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Sonntag, 19. März 2017

THE BAY RAYS Made My Day! Satisfaction!


THE BAY RAYS
Homepage: http://thebayrays.com/
From: Kent, Great Britain


Sehr schöner Clip des Trios aus Kent, der sich natürlich von Nirvanas "In Bloom"-Video aus dem Jahr 1992 inspirieren lies. Trotzdem perfekt, um die unbefriedigende Sonntagsmüdigkeit aus den Knochen zu schütteln. MADE MY DAY!

 

Samstag, 18. März 2017

CAR SEAT HEADREST live im Gebäude 9

Location: Gebäude 9, Köln
Support: TRAAAMS
Date: 16.03.2017

 

Donnerstage sind per se mit einem Hoffnungsschimmer belegt, da das Wochenende in Reichweite scheint. Insofern sind Donnerstage auszuhalten und tausendmal besser als wochenanfangs- nervende Montage. 

Es ist Donnerstag der 16. März 2017. Die Sonne schien den ganzen Tag, nicht nur frühlingshaft, sondern gar sommerlich war mir bei Temperaturen an der 20 Grad-Grenze zumute, als ich mich mit meinem treuen Konzert- begleiter C. auf den Weg ins Gebäude 9 mache um die im letzten Jahr zu recht ihren Durchbruch feiernden CAR SEAT HEADREST aus Seattle zu erleben.

Ich bin voller Vorfreude, ganz besonders weil ich mir auch von der Vorbands TRAAMS aus Chichester in England viel verspreche, aber auch irgendwie unruhig, weil es für meine Königsblauen an diesem Donnertag um den Einzug ins Europapokal-Viertelfinale geht und ich das Spiel, welches in dieser Kleinstadt am Niederrhein stattfindet, nicht live verfolgen kann.

Am G9 treffen wir auf die unverwüstliche V., Vollegrante Ehrenfeld mit Freundin und eine Freundin meinerseits die sich kurzfristig auch entschlossen hat mitzugehen.  Leider hat sie noch kein Ticket und zu meinem Erstaunen ist das Konzert jetzt doch ausverkauft, sodass es heißt, jetzt erst mal ein kühles Beck an Land ziehen und dann versuchen ein Ticket zu fangen.

Sonst nerven einen die Tickethändler bei jedem Konzert, aber heute, wo man sie braucht, scheinen die Herren vom Erdboden verschluckt. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und es ist ja schließlich Donnerstag!

Alles wird gut, Ticket in der Tasche, rein ins G9. Der erste Blick gilt dem Merchandise-Stand, wo ich erstaunt feststelle, dass Car Seat Headrest doch tatsächlich nur ihre aktuelles Album "Teens of Denial" auf Vinyl mitgebracht haben. Wieso das denn? F***! Der Tisch der TRAAMS ist deutlich besser gefüllt! Drei Longplayer auf Vinyl und eine 7-Inch. Also doch Donnerstag und alles wird gut.

Los gehts! Die TRAAMS machen von der ersten Minute an Alarm. Für eine Band, die sich 2011 aus Langeweile gegründet hat, weil es in dem Kaff in dem sie leben nur ein sehr limitiertes ödes Nachtleben gab, der richtige Ansatz. Langweile kommt beim Gig von Leadsänger und Gitarrist Stu Hopkins, Bassist Leigh Padley und Schlagzeuger Adam Stock - gibt es einen besseren Namen für einen Drummer? - definitiv nicht auf. Toll, was aus Langweile entstehen kann!

Zwar ist Hopkins nicht gerade ein begnadeter Sänger, aber die entweder mit nonchalanter Lakonie oder glaubwürdiger Aggressivität vorgetragenen Songs zünden vor allem durch den Ideenreichtum des Gitarrenspiels und den flächigen Breitwandsound. Das klingt dann manchmal nach dem Drone-Sound des Moon Duos aka Wooden Shjips, mal nach Krautrrock und stellenweise sogar ansatzweise nach The Mars Volta.

Leicht memorierbare Hits, wie auf der aktuellen Platte des noch kommenden Hauptact, sind nicht die Sache des Trios. Das Songwriting ist zwar gut, je öfter man beispielsweise den Song "Costner" hört, desto mehr zündet er, aber nicht exzellent. Die Melodie steht nicht im Vordergrund, sondern die atmosphärische Dichte und die unbändige Energie mit der die Drei live vollends überzeugen.

An diesem Donnerstagabend ist, neben dem Song "Costner", die Nummer "A House on Fire" das absolute Highlight. Kein Hit für den Mainstream, aber wer es liebt, wenn in der Indie-Disco schwitzende Körper Energie freisetzen, der wird der über 8 Minuten langen Nummer gnadenlos verfallen. Leider ist der Song nicht auf der aktuellen Platte enthalten, sondern nur als limitierte und nicht mehr erhältliche 7-Inch-Single erschienen, aber nach dem Konzert spreche ich mit Sänger Hopkins und er verspricht, dass das Stück auf dem nächsten Longplayer, der leider erst im Frühjahr 2018 erscheint, ein wohlverdientes Plätzchen findet.



Großartige Vorband, aber schlechte Nachrichten aus dem Ballsport: Die komische Truppe vom Niederrhein führt mit 1:0 gegen die königsblauen Schalker. Hole mir ein Frustbierchen und hoffe noch immer das ALLES gut wird.

CAR SEAT HEADREST-Schlagzeuger Andrew Katz setzt sich ans Schlagzeug und beginnt meditativ die Becken seiner Bude zu bearbeiten. Gitarrist Ethan Ives und Bassist Seth Dlaby, in einem Death from Above-T-Shirt gewandet, gesellen sich dazu und beginnen ihr Werk. Es wird erkennbar, dass "Vincent" der Opener des heutigen Abends wird. Mastermind Will Toledo entert unter großem Applaus die Bühne und "Vincent" nimmt Fahrt auf.



Es scheint so, als wollte die Band sich direkt die Hits vom Leib spielen, denn der nächste Song ist "Fill in the Bank", der IndieRock-Kracher vom "Teens of Denial"-Album. Und dann passiert etwas, womit ich NIE gerechnet hätte!

Das Publikum singt mit! Nicht nur den Refrain! Verdammt, noch vor wenigen Wochen hatte ich den treuen Konzertbegleiter C. damit veräppelt, das auf dem Konzert von Die höchste Eisenbahn wahrscheinlich alle ganz beseelt mitsingen würden und mit das eindeutig zu viel Gefühlsduselei wäre. Und jetzt das! Eine überschaubare Anzahl Pogo-Tänzer und eine riesige Menge Mitsinger. Fühle mich wie bei einem Stadionkonzert der Kings of Leon. Ein Blick auf das Smartphone lässt meine Donnerstagshoffnung schmelzen wie Butter in der Sonne. 2:0 für die kleine Pferdebande aus Mönchengladbach.



Ach, die Hoffnung stirbt zuletzt und die Band spielt die Songs live knackig und gut, wenn ihnen auch etwas die Durchschlagskraft fehlt, welche die Traams demonstriert haben, dafür haben Car Seat Headrest aber die besseren Melodien. Was aber nicht wundert, wenn man weiß, das Will Toledo seit 2010 wahrscheinlich nichts anderes mehr macht als Songs zu schreiben. Anders kann eine Diskografie in 7 Jahren mit 10 Alben ja wohl nicht hinhauen.

Der seltsame Bandname stammt übrigens angeblich daher, dass Toledo die Lyrics für die seine ersten Alben immer auf dem Rücksitz seines Autos geschrieben hat. Und was hatte er da immer im Blick. Richtig, die Kopfstütze ;-)

Nächster Song "Maud Gone" vom Vorgängeralbum "Teens of Style". Leider fehlt die besoffene Orgel und somit das auffälligste Merkmal des Songs, der deswegen etwas dahin plätschert. Vielleicht für die Liveauftritte doch noch einen Musiker beschäftigen, ein Bläser in "Vincent" wäre auch schön gewesen.

Zurück aufs Gaspedal mit "Destroyed by Hippie Power". Hier passt alles, kommt live ziemlich fett und der nölige Gesang von Toledo lässt mich an Herrn Mascis denken.

Anschließend nimmt sich das Mastermind eine kurze Gesangspause und übergibt an Gitarrist Ethan Ives, der seinem Aussehen nach eigentlich einen Ramones-Song covern müsste, aber einen Pixies-Song darbietet. "Motorway to Rosell" ist nicht der beste Pixies-Song und Ethan Ives nicht der beste Sänger. Kann man machen, muss man aber nicht.

Der Halbzeitstand ist 2:0. Ganz nüchtern bin ich nicht mehr, da passt der Song "Sober to Death" nicht ganz, aber das schrammelige melancholische Frühwerk aus dem Jahr 2011 hat durchaus seinen Reiz.

Es blubbert der Anfangsbeat von "Something Soon" und die Mitsinger sind wieder alle mit an Bord. Was läuft hier heute eigentlich schief? Hat die Band eine so große Teenie-Fanbase? Und Drummer Andrew Katz bedankt sich tatsächlich auch noch für das Mitsingen. Jetzt Spaß beiseite, ist Mitsingen bei Konzerten in Ordnung? Nach dem Konzert führe ich mit C. darüber eine Diskussion und wir sind uns beide einig: NEIN! Refrain kann man mal, aber ganze Strophen never ever!

Aber das war noch gar nicht der Mitsinghöhepunkt, denn als Nächstes kommt das von mir heiß geliebte "Drunk Driver / Killer Whales" ... und die Fischer Chöre erwachen. Meine Herren, ich hätte es ahnen müssen als zu Beginn des Konzertes vor mir drei Teeniegirls, geschätzte 1,20 Meter groß, mit ebenso großen Rucksäcken auf den Schultern, meine Nerven strapazierten. Oh Donnerstag was ist nur aus dir geworden.



Es folgt das gefällige "1937 State Park" und dann das wirklich großartige "Famous Prophets (Minds)", das ebenso wie "Sober to Death" vom Album "Twin Fantasy" stammt. Fühle mich wieder besser und wage einen ängstlichen Blick auf das Handy: 2:2! Alles wird gut, auf Donnerstage ist in der Regel wohl doch verlass!



Als letzten Song gibt es dann noch das feine "Unforgiving Girl (She's not an)" vom aktuellen Album und dann ist leider schon Schluss, wenn man an das schier unendlich Songpotential der Band denkt, schon ein bisschen knauserig, aber ich will nicht klagen, denn insgesamt eine feines Konzertchen - inklusive Vorband.

Jetzt hätte ich auch gerne Schluss im Dorf im Niederrheinischen, aber es sind noch 6 Minuten und dann gibt es auch noch 4 Minuten Nachspielzeit. ABER ES IST DONNERSTAG UND ALLES WIRD GUT!

TschÖ Gladbach!



Donnerstag, 16. März 2017

LAURA MARLING / Semper Femina [LP]

Männerwelt war gestern! In keinem Bereich drängen Frauen so weit in die Spitze vor wie in der Popkultur - ganz ohne Quote! Was das letzte Jahr in popkultureller Hinsicht bereits stark aufzeigte, scheint in 2017 nun geradezu inflationäre Formen anzunehmen. Stellt sich die Frage: Warum?


Liegt es daran, dass Frauen mehr zu sagen haben, dass sie mehr (ihr) Leid, sicher auch aufgrund der in vielen Bereichen immer noch vorherrschenden Männerwelt, klagen müssen? Liegt es daran, dass, wie es allgemeingültig behauptet wird, Frauen besser Gefühle zeigen können? Oder ist die Zeit einfach reif für eine Woman’s World?

Die Britin LAURA MARLING macht sich auf ihrem Konzeptalbum "Semper Femina" auf die Suche nach der Weiblichkeit.

Lateiner werden den Albumtitel sofort transkribieren können, allen anderen sei der Titel als "Immer Frau" übersetzt und der Hinweis gegeben, dass Miss Marling das Zitat des lateinischen Dichters und Epikers Vergil, welches vollständig "Varium et mutabile semper femina" lautet und eine ganz andere Bedeutung hat, nämlich "Etwas Unbeständiges und immer Veränderliches ist die Frau", für ihre Zwecke radikal kürzt und diesem somit eine gänzlich andere Bedeutung verleiht.

Darf und kann Miss Marling das?! 3 Mal JA!

Ja, denn neben der großen PJ Harvey, fällt mir im aktuellen Pop- und Rockzirkus niemand ein, der die Ausarbeitung eines musikalischen und textlichen Zusammenhangs für ein Album sorgfältiger konzipiert.  

Ja, denn neben ihrer Arbeit am neuen Album initiierte Laura Marling eine Podcast-Reihe mit dem Namen "Reversal of the Muse: An Exploration of Femininity in Creativity" mit dem selbst gestellten Auftrag die Weiblichkeit in kreativen Berufen zu Wort kommen zu lassen. Neben bekannten Persönlichkeiten wie Dolly Parton, Emmylou Harris, Karen Elson oder der Girl-Band Haim berichten auch Normalsterbliche von ihren Erfahrungen und Erlebnissen.

Ja, denn die 27-Jährige ist im Musikzirkus für ihr Alter schon viel rumgekommen. 2006 ist sie Gründungsmitglied der FolkRock-Band Noah an the Wahle, deren Sänger ihr damaliger Freund Charlie Fink ist. Charlie produziert ihr Solo-Debüt-Album "Alas, I Cannot Swim", welches 2008, zeitgleich mit dem ersten Album von Noah and the Wahle, erscheint und so erfolgreich ist, dass Laura die Band verlässt, um sich ganz auf ihre Solokarriere zu konzentrieren. Es folgen vier weitere exzellente Alben, meist Konzeptalben, mit denen Marling ihren Status als außergewöhnliche Singer/Songwriterin ausbaut.

"Super Femina" ist das sechste Album der in Grafschaft Hamsphire geborenen Britin und in musikalischer Hinsicht, das Album mit dem größten Spektrum. Natürlich ist Marling ein Kind des Folks und dementsprechend sind die Wurzeln, aus denen sie kommt in jedem der neun neuen Lieder deutlich zu hören, aber ihre feinsinnigen federleichten Arrangements flirten mehr mit Pop, Blues und Jazz als je zuvor.



Der dezent auf einer Basslinie groovende Opener "Shooting" ist ein gutes Beispiel für das dezent ausgeweitete Klangspektrum der Künstlerin. Würde diesen Song nicht Miss Marling singen - was sehr schade wäre, denn Laura ist nicht nur eine sehr gute Gitarristin, sondern auch eine virtuose Sängerin - und man stattdessen die Stimme von beispielsweise Thom Yorke oder PJ Harvey hören würde, käme kaum jemand auf den Gedanken, dass die Nummer nicht ins Repertoire dieser Künstler gehöre.

Der zweite Song des Albums, "The Valley", besticht durch filigranes Finger-Picking, einen ungewohnten Walzertakt und der so unglaublich tröstlichen Gesangsstimme, die es vermag noch süßer zu klingen als die himmlischen Streicherpassagen des Stückes. Ich habe erst vor Kurzem meine Plattensammlung um einige Joni Mitchell-Platten erweitert und stelle fest, dass obwohl einige Jahrzehnte zwischen den Künstlerinnen liegen, es doch deutliche Parallelen gibt.



Bei "Wild Fire" ist offensichtlich, dass Laura sich beim Komponieren des Stückes vom Lou Reed Klassiker "Walk on the Wild Side" inspirieren lies. Bewusst schreibe ich "inspirieren", denn die anfängliche Ähnlichkeit verfliegt schnell, da ihr das Kunststück gelingt, dem 45 Jahre alten Stück, das selbstbewusste weibliche Äquivalent entgegenzusetzen. "You can stop playing that shit out on me!"

"Don’t Pass Me By" beginnt mit einem rumpelnden und zeitweise stolpernden, höchstwahrscheinlich analogen, Drumcomputer. Dazu gesellen sich schwebende Vibrato-Gitarrenklänge und Laura singt von alten Freunden, nie zu vergessenden Melodien und der Möglichkeit oder Unmöglichkeit zu lieben. Klingt schon beim ersten Hören wie ein Klassiker und erinnert stark an die unterkühlte melancholische Note von Portishead-Platten.

Das frühlingshaft beschwingte, aber trotzdem sehr gefühlige und nachdenkliche "Always This Way" wirft einen Blick zurück auf zerbrochene Lieben, begangene Fehler ohne Bitternis, sondern mit der Gewissheit, dass es auf jeden Fall der eigene Weg war. In einer Art Sprechgesang, irgendwo zwischen Leonard Cohen und Bob Dylan, sinniert Miss Marling bei "Wild Once" über die Evolution des Einzelnen während des unaufhaltsamen Prozesses dem Älterwerden:

"It's hard if you can't change it / It's worse if you don't try / You will sit down to explain it / And you're constantly asking why / You are constantly asking why / Well, you are wild  / And you must remember / You are wild, chasing stones."

Bei "Next Time" klingt es, als wäre die akustische Gitarre in einer Endlosschleife gefangen, während um sie herum alle, natürlich im angemessenen Rahmen, improvisieren um einen schmuckvollen Songrahmen zu bilden. Schön, die kleinen angedeuteten Ausflüge ins ProRock-Land.



Der einzige, musikalisch etwas schwächere, weil sehr traditionelle Song ist "Nouel", aber vielleicht auch nur, weil Laura Marling hier den Fokus ganz bewusst auf ihre gewählten Worte legen will. Ganz im Gegenteil zum Vorgänger Song zeigt der Schlusssong des Albums "Nothing, Not Nearly" Ecken und Kanten, sogar Dissonanzen und eindeutige IndieRock-Tendenzen.

Fazit: Mit ihrem sechsten Album "Semper Femina" ist Laura Marling endlich das Meisterwerk gelungen, auf welches sie seit Jahren kontinuierlich hinarbeitet. Congratulation, it's a self-confident woman’s world and I like it!

Tracklist:
01 Soothing
02 The Valley
03 Wild Fire
04 Don’t Pass Me By
05 Always This Way
06 Wild Once
07 Next Time
08 Nouel
09 Nothing, Not Nearly