrachte. Auf der dem Musikexpress beigelgten Promo-CD befand sich der Song "Restless Year", der mir zwar direkt gefiel, mich aber anfangs nicht umhaute. Dann sah ich das dazugehörige Video und lauschte im Netz einigen anderen Songs vom Album "Perpetual Motion People".

Das Feuer war entfacht und als schließlich die in königsblau gepresste Vinylscheibe in mein bescheidenes Heim fand, verfiel ich hoffnungslos dem Charme und Witz des nerdigen Chansonniers, der sich gerne in Fauenkleidern präsentiert. Das Album läuft bis heute in Heavy Rotation auf meinem Plattendreher und ich kann einfach nicht genug bekommen von Hits wie "Lousy Connection", "Wobbly", "Can I sleep in your Brain", oder eben "Restless Year". Ich lausche dem zappaesken ironischen Drama bei "Haunted Head", den knisternden Lagerfeuer-Folksongs "Hour of deepest Needs", "Ordinary Life" oder "One Day I will sing no more" und erschrecke mich regelmäßig über den plötzlich auftauchenden rotzigen Punkrocker: "Tip of a Match".
Am 1. November hatte ich dann das Vergnügen, Ezra live im Blue Shell in Köln zu erleben. Wer fleißiger Leser dieses Blogs ist, der weiß, dass ich nicht sooo selten zu Konzerten gehe und in diesem Jahr schon einige Highlights (Jon Spencer Blues Explosion, Glen Hansard, Father John Misty, etc.) verbuchen konnte, trotzdem geht in diesem Jahr der Titel "Konzert des Jahres" an  Ezra Furman. Herzlichen Glückwunsch zu Platz 2 und danke für ein wundervolles IndiePop-Album, an dem auch Frank Zappa seine Freude gehabt hätte.

TOP 3 SONGS: Can I sleep in your Brain, Restless Year, Wobbly ... LISTEN on Homepage


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1
COURTNEY BARNETT

Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit

Der erste wirkliche Longplayer der australischen Singer-/Songwriterin und Gitarristin Courtney Melba Barnett schlägt ein wie eine Granate, hätte ich fast gesagt, distanziere mich aber sofort von dieser kriegerischen Umschreibung - obwohl sie so schön gepasst hätte.

Versuchen wir es friedlicher. "Sometimes I Sit and Think, and Sometimes I Just Sit" ist ein leidenschaftliches Feuerwerk an rhythmusgetriebenen Gitarren, ein wunderbar lakonisches Werk über Alltagsbetrachtungen und gleichzeitig ein feministisches Manifest. Zu dick aufgetragen? Wie wäre es mit ein roher ungeschliffener Diamant mit wunderbaren Ecken und Kanten, in dem es elf funkelnde magische Momente zu entdecken gibt? Oder die gelungeste Verbindung zwischen Songwritertum und Grunge? Der schnoddrig schönste Sprechgesang seit der Entdeckung Australiens? Oder schlicht die Platte des Jahres!

TOP 3 SONGSPedestrian at Best, Depreston, Dead Fox ... LISTEN on Homepage


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Dienstag, 22. Dezember 2015

TOP 150 RECORDS OF THE YEAR 2015 (No. 50 bis 26)

DIE ALBEN DES JAHRES 2015 - Part V.
[Part I.]
[Part II.] [Part III.] [Part IV.] ... [Part VI.]


REVIEW
50
MILEY CYRUS

Miley Cyrus and Her Dead Petz

Es zeichnete sich bereits auf dem 2013er Album "Bangerz" ganz besonders bei der Single "Wrecking Ball" ab, dass der einstige Teeniestar nicht nur durch Skandale seine Vergangenheit ablegen möchte, sondern dass das Mädchen aus Tenneesse auch durchaus das Potential hat - im Gegensatz zu Bieber und Co. - sich neu zu erfinden.

Die einstige Disney-Queen hat nun unter dem Namen MILEY CYRUS & HER DEAD PETZ ein Album veröffentlicht, mit dem ihre Plattenfirma nichts zu tun hat und das sie stattdessen mit befreundeten Musikern von den Flaming Lips und dem gerne unterschätzten Ariel Pink eingespielt hat.

23 (!) knallbunte Popsongs in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen mit konstanter psychedelischer Unterfütterung (was bei den Mitmusikern nicht verwundert) enthält dieses monumental anmutende Werk, welches einen anfangs schier erschlägt wie die Überflutung auf einer Süßwarenmesse. Deswegen hilft nur: Probieren, probieren und probieren. 

TOP 3 SONGSDooo it, BB Talk, Karen don't be sad ... LISTEN on Homepage


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REVIEW
49
MOUNTAIN GOATS

Beat the Champion

Konzeptalben sind erfrischend in einer Zeit, in der zunehmend einzelne Songs über eine Bandkarriere entscheiden. Seit mehr als zwanzig Jahren scheren sich The Mountain Goats, die 1991 von Singer- Songwriter John Darnielle in Kalifornien gegründet wurden, einen feuchten Kehricht um Hits und ihre Schnelllebigkeit.

Für das 20te (!) Album "Beat the Champ" hat John Darnielle sich nun überlegt, den Wrestling-Helden seiner Jugend ein Denkmal zu setzen: "'Beat the Champ' is about professional wrestling, which was an avenue of escape for me when I was a kid. Wrestling was low-budget working class entertainment back then, strictly UHF material. It was cheap theater. You had to bring your imagination to the proceedings and you got paid back double. I wrote these songs to re-immerse myself in the blood and fire of the visions that spoke to me as a child, and to see what more there might be in them now that I'm grown."

TOP 3 SONGS: Southwestern Territory, Fire Editorial, The Legend Of Chavo Guerrero  
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REVIEW
48
DJANGO DJANGO
Born Under Saturn


2012 kürte der Musikexpress das Debütalbum "Django Django'" der Studienfreunde aus London zum Album des Jahres. Absolut zu Recht, denn mit "Default" befand sich auf dem Werk ein höchst tanzbarer Monsterhit und auch die anderen 12 Songs waren voller Raffinesse.

Für das berühmte schwierige zweite Album setzen die Bandmitglieder David Maclean (Schlagzeug, Produzent), Vincent Neff (Gesang, Gitarre), Jimmy Dixon (Bass) und Tommy Grace (Synthesizer) weiterhin auf ungewöhnliche Klänge, aber die Wucht, mit der ihr Erstling den Hörer traf, ist nur noch in wenigen Songs vorhanden. Ganz können die Briten das Niveau also nicht halten, aber trotzdem beileibe kein schlechtes Album - dazu ist das ausgefeilte Songwriting der Briten einfach zu gut.

TOP 3 SONGSFirst Light, Life we know, 4000 Years ... LISTEN on Homepage
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47
LAURA MARLING

Short Movie

Mit 18 Jahren veröffentlichte die britische FolkPop-Sängerin Laura Marling ihr Debütalbum "Alas, I cannot swim". Sieben Jahre später hat sich aus dem Teenager, der vorher schon zwei Jahre bei der Indie-Band Noah & the Whale musizierte, eine vielbeachtete selbstreflektierende Songwriterin entwickelt, die drei Mal für den Mercury Prize nominiert war und 2011 einen Brit Award gewann.

"Short Movie" ist ihr fünftes Album und das erste, bei dem sie mit alten Gewohnheiten bricht: "Ich habe bemerkt, dass ich mich kaum je länger als zwei oder drei Wochen an einem Ort eine befunden habe, seit ich 16 war. Ich habe mich gefragt, wie es sich anfühlen würde, wenn ich für Weile sesshaft werde und die letzten acht Jahre noch einmal Revue passieren lasse".

Neben der neuen Sesshaftigkeit entschloss sich Marling, statt einer akustischen Gitarre eine elektrische zu nutzen und das Album komplett selbst zu produzieren. Herausgekommen ist ein offenherziges Werk über die Gefühlswelt einer sensiblen Künstlerin, vor allem über ihre wohl sehr schwierige Zeit in den Vereinigten Staaten, bei dem man zuhören muss. 

TOP 3 SONGS: Don't let me bring you down, Strange, Warrior ... LISTEN on Homepage
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46
JESSICA PRATT

On Your Own Love Again

Jessica Pratt lebt in San Francisco und begann im Alter von 15 Jahren mit dem Gitarrespielen. Sie ist eine klassische Songwriterin, die ihren leicht spleenigen Folk meist mit Fingerpicking-Technik auf der akustischen Gitarre spielt und in einigen Songs es tatsächlich schafft, dass dieses Instrument wie eine Harfe klingt. Ihre kindliche Sopran-Stimme ruft - an sich widersprüchliche Vergleiche - mit großen Künstlerinnen wie Joanna Newsom, Marianne Faithful, Kate Bush, Joni Mitchell oder Nico hervor. Mit letztgenannter Künstlerin verbindet Jessica Pratt auch die melancholische Stimmung, die dem Album „On Your Own Love Again“ anhaftet, obwohl es an der sonnigen Westküste aufgenommen wurde. Aber trotz diese eher düsternen Stimmung, die über dem Album liegt, lässt sich zwischen den Zeilen herauslesen, dass Pratt eigentlich eine hoffnungslose Romantikerin ist, die mit faszinierender Einfachheit knisternde und rauschende magische musikalische Momente erschafft. Seufz.

TOP 3 SONGSBack Baby, Strange Melody, Wrong Hand ... LISTEN on Homepage
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REVIEW
45
FABIAN

Fabian

Fabian wurde 2013 in Leipzig gegründet und Max Rieger (Die Nerven) hat es sich nicht nehmen lassen, die Band ins Studio zu begleiten, um das Debütalbum zu produzieren.

Das Quartett, bestehend aus Vitiko Schell (Vocals & Lyrics), Jonas Eckhardt (Bass), Max Kraft (Gitarre, Trompete, Keys) und Troben Jäckel am Schlagzeug, punktet vor allem durch den Raum, den sie ihren Songs und ihrer Sängerin geben. Ob laut oder leise, der Sound ist vielschichtig, aber nie überfrachet und liebäugelt trotz aller PostWave-Klangmalereien immer wieder auch gerne mit dem Jazz (bestes Beispiel "Homeboy" und "Impostor"). Und wer zur Hölle behauptet, dass nur Franzosen beim Englischsingen irgendwie bezaubernd klingen, Sängerin Vitiko Schell klingt jedenfalls fast so lieblich, wenn auch mit deutlichem deutschen Akzent, wie die anbetungswürdige Hope Sandoval 

TOP 3 SONGS: Kline, Homeboy, Warsecenes ... LISTEN on Homepage


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REVIEW
44
WAXAHATCHEE

Ivy Tripp

Als das Album im April erschien, tat ich mich schwer mit den schrägen verschachtelten Songs der amerikanischen Songwriterin Katie Cruchfield, aber in den vergangenen Monaten ist die Saat aufgegangen und "Ivy Tripp" ist mir ans Herz gewachsen. IndiePop nicht spektakulär, aber mit Köpfchen.


TOP 3 SONGS: Less than (<), La Loose, Bonfire ... LISTEN on Homepage
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43
LA PRIEST

Inji

Wer es liebt, wenn man sich erst ganz langsam an ein Album herantasten muss, wenn man nicht sofort Zugang findet, dafür dann aber eine neue Liebe, der sollte sich unbedingt anhören, was Sam Eastgate, alias Sam Dust (früher Sänger bei Late of the Pier) auf  "Inji" an schrägen Tönen und Melodien absondert. Zehn ungewöhnliche mutige Stücke über Sex und Liebe für Hörer, die die Grenzerfahrung nicht scheuen: ScienceFictionIndieFunkPop mit zappaesken Zügen. 

TOP 3 SONGS: Party Zute / Learning To Love, Oino, Night Train ... LISTEN on Homepage
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42
THE ARCS

Yours,Dreamily,

Nachdem das letzte Black Keys-Album "Turn Blue" aus dem Jahr 2014 viel zu überproduziert und glattgebügelt war, hat wohl auch Dan Auerbach die Alarmglocken läuten hören, denn mit seinem neuen Nebenprojekt The Arcs geht Auerbach nicht nur einen, sondern gleich mehrere Schritte zurück - und das ist gut so!

"Yours, Dreamily," klingt in erster Linie unglaublich relaxt und verdammt groovy. Auerbach hat den BluesRock der rauen ersten Black Keys-Alben mit einer ordentlichen Dosis Soul bestückt und sich wieder mehr auf das Songwriting und weniger die perfekte Produktion konzentriert.

TOP 3 SONGS: Put a Flower in your Pocket, Velvet Ditch, Searching the Blue 
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41
SOAK
Before We Forgot How to Dream


Die heute neunzehnjährige Nordirin Bridie Monds-Watson war anscheinend schon im zarten Teenageralter von dreizehn eine Seele, die sich ihr Freud und Leid von der Leber schreiben musste, denn auf ihrem Debütalbum "Before We Forgot How to Dream" befinden sich Songs, die sie im Zeitraum des Erwachsenwerdens bis heute geschrieben hat. Umso erstaunlicher, wie weise in den Texten und reif in der musikalischen Verarbeitung dieses Album ist.

So fordert Soak beispielsweise in "B a noBody"  ihre Generation dazu auf, die überstrapazierte Selbstdarstellung im Netz sein zu lassen oder ruft  in "Reckless Behaviour" den eigenen Willen als Ziel nie aus den Augen zu verlieren. Musikalisch bewegt sich die Irin außerordentlich geschickt zwischen Lagerfeuerromantik, orchestralen Folk, Kammermusik und Pop. Bei einem Reifegrad nach so kurzer Zeit darf man von Soak noch viel Gutes für die Zukunft erwarten.

TOP 3 SONGS24 Windowed House, Hailstones don't hurt, B a noBody  
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40
SOKO

My Dreams Dictate My Reality

Das Debütalbum "I Thought I Was an Alien" der Französin SoKo erschien 2012 und dreht sich seitdem unzählige Male auf meinem Plattenteller. Diese Zerrissenheit in der Stimme, gepaart mit Zerbrechlichkeit und Wut, gehen bei jedem Hören ein Stück tiefer unter die Haut.

Erstmals aufmerksam auf sich machte die 1986 in Bordeaux geborene und mittlerweile in Los Angeles lebende Sängerin mit dem bürgerlichen Namen Stéphanie Alexandra Mina Sokolinski 2007 mit dem Song "I Kill her". Wer den Song zum ersten Mal hört, wird sich an dem charakteristischen französischen Akzent, mit dem SoKo englisch singt, vielleicht anfangs stören, aber keine Angst, das ist nur der Erstkontakt - später wird man den Akzent lieben ;-).

Auf „My Dreams Dictate My Reality” hat sich SoKo verändert! Nicht nur äußerlich von schwarz zu blond, sondern auch vom Sound und sogar der französische Akzent ist deutlich weniger geworden. Der Sound ist nicht mehr (nur) zerbrechlich, sondern düster, unglaublich düster. Song Nummer 9. "Peter Pan Syndrome" klingt wie die weibliche Version von Robert Smiths Dunkel-Epos "Pornography" aus dem Jahre 1982.

Überhaupt lassen sich ziemlich viele Vergleiche zu den unterschiedlichsten Alben aus der Cure-Diskographie ziehen. So überschlägt sich beispielsweise bei "Temporary Mood Swings" die Stimme wie beim Cure-Klassiker "The Love Cats" und die flächigen Keys in "Visions" könnte man der "Seventeen Seconds" Phase zuordnen. Wenn man dann noch hört, dass sich SoKo niemand geringeren als Ross Robinson als Produzenten erkoren hat, wird deutlich, wie gewollt dieser Stilwechsel zum 80s-Gothic ist.

Das Erstaunliche ist, wie gut der Französin dieser Wandel gelingt, ohne dass sie an Profil verliert. Jeder Song ist ganz klar ein SoKo-Song und zeigt er noch so viele Referenzen aus der Musikgeschichte auf.

TOP 3 SONGS: Who wears the Pants??, My Dreams dictate my Reality, I come in Peace ... LISTEN on Homepage
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39
BLUR

The Magic Whip

Ganze 16 Jahre ist es her, dass Blur in Originalbesetzung ein Album veröffentlichten. 16 Jahre! Da kann man eine Familie gründen, ein Haus bauen, einen Baum pflanzen, sich scheiden lassen und in manchen Gegenden (Sauerland, Saarland) sogar schon Großvater werden.

Blur
schafft es, die eigene Identität aus glorreichen BritPop-Zeiten zu behalten und sich trotzdem weiter auszudifferenzieren. Alle Songs des neuen Album sind charakteristische Blur-Songs, konnten aber keinesfalls in einer früheren Phase entstehen. Die Wiedervereinigung Coxons und Albarns ist gelungen. Der smarte Melancholiker und virtuose Singer/Songwriter Albarn profitiert vom Herrn der Riffs und Licks und umgekehrt. Blur ist also im Gegensatz zu Oasis noch immer in Bewegung, im Hier und Jetzt, und mutmaßlich auch in Zukunft. 

TOP 3 SONGS: Lonesome Street, My Terracotta Heart, Ghost Ship ... LISTEN on Homepage
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38
UNKNOWN MORTAL ORCHESTRA

Multi-Love

2013 war "II" vom Unknown Mortal Orchestra eine meiner Lieblingsplatten, aber als wäre der Bandname ein Fluch, blieb der verdiente Erfolg aus.

Ende Mai erschien auf Jagjaguwar mit "Multi-Love" das dritte Album der amerikanisch-neuseeländischen Band und damit ein neuer Versuch, die Aufmerksamkeit eines breiteren Publikums auf sich zu ziehen.

War auf "II" noch der Schmerz des Alleinseins das zentrale Thema, rücken nun menschliche Beziehungen und die vielfältigen Komplikationen, die daraus entstehen, in den Fokus. Der psychedelische stets groovende Retro-Sound, mit analogen, zum Teil wieder selbst zusammengebastelten, alten Synthesizern bleibt neben Nielsons hoher Stimme weiterhin so einzigartig, dass man die Band schon nach wenigen Takten erkennt.

TOP 3 SONGS: Multi-Love, Can't keep checking my iPhone, The World is Crowded
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ANNA VON HAUSSWOLFF
The Miraculous

Nicht nur der Name, Anna Michaela Ebba Electra von Hausswolff der Künstlerin wirkt angsteinflössend, auch das Cover ihres neuen Albums "The Miraculous" und ihre Musik sind vordergründig verstörend. Ein seltsames einzigartiges Gebräu aus ProgRock, Psychedelic, Metal, Gothic und Orgelmusik.

Die Schwedin inszeniert sich eindrucksvoll als Fürstin der Dunkelheit im barocken Gewand mit deren Klangmalereien historische SW-Horrorfilme zu neuem Leben erwachen könnten. Die herausragende Nummer des Albums, "Come Wander With Me / Deliverance" erstreckt sich über mehr als 10 morbide Minuten. Schöner hat bisher kaum einer die dunkle Messe gelesen. Amen.

TOP 3 SONGSCome Wander With Me / Deliverance, Stranger, Discovery 
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REVIEW
36
VINNIE WHO

Harmony

Der Däne Brett Anderson kann als Erfinder der LoFi-Disco gefeiert werden! Wie das klingt? In etwa so: Foxygen schmeißen Lana Del Rey bei der Produktion ihrer neuen LP aus dem Studio, behalten die Songstrukturen und übernehmen Gesangsspur und Mischpult, dann schneit Ariel Pink herein, der sich gerade mit zugekifftem Kopf Bilitis angesehen hat und dreht liebevoll an den Knöpfchen.  



TOP 3 SONGS: Much much more, Only Dreaming, Funtime ... LISTEN on Homepage
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35
SUN KIL MOON

Universal Themes

Wer dachte, mit "Benji" hat Mark Kozelek sein Pulver vorerst verschossen, der lag aber so was von daneben, denn mit der nun, nur ein Jahr später, veröffentlichten LP "Universal Themes" knüpft er nahtlos an dem kleinen Meisterwerk des Vorjahres an.

Die Platte beginnt mit einem knapp neun Minuten langem Song über ein sterbendes Opossum! Ja, dieser Mann hat etwas zu sagen, wenn er von seiner Plattenfirma nach Worten bezahlt würde, könnte er sich wahrscheinlich alsbald zur Ruhe setzen! Meist sanft plätschert die Folk-Gitarre und der Singer/Songwriter erzählt und erzählt und erzählt und philosophiert. Von seiner harten Arbeit, vom Telefonat mit seiner Süßen, vom Heimweh, vom Filmgeschäft, von der Frustration Hitler zu schauspielern, von Veronica aus Mailand, vom täglichen Kampf und natürlich vom Gesang der Vögel. Kozelek erzählt in seinen Songs eigentlich keine wirklichen Geschichten, sondern schildert viel mehr alltägliche Begegnungen, so als wären sie Tagebucheinträge oder ein Sammelsurium an Kurznachrichten. Kurz: Kozelek ist einer der wichtigsten Chronisten unserer Zeit.

TOP 3 SONGS: This Is My First Day And I'm Indian And I Work At A Gas Station, Cry Me a River Williamsburg Sleeve Tattoo Blues, Birds of Films ... LISTEN on Homepage
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34
DESTROYER

Poison Season

"Kaputt" war vorgestern (2011), jetzt ist "Poison Season". Das Jetzt ist anders. Deutlich mehr orchestrale Wirkung und deutlich mehr Jazz steckt im neuesten Werk von Singer und Songwriter Dan Bejah, der sich trotzdem oder eben deshalb weiterhin schwer in Schubladen stecken lässt.

Nimmt man zum Beispiel einen Song wie "Dream Lover", kann man durchaus anmerken, dass vielleicht weniger mehr gewesen wäre, aber dann wäre es halt kein echter Destroyer-Song. Wenn sich seine Kompositionen an den Pop schmiegen, dann halt immer in geradezu ekstatischer Manier. Ebenfalls in manisch-depressiver Ekstase befinden sich auf "Poison Season" die Instrumente Saxophon, Trompete, Flöte und Geige, womit klar sein dürfte, welch ein Husarenritt dem Zuhörer abverlangt wird.

TOP 3 SONGS: Times Square, Sun in the Sky, Forces from Above ... LISTEN on Homepage
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33
ALABAMA SHAKES

Sound & Colour

Das 2012 erschienene Debüt-Album „Boys & Girls“ der Alabama Shakes, welches auf erfrischende Weise Southern Rock, Blues und Soul verband, war zu recht ein Megaerfolg. In den USA und im United Kingdom schaffte es das Album in die Top 10, in Deutschland verkümmerte es hingegen nur auf Rang 59 der Verkaufscharts, obwohl die Hit-Single "Hold on" nicht wenig RadioAirplay zu verzeichnen hatte.

Die Erwartungen an den zweiten Streich der Band aus Athens in Alabama waren folglich unterschiedlicher Natur. Während es in Britannien und USA galt zu zeigen, dass man keine Eintagsfliege ist, sollte das Album die Band in Deutschland weiter nach vorne bringen. Selten wurden Ziele so klar erreicht. In den USA schaffte die Band mit "Sound & Color" Platz 1, in Großbritannien die Position 6 und in Deutschland darf man in Zeiten von Helene Fischer & Co. über Platz 28 auch sehr stolz sein.

Fakt: "Sound & Color" meistert die Hürde des schwierigen zweiten Albums mit Leichtigkeit. Natürlich steht auch beim zweiten Longplayer der Shakes die einzigartige Stimme von Sängerin Britany Howard im Vordergrund und natürlich ist es wieder die souligste BluesRock-Variante, die derzeit auf diesem Planeten zu hören ist.

TOP 3 SONGSDon't wanna Fight, Gimme all your Love, Dunes ... LISTEN on Homepage
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REVIEW
32
DU BLONDE

Welcome Back to Milk

Die in Kalifornien sesshafte Beth Jeans Houghton, jene Künstlerin, die 2012 mit dem brillanten Album "Yours Truly, Cellophane Nose" debütierte und die Grenzen des psychedelischen Folks auslotete, hat sich mal eben eine neues Pseudonym zugelegt.

Die musikalische Richtung des ersten Albums ist nur noch in wenigen Songs ("Hunter", " Four in the Morning") zu erkennen, die neue Marschroute als Du Blonde heißt mehr Rock und vieeeel mehr Zorn (auf Social Media-Hater, Chauvis und Spießbürger mit Fiffis an der Leine). Folk war gestern. Unter dem neuen Pseudonym streift Beth das anscheinend nach einer Platte schon viel zu eng gewordene Korsett ab und macht sich ungezügelt frei - was man auf dem wunderbaren Plattencover auch visuell sehr gut erkennen kann.

TOP 3 SONGSRaw Honey, Mind is on my Mind, Mr. Hyde  ... LISTEN on Homepage
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REVIEW
31
LEVIN GOES LIGHTLY

Neo Romantic

Schon wieder Stuttgart! Im Fußball läuft es für die Baden-Württembergische Hauptstadt ja eher suboptimal, aber in Sachen Musik entwickelt sich in der sechstgrößten Stadt Deutschlands zunehmend eine höchst beachtenswerte Szene. Neuester auffälliger Act ist der 25-jährige Levin Stadler, der unter dem etwas sperrigen Namen Levin goes Lightly im weitesten Sinne PostRock inszeniert.

"Neo Romantic" ist nach dem 2013 erschienenen Debüt „Dizzy Height“ das zweite Album, das Stadler zusammen mit Paul Schwarz (Gitarre), Thomas Zehnle (Bass) und Max Rieger am Schlagzeug eingespielt hat.

Mit "1989", dem ersten Song des Albums wird eigentlich schon deutlich, dass es sich um eine düstere Zeitreise in die musikalische Vergangenheit von Gothic und Dark Wave handelt. Die analogen Keys flirren, der Beat vom Drumcomputer ist minimalistisch und auch im Gesang orientiert sich Stadler an legendären Dunkelmännern wie Ian Curtis oder Andrew Eldritch. Aber auch wenn die Vorbilder dermaßen offen liegen, vermag es Levin goes Lightly ganz wie es der Albumtitel verspricht, dem Genres neues Leben einzuhauchen.

TOP 3 SONGSSpeedways, Silence is Violence, Perfume ... LISTEN on Homepage


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IMAN OMARI

High-Loops & Higher-Loops

Das Kifferalbum des Jahres, aber auch für Nichtraucher geeignet, kommt von Iman Omari einem amerikanischen Singer, Produzenten und DJ aus Los Angeles.

Ähnlich wie Gonjasufi, der ebenfalls aus Kalifornien stammt, bastelt Omari skizzenhafte Songs, die auf HipHop basieren, aber auch von Jazz, RNB, Soul und Funk inspiriert sind. „High-Loops & Higher-Loops“ ist eine Art Soundpuzzle, bei dem die Teile perfekt ineinanderpassen. Den besonderen Kick verleiht die an alte Crooner erinnernde Stimme Imans dem Album, die man allerdings nur auf Cassette mit den interessanteren Flip-Versionen (meist mit Vocals) erhält - seltsame, aber irgendwie auch sympathisch unwirtschaftliche Veröffentlichungspolitik, die er aber auch gleich wieder rebellisch unterläuft - siehe Bandcamp-Page ;-).

TOP 3 SONGSAddicted (Flip), Diamond Girl, Green Light (Flip) ... LISTEN on Homepage


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REVIEW
29
POND

Man It Feels Like Space Again

Was Neues, was eigentlich nicht neu ist. Wie Pond-Frontmann Nick Allbrook in einem Interview verriet, wurde Album Nummer sechs "Man It Feels Like Space Again" aus einem Berg von Tapes gebastelt:

Es war eigentlich schon längst alles fertig. Aber in einem Anflug von Wahnsinn und der Leidenschaft haben wir einfach alles noch mal zerschmettert, vermischt und in einem kleinen Studio in Melbourne wieder zusammengeflickt.

Der Titel des Albums darf getrost als Programmhinweis verstanden werden, denn Joseph Ryan, Jay Watson, Nick Allbrook und einige befreundete Musiker haben sich dem psychedelischen Rausch so weit hingegeben wie selten zuvor. Die Zutaten haben sich im Vergleich zu den Vorgänger-Alben gewandelt, es gibt weniger GlamRock, weniger BluesRock-Anleihen und die Refrains und Hooks sind tiefer im psychedelischen Strudel verwoben. Funktionierte "Beard, Wives, Denim" (2012) schon beim ersten Anhören, muss man "Man It Feels Like Space Again" deutlich mehr Spielraum zur Entfaltung geben

TOP 3 SONGSElvis' Flaming Star, Man It Feels Like Space Again, Zond
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REVIEW
28
PUNCH BROTHERS

The Phosphorescent Blues

Welch graziles Meisterwerk die Punch Brothers mit ihrem vierten Album "The Phosphorescent Blues" vorlegen, lässt sich nur schwer in Worte fassen.

Einerseits scheint die Musik vor Leichtigkeit zu schweben, andererseits legt sie sich aber auch schwer auf das Gemüt. Einerseits will die Platte Pop sein, aber andererseits auch Kammermusik. Oder doch Bluegrass, Folk, Jazz oder Country? Oder gar Klassik?

Versucht man das Album mit Adjektiven zu versehen, entstehen ähnliche Widersprüche: Elegant, virtuos, verspielt, reduziert, melancholisch, warm, anschmiegsam, erhaben, fesselnd, audiophil, konstruiert, spannend, entspannend, leidenschaftlich, beseelt, feingeistig, nonchalant, aufwühlend, euphorisch, wild, groovig, meditativ, laut, leise, abwechslungsreich, vertraut.
 
TOP 3 SONGSJulep, Forgotten, My Oh My ... LISTEN on Homepage
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CHADWICK STOKES

The Horse Comanche

Wie ich beim diesjährigen Rolling Stone Weekender feststellen durfte, verbirgt sich hinter dem Namen Chadwick Stokes keine Band, sondern der in Boston lebende Sänger Chad (Chadwick) Stokes Urmston.

Chad ist ein sympathischer Zeitgenosse, der nicht nur auf einer Hochzeit tanzt. Bereits 1996 gründete er die Band Dispatch, mit der er politischen Crossover-IndieRock spielt. 2002 ruft er die Band zusammen mit Bassist Chuck Fay und Schlagzeuger Mike Najarian State Radio ins Leben, die sich auf eine Mixtur aus RootsReggae und Rock konzentrierte.

2011 dann der Schritt zum Solokünstler mit dem Album "Simmerkane II", der 2015 mit "The Horse Comanche" fortgeführt wird. Auf "Horse Comanche" findet man die Essenz aus seinem bisherigen musikalischen Schaffen. Reggae in "Our Lives our Time", Calypso und Blues kreuzen sich im Song "Prison Blue Eyes", Folk und Country in "Walter (First Hello)" und "Hazy Maze" ist ein atemberaubende BluesRockballade und gleichzeitig ein sanfter Singer/Songwriter-Song. Das Meisterstück gelingt ihm aber mit dem, dem Album den Namen gebenden Song "The Horse Comanche": Knapp sechs Minuten zwischen KammerPop und orchestralem Folk. Unglaublich gefühlvoll gesungen und zeitlos schön.

TOP 3 SONGSHorse Comanche, Hazy Maze, Our Lives our Time ... LISTEN on Homepage
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REVIEW
26
JULIA HOLTER

Have You in My Wilderness

Einfach schön, im positivsten Sinne ist das, was man als erstes zu Julia Holters neuem Album "Have you in my Wilderness", dem mittlerweile viertem der Singer/Songwriterin, sagen muss. Lange hat mich kein Album mehr so mit Harmonie und Wohlgefühl übergossen. Die Kalifornierin singt immer noch verträumtwirkende melancholische Balladen, aber den Songs haftete jetzt eine neue Leichtigkeit an, als wären sie auf weichen Federn gebettet.

Beim Album-Opener "Feel you" begleitet ihre glockenhellen Mädchenstimme ein Strauß aus Streichern und ein sanfter Beat gibt den bedächtigen Rhythmus vor. Natürlich wurde das Album in einem Studio aufgenommen und auch elektronische Instrumente eingesetzt, aber es klingt so organisch und lebendig, dass man sich vorstellen möchte, es wäre auf einer lichtdurchfluteten Waldlichtung eingespielt, wo die nächste Steckdose unzählige Kilometer entfernt in einer Wand einsam und verlassen kauert. Ja, diese Musik ist vertonte Poesie und ich komme beim Beschreiben nicht umhin, ins Schwelgern zu geraten.

Bleibt die abschließende Frage, die man sich bei so gut wie jedem Lied auf der Platte stellt: "Ist das nun noch Pop oder schon Kunst?" Wer ein Etikettchen benötigt, der möge es magischen Singer/Songwriter-ArtPop nennen.

TOP 3 SONGSFeel you, Sea calls me Home, Lucette stranded on the Island
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